TOUR DIARY


Undergod / Zeromancer

Basel. Freitag, 1. Februar 2002, 05.00 Uhr morgens


Der Wecker droehnt mir beinahe das Ohr weg. Ach ja, ich muss ja meine Bandkumpels zusammen sammeln und dann geht's die bescheidenen 800 km von Basel nach Hamburg, wo wir uns um 18.00 Uhr mit ZEROMANCER treffen und den gemeinsamen Nightliner entern sollen. Natuerlich viel zu frueh -typisch Schweizer- kommen wir in Hamburg an. Aber da ich noch den Bus zur Autovermietung bringen muss passt das. Am Rande der Reeperbahn laden wir den ganzen Krempel aus und unser Soundmann André hat den Auftrag dort (im Freien!!) auf uns zu warten bis wir wieder zurueck sind. Ich glaube er hat sich dabei fast in die Hosen geschissen.
undergodIch meine... hey... es ist dunkel, du bist alleine auf St. Pauli und neben dir stehen Instrument und Verstaerker im Wert von ca. 15'000 EURO....

Der Nightliner mit den Musikern von ZEROMANCER, Crew und Technikern erreicht puenktlich um 18 Uhr den vereinbarten Meeting-Point am Hamburger Domplatz. Im Bus herrscht dann erstmal noch eine ziemlich zurueckhaltende Stimmung. Smalltalk. 16 sehr unterschiedliche Personen waehrend einem Monat auf engstem Raum vereint. Das kann ja heiter werden. Doch alle sind voellig cool und nach den ersten paar Bieren ist alles bereits ganz locker. Mir faellt schon von Anfang an auf, dass bei ZEROMANCER Alex (der Saenger) und Kim (Bassist) die Raedelsfuehrer sind - und definitiv auch die Womanizer auf der Tour. Mit dem aus den USA stammenden Gitarristen Chris tausche ich Tourerlebnisse aus und irgendwann mal verziehe ich mich in mein Bett.


London. Samstag, 2. Februar 2002, "Underworld" in Camden-Town


Ich wache auf und mir ist speiuebel. Wir sind auf der Faehre von Calais nach Dover und draussen tobt ein ziemlich wilder Wellengang. Soll ich jetzt hier schon am ersten Tag alles vollkotzen? Gegen Mittag erreichen wir London und die Odysse zum Club kann beginnen. Irgendwann erreichen wir schliesslich den Kultclub "Underworld" in Londons Camden-Town. Die Local-Crew vom Club ist der Hammer. In Rekordzeit ist der Anhaenger ausgeladen und das Equipment in den Club geschleppt. Dann erstmal Ernuechterung. Das ganze Licht ist noch nicht da und deswegen kann mit dem Buehnenaufbau noch nicht begonnen werden. Es reicht jedoch zu einem Soundcheck fuer beide Bands.


undergod. stage

Alle Musiker drei Bands sind zeimlich nervoes vor dem Gig, denn schliesslich hat keine der Bands einen offiziellen Album-Release in England und es ist zu befuerchten, dass der Club ziemlich leer sein wird. Am Abend ist der Laden mit gegen 300 Leuten gut gefuellt und im Publikum hat es ziemlich illustere Gestalten. Puenktlich um 19.30 Uhr besteigen Conetik dann die Buehne. Das Dark-Elektro-Techno-Duo aus Norwegen peitsch ihre Computerbeats auf das Publikum, aber man merkt, dass die Jungs auf der Buehne mit erheblichen technischen Problemen zu kaempfen haben. Wir besteigen um kurz nach acht die Buehne und rocken los. Das verwoehnte Londoner Publikum geht von Anfang an gut mit. Geil! Wir brettern was das Zeug haelt und nach dem halbstuendigen Set ernten wir Lorbeeren von den Zuschauern. Dann heisst es Buehne frei fuer ZEROMANCER.

Das Publikum ist erstaunlicherweise ziemlich vertraut mit dem Material der Norweger und schon beim ersten Song "Something for the Pain" ist vor der Buehne der Teufel los. Die Band legt souveraen ihren Set hin und begeistert das schweissgebadete Publikum. Nach dem Gig heisst dann schnell verabschieden von allen und versuchen die Faehre um 1 Uhr zurueck auf's Festland zu erreichen. Im Bus herrscht ausgelassene Stimmung und alle droehnen sich mit diversen Waesserchen zu. Ein gelungener Tourauftakt!


Bielefeld. Sonntag, 3. Februar 2002, "Forum"


Am morgen wachen alle im Bus mit einem kraeftigen Hangover auf. Verzweifelt wird versucht die Kaffemaschine in Gang zu kriegen, was schliesslich auch gelingt. Da allerdings kein stilles Wasser vorhanden ist, wird der Kaffee mit kohlensaeurehaltigem Mineralwasser gekocht. Na dann vielleicht doch lieber warten... Irgendwann gegen Mittag erreichen wir den Club in Bielefeld. Schnell merken wir, dass wir die fleissige Crew aus London noch ein paar Mal vermissen werden auf Tour. Die Stage-Hands vor Ort sind doch eher etwas lethargisch drauf. Egal. Wir stuerzen uns auf das reichhaltig vorhandene Catering und vertreiben uns die Zeit bis zum Soundcheck mit dummem Rumgelabere. Eigentlich sowieso unsere Hauptbeschaeftigung die ganze Zeit.

Noralf (ZEROMANCER-Drummer) lernt schnell die nicht ganz jugendfreien Schweizerdeutschen-Ausdruecke die wir ihm beibringen. Und natuerlich sagen wir ihm nicht ganz die Wahrheit ueber deren Bedeutung und freuen uns auf den Gig in Zuerich. Abends dann ist der Club gut gefuellt. undergod gitAuffaellig viele Goth-Heads tummeln sich heute im Publikum. Unser Tourmanager Juergen bereitet uns darauf vor, dass das Bielefelder Publikum nicht gerade als ueberschwaenglich bekannt ist. We'll see..
CONETIK haben heute einen deutlich besseren Gig als in London, der Technik sei dank. Nach dem Gig sind die beiden, uebrigens extrem sympathischen, Jungs happy und posen noch ein wenig im Publikum rum. Wir gehen gleich danach auf die Buehne. Den Hadcore-Goths sind wir wohl ein wenig zu hart, dem Rest gefaellts und spendet eifrig lauten Applaus. Dass ich beim letzten Song ueber keinen Gitarrengurt verfuege merkt anscheinend kein Schwein. Ich kaempfe gegen die Schwerkraft und gehe entnervt von der Buehne.

ZEROMANCER bieten eine gnadenlose Show und ich gucke mir den groessten Teil ihres Sets an. "Chrome Bitch" rockt wie die Hoelle, bei "Need you like a drug" sind alle Haende in der Hoehe und das obligate "Send me an Angel" beendet die Show. Nach dem Gig versuchen alle angestrengt die Party in die Gaenge zu kriegen, doch irgendwie sind alle zu muede und wir geben uns im Bus "Spinal Tap" auf DVD, das MUSS auf jeder Tour!


Hannover. Montag, 4. Februar 2002, OFF-Day


Wir wachen am Busbahnhof in Hannover auf. Der Motor vom Bus laeuft schon seit Stunden, da wir an keinen Strom kommen konnten. Gemeinsam mit Stian von CONETIK machen wir uns auf den Weg um fruehstuecks-technisch was auf die Reihe zu kriegen. Wir landen in einem Stehkaffee und stopfen Bockwuerste in uns rein...
Das "Faust" in Hannover, der Club in dem wir am Dienstag spielen werden, hat erbarmen mit uns und Gaby, unsere nette Busfahrerein, steuert den Bus dorthin wo wir mit Strom versorgt werden, duschen und abhaengen koennen. Thanx!!
Etwa dreimal suchen wir das Internet-Café auf, um unsere Homepage upzudaten und ein wenig Business zu machen. Ansonsten sind OFF-Days meist scheisse-langweilig und dieser ist nicht anders. Unser Basser Patrik und ich entscheiden uns dafuer, am Abend im Kino den neuen David Lynch-Film "Mulholland Drive" anzukucken. Gute Entscheidung!! Der Film rockt. Und wir haben Gespraechsstoff fuer Wochen... Weiss irgendjemand da draussen um was es in dem Film eigentlich geht??? Food for Brain. Ich besorge mir am Kiosk noch ein paar Jaegermeister fuer den Bus....


Hannover. Dienstag, 5. Februar 2002, "Faust"


Ich bin schon frueh wach und in meiner Koje riechts wie auf der Schweinemast. Ich entscheide mich fuer eine Dusche. Ein kleiner Gefallen an mich und alle anderen. Dann geht die Warterei im Club los. Ein bisschen Smalltalk da, ein wenig rumalbern hier und warten, warten, warten. Der Backstage-Bereich ist schon vor dem Gig proppevoll und wir rocken zu den Deftones die aus dem Ghettoblaster knallen.
Hannover ist ZEROMANCER-Land. Schon frueh stehen die ersten Maedels tapfer in der Kaelte vor der verschlossenen Tuere oder lungeren um unseren Tourbus rum. Lustig! Viva machts moeglich..
Wir machen uns Backstage auf den Gig heiss und als CONETIC die Buehne entern ist der Club schon gut gefuellt. Die Jungs ueberzeugen heute voellig. Es zeigt sich schon frueh, dass das Hannoveranische Publikum ihrem guten Ruf voellig gerecht wird. Einfach geil!
Wir brettern mit "Amazing" los und von Anfang an ist die Meute mit uns. Vorne am rechten Buehnenrand entdecke ich ein paar bekannte Gesichter die weit gereist sein muessen um uns hier zu sehen. Ja!! Lasst rocken!!

undergod live

Das Merchandising-Geschaeft laeuft auch gut und wir sind mehr als zufrieden. Yeah!! Hannover rules!!! Bei ZEROMANCER verwandelt sich das Faust dann endgueltig in einen Hexenkessel. Die Songs werden von den Fans wild mitgesungen. Der Bassist Kim hat einige Muehe, sich nicht von den zwei Girls die direkt vor ihm waehrend der ganzen Show wild miteinander rummachen ablenken zu lassen. Zwei Zugaben werden gefordert und auch nachdem das Licht im Saal an ist verhallen die Zugabe-Rufe erst nach einiger Zeit! Hinter der Buehne ist indessen schon eine ziemlich skurille Party im Gange. Girls everywhere, Whiskey, Wein und Slayer aus den Lautsprechen. Spaeter auch noch die Britney Spears (?). What the fuck... !!! Wir bunkern soviel Bier wie wir nur tragen koennen und verziehen uns im Bus. Die Party geht weiter bis spaet nachts. Und als wir um 4.00 Uhr morgens die Kojien entern hoert man immer noch Gegroehle und lallende Schweizer, Norweger, Deutsche und Amis.


Willhelmshaven. Mittwoch, 6. Februar 2002, Pumpwerk


Ich bin mal wieder der erste der wach ist und putze mir erst mal mit abgestandenem Fanta die Zaehne, das Wasser ist alle. Kurzer Blick aus dem Fenster und... wo sind wir eigentlich?? Die Rueckseite des Tourpasses git Auskunft: Willhelmshaven. Ich mache mich auf die Suche nach einem Internet-Café, meine Lieblingsbeschaeftigung auf dieser Tour. Die Einheimischen hetzen mich durch die ganze Innenstadt. Mir faellt auf, dass ich kein einzges Tourplakat haengen sehe, das verspricht nichts gutes. Spaet Nachmittags erreiche ich wieder den Club und studiere das Programm. Wieder mal scheint man einige Probleme mit unserem Namen gehabt zu haben; undergood steht da in grossen Lettern. Und Conetik heissen heute Conectik. Trottel! Ausserdem scheint das Pumpwerk nicht gerade ein Rock-Mekka zu sein. Wir stehen da als einziger Rock-Event zwischen Recken wie Karl Dall, dem Bremer Singsang-Orchester etc. Auch eine halbe Stunde nach Tueroeffnung ist der Saal nur spaerlich bevoelkert. Tja, etwas Promo haette wohl nicht geschadet...
Als CONETIK auf der Buehne loslegen stehen die vielleicht anwesenden 100 Leute brav im Halbkreis vor der Buehne. Sie legen einen guten Set hin und nach dem Gig verkaufen sie eine ganze Menge ihrer Maxi-CD's und geben fleissig Autogramme, was die beiden sehr amuesiert. Als unser Intro durch den Raum schallt sind vielleicht 130 Leute anwesend. Wir legen einen ziemlich guten Gig hin und das Publikum wippt und klatscht fleissig mit. Patrik ist neben mir heftig am rumposen. Yeah!!! Rock hard!!!
ZEROMANCER bringen dann das Publikum endgueltig in Wallung und schmettern ihre Elektro-Beats in den Saal. Wie immer versuchen vor der Buehne die Maedels fleissig die Aufmerksamkeit von Kim und Alex zu ergattern. Bei der Zugabe "House of Cards" ist es Gaby, Patrik und mir nicht zu peinlich mit Wunderkerzen vor der Buehne zu stehen und ich sehe das Grinsen auf Kims Gesicht waehrend er uns mit einem freundlichen Teufelsgruss zuwinkt. Spaeter am Merchandising-Stand muessen Stian und ich ZEROMANCER-Plakate signieren (??!!)
undergod bassDie Stimmung im Backstage ist auch ziemlich gut. Schliesslich hat St. Pauli heute Bayern Muenchen 2-1 geschlagen.... und die fuenf Kiesten Bier sind bald alle. Ich amuesiere mich ueber die Zahnspangen-Maedels, die schuechtern in der Ecke stehen und aufmerksam zuhoeren, waehrend im Raum norwegisch, englisch und Schweizerdeutsch geplaudert wird.... Zurueck im Bus trennt sich dann der Spreu vom Weizen; die Metalheads schauen sich im unteren Teil des Busses ein Judas Priest-Special an waehrend oben American History X laeuft. Ich bange noch eine Stunde mit und verziehe mich muede zu den Klaengen von "Breaking the Law" in meine Koje.


Bremen. Donnerstag, 7. Februar 2002, Tower


Ich wache auf und unter meinem Kopfkissen klingelts und vibrierts. Aha - SMS erhalten von meiner Liebsten. Der Tag faengt auf jeden Fall gut an... Ich stolpere aus dem Bus um mir Bochum anzuschauen. Irgendwie komisch, das sieht hier aus wie gestern. Das ist gestern! Wir sind immer noch in Willhelmshaven. Shit. Mit den Jungs von ZEROMANCER kucke ich mir irgendeine norwegische Sitcom an (???). Ich hab ueberhaupt keinen Plan um was es geht und entschliesse mich, meine Zeit vernuenftig zu nutzen und mich gescheiter Literatur hinzugeben..und blaettere in der Moetley Cruee-Biographie. ROCK'N ROLL!!!
Die Fahrt von Willhelmshaven nach Bremen ist angenehm kurz und wir erreichen den Tower. Geiler Club, genau nach meinem Geschmack!!! Klein aber fein. Im Vorverkauf gingen bereits weit ueber 100 Tickets und wir koennen uns auf ein volles Haus freuen. Kurz noch das Internet-Café ausfindig machen um die Fan-Mails beantworten und dann schnell zurueck in den Club wo noch ein paar Interview-Termine anstehen. Unser Drummer Fran wird seit Stunden vermisst aber ich kann mir schon denken wo er ist. Der Tower liegt ja guenstig...
Im Backstage steht zu unserer Freude ein Kicker und es gibt ein paar Laenderspiele Norwegen-Schweiz, "Disorder" von System of a Down knallt aus den Boxen und alle sind heiss auf den Gig. Der Club ist schon uebervoll als CONETIK auf die Buehne gehen. Das Publikum ist sehr dankbar heute. Die Jungs liefern einen guten Gig und umso mehr ich mit den Songs vertraut bin, umso geiler finde ich es und wippe heftig mit.
Wir legen mit "Amazing" los und das Publikum ist sofort mit uns. Yes!! Bremen rules!! Direkt vor der Buehne steht wie allabendlich die ZEROMANCER-Hardcore-Fan-Base - wildgeschminkte kleine Maedels. Die Stimmung steigt von Song zu Song und bei "Desire" kriegen wir schliesslich auch die ZMR-Girls. Mit "Physical" legen wir einen kroenenden Abschluss auf die Bretter und die Menge dankts mit Applaus. Wow!! Der Umbau ist die Hoelle. Verschwitzt hieven wir unser Equipment ueber die Koepfe des Publikums um die Buehne frei fuer ZEROMANCER zu machen. Von ihrem Gig kriege ich nicht viel mit, da noch ein Kumpel aus Oldenburg angereist ist, mit dem wir im Backstage abhaengen. Aber ich hoere das wilde Geschrei durch die Gaenge hallen und weiss, dass sie ein Moerder-Konzert hinlegen. Und nun sitze ich hier und schreibe diese Zeilen, waehrend die Aftershow-Party so langsam in Gang kommt.

Bochum. Freitag, 8. Februar 2002, Zeche.


Die Party gestern hat bei allen seine Spuren hinterlassen. Neben dem langsam unertraeglich werdenden Gestank von verschwitzten Socken und T-Shirts im oberen Tei des Busses riechts im unteren Teil wie in einer russischen Kneipe. Der Gig heute in Bochum wurde wegen dem guten Vorverkauf in die Zeche verlegt. Gute Vorzeichen also. Wir stuermen erstmal alle das Buffet. Heute laeuft alles in Slow-Motion aber das wird schon noch. Schon frueh tummeln sich die ersten Fans um den Tourbus und wollen von allem und jedem Autogramme. Der Backstage ist gegen Abend schon gut gefuellt und die Stimmung steigt. Heute hat sich eine Menge Presse angemeldet. Eine nette Lady ganz in schwarz ueberreicht mir ein Zeitungsausschnitt wo in grossen Lettern "...undergod aus Seattle.." steht. Äh, hab ich da was verpasst?? Beim Abendessen ist es im Backstagebereich bereits uebervoll und es wird maechtig herumgealbert, verarscht und .... gebechert.
Als CONETIK um 21 Uhr die Buehnen entern ist die Zeche mit bereits mehr als 300 Leuten gut gefuellt. Sie liefern einen guten Gig, wenn auch das Publikum etwas zurueckhaltend reagiert. Der Sound ist beschissen, was aber mehr an der Halle als an unserem Tonmann André liegt.
Als wir die Buehne betreten ist der Laden brechend voll. Weit ueber 400 Menschen draengen sich vor die Buehne. Der Sound auf der Buehne ist bereits wie beim Soundcheck extrem ungeil und ich kann nur erahnen, was wir spielen. Shit! Und das heute!! Der Gig ist OK, das Publikum komm gut in Wallung doch irgendwie waere hier viel mehr fuer uns dringelegen.
ZEROMANCER kaempfen anfangs auch mit diversen Soundproblem doch lassen sich nichts anmerken und legen sich maechtig in's Zeug. Das Publikum ist frenetisch und die ganze Halle huepft bei "Need you like a drug", singt bei "Doctor Online" und schwitzt zu "Chrome Bitch". Wir freuen uns fuer die Jungs. Einfach nur geil. Man merkt, dass sich die Band auf grossen Buehnen wohl fuehlt. Und daran werden sie sich ja gewoehnen muessen. Nach der Show ist unser Nightliner umkreist von mindestens 100 Fans, und das Durchkommen ist kaum moeglich. Die eine Haelfte macht sich zur Aftershow-Party in's Matrix auf und die andere Haelfte, wo auch ich dazugehoere, feiert im Bus. Gegen 5 Uhr haue ich mich in die Koje und am 7 Uhr morgens hoere ich wie Stian besoffen in den Bus faellt und irgendwas wie "..Jaeaeeeigerrrmaaisssterr suuuckksss" lallt...


Gent. Samstag, 9. Februar 2002, Twieoo.


Das GPS verarscht heute morgen unsere Busfahrerin Gaby ganz schoen. Doch irgendwie schafft sie es doch und wir erreichen frueh den Club. Unser einziger Belgien-Gig steht heute auf dem Programm, doch es ist noch niemand im Club. Auch sonst sind um 12 Uhr Mittag noch alle Laeden geschlossen. Was denn hier los?? Irgendwie scheinen die belgischen Uhren anders zu ticken. Endlich kommt der lokale Promoter und wir stuermen in den kleinen Club, der wie ein einziges Schalchtfeld ausschaut. Hier muss gestern eine Moerderparty gefeiert worden sein oder es war Krieg. Überall liegen Glasscherben auf dem Boden, es stinkt wie die Sau nach Pisse, Alk und Chlor und im Klo muss man ueber Blutlachen waten. Die Belgier scheinen ja ein ganz lustiges Voelkchen zu sein... Gleich beim Club um die Ecke hat es einen Waschsalon was Patrik und mir ganz gelegen kommt. Nach einigen Fights mit lokalen Hausfrauen laden wir unsere stinkige Waesche in die Trommel und warten. Der Spass kostet uns umgerechnet 7 EURO und dauert ewig. Zurueck im Club entdecken wir dann im ersten Stock eine Waschmaschine... Waehrend des gesamten Soundchecks faellt dauernd der Strom aus und im Club ist es stockfinster. Nix geht mehr. Die Leute vom Club versuchen uns zu beruhigen und versprechen die Kuehlschraenke abends vom Netz zu nehmen, dann muesst's klappen (!!!!!).
Die Stimmung ist trotzdem gut und auch Stian kann gegen Abend wieder zusammenhaengende Saetze bilden. Der Club ist am Abend brechend voll und das Publikum feiert alle Bands extrem ab. Belgium rocks!!! Im Gegensatz zum Gig gestern in der Zeche ist die Buehne heute zwar klitzeklein und es haengen gerade mal etwa 12 Lampen ueber der Buehne, aber wir alle rocken was das Zeugs haelt und das Publikum ist am toben. Und der Strom haelt auch... What a night! Nach der Show herrscht ausgelassene Stimmung im Bus und wir steuern zurueck nach Good old Germany.


Muenster. Sonntag, 10. Februar 2002, Metropol.


Was ist denn nun los???!! Wildes Kirchenglockengebimmel reisst uns alle aus dem Schlaf. Aaarghh!!! Der Motor vom Bus ist auch seit Stunden am laufen, da wir vom Club noch keinen Strom bekommen haben. Wir machen uns auf zur oertlichen Baeckerei und versuchen unseren Kater mit Kaffee und Fischbroetchen zu vertreiben - was nicht klappt...
Der Backstage ist eine leerstehende Wohnung ueber dem Club und alle stehen zum Duschen an. Bis ich an Reihe bin siehts im Bad schon aus wie in Belgien. Naja, Augen zu und durch. Heute sind alle wieder etwas auf Standby und erst gegen Abend kommt richtig Stimmung auf. Lustig ist die Nonne vorm Bus, die von Kim ein ZEROMANCER-T-Shirt mit der Aufschrift "All chicks are evil"geschenkt kriegt und das kleine Intermezzo mit mir und der oertlichen Polizei wegen dem Motor vom Bus der unentwegt laeuft.
Die Show am Abend verlaeuft wie am Schnuerchen. Man merkt, dass alle Bands so langsam richtig in ihre Routine gefunden haben und fuer einen Sonntagabend ist das Publikm extrem gut drauf. Am Schluss unseres Sets bedanke ich mich beim Publikum mit den Worten "... Bielefeld, ihr wart geil!!" Ich sehe wie sich die Crew biegt vor lachen. Scheisse, wir sind ja in Muenster...
Bei ZEROMANCER entdecke ich ein paar Girls im Publikum, die sich nun bereits zum 5. Mal die Show anschauen. Hardcore. Ich haenge beim Merchandising-Stand ab und bin fleissig am CD's signieren. Nach der Show herrscht im Backstage Rock'n Roll. Girls und Booze. Im Bus das gleiche Bild. Die Abfahrt verzoegert sich.


Leipzig. Montag, 12. Februar 2002, Moritz-Bastei.


Irgendwann um 16 Uhr erreiche ich Leipzig. Wow. Die Stadt ist geil. Der Club heute befindet sich in einer alten Burg mit dutzenden Gaengen und Gewoelben. Ich verlaufe mich den ganzen Tag lang. Wie kann man sich hier nur zurecht finden. Die Buehne ist klein aber fein. Der Soundcheck ist bald hinter uns gebracht und wir verziehen uns in den Bus. Wir erklaeren diese Woche zur Rock'n Roll-Woche. No compromise!! Als wir in den Club zurueckkommen verlaufe ich mich abermals und lande statt auf der Buehne erst im Geschirrlager, dann im Keller und schliesslich wieder draussen. Spinal Tap. Verzweifelt zeigt mir ein Ortskundiger den Weg. Aha, ist ja eigentlich ganz einfach... Als wir auf die Buehne kommen scheint der Club aus allen Naehten zu platzen. Heute ist ausverkauft.
Wir legen los und das Publikum ist bombastisch, feiert uns ab und wir legen den bisher besten Gig der Tour hin. Leipzig rules! Extrem geil hier!! Da wir schon vor der Show gut gebechert haben geht's auch nacher im gleichen Stil weiter.Schliesslich ist Rock'n Roll-Woche. Und die Flasche Johnny Walker die im Backstage bereit steht kommt uns dafuer ziemlich gelegen.
Ich schaue mir ZEROMANCER an, die auch einen Moerder-Gig spielen. Alex ist auf der Buehne wild wie noch nie und vor ihm und Kim kommen die Maedels in erstaunliche Wallungen. Spaeter gehe ich im Slalom zum Merch-Stand wo ich Sandra etwas Gesellschaft leiste.
Das Geschaeft heute laeuft gut und wir sind fleissig am CD's und Poster signieren. In einem Club nicht weit weg soll noch eine Aftershow-Party steigen. Nix wie hin. Ich bin ein guter Gast und die Bar verdient fleissig an mir. Ich labere und labere bis mein Handy klingelt und mir die Hiobsbotschaft ueberreicht wird, dass sich der Bus jetzt in Bewegung setzt und ich meinen Arsch in Bewegung setzen soll. Scheisse ich bin also der Letzte. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich den Bus. Drinnen widmen wir uns wieder Johnny Walker... Party hard. Ein kraeftiger Hangover ist vorprogrammiert!


Potsdam. Mittwoch, 13. Februar 2002, Waschhaus.


Halb auf dem Stuhl und halb im Gang liegend wache ich irgendwann morgens auf. Neben mir liegt Johnny Walker. Leer. Oh Mann, mein Erinnerungsvermoegen ist ziemlich, sagen wir mal, angeschlagen. Ich habe komische Narben auf meinem Arm. Verdammt, wieso haben die mich hier liegen gelassen. Ich schleppe mich hoch in meine Koje und schlafe erst noch mal ne Runde. Aus meinen Poren dampft der Whiskey. Um 14.00 Uhr sieht die Welt schon wieder etwas besser aus. Erstmal fruehstuecken im Club und rumhaengen. Alles schauen mich ziemlich mitleidig an und die Frage "..how are you today?" werde ich heute noch einige Mal beantworten muessen.
Beim Soundcheck brummt uns allen der Schaedel. Oben im Backstage kommt die Stimmung nur schleppend auf. Kim brilliert mit seinen Deutschkenntnissen und ueberzeugt mit Saetzen wie " hast Du Arschpfropfen?" oder "ist das Sperma in deinem Damenbart?". Fran und ich entschliessen uns, das einzig Richtige zu tun wenn man einen Kater hat: ein Bier saufen...
Um 21 Uhr ist der Call fuer den Auftritt von CONETIK. Vom Buehnenrand aus schaue ich mir den Gig an. Das Publikum ist beaengstigend ruhig und das laesst nichts Gutes ahnen fuer uns. Als unser Intro ueber die Boxen schallt ist der Club schon uebervoll und wir legen los. Die Menge geht vom ersten Ton an gut mit und die undergod.-Fans im Publikum toben. Wow. Das haben wir nicht erwartet. Viel zu schnell ist der Gig vorbei. Der Osten rockt! Definitiv! Dankeschoen Potsdam. Zufrieden liegen wir uns in den Armen.
Kurz nach 22 Uhr legen ZEROMANCER mit dem obligaten "Something for the pain" los. Anfangs sind die Reaktionen - verhaeltnismaessig - noch etwas verhalten, doch von Song zu Song steigt die Stimmung. Die Lightshow ist heute vom Feinsten und Kim und Alex heizen das Publikum mehr und mehr an. Bei "Doctor Online" und "Need you like a drug" bricht die Hoelle los! Alles springt, klatscht und singt. Es werden frenetisch zwei Zugaben verlangt. Cupola" im ersten Zugabenblock ist wirkich ein Hammersong. Als Alex die Menge schlieslich fragt"do you wanna hear a song from die 80's? hallt es ohrenbetaeubend zurueck "Send me an angel".
Nach dem Gig siehts im Backstage aus wie in der New Yorker U-Bahn zur Hauptverkehrszeit. Mindestens 60 Leute zwaengen sich in den kleinen Raum. Die Rock'n Roll-Woche ist auf Hochtouren. Die Abfahrt nach Dresden wurde auf 8 Uhr morgens verschoben, da im Club noch eine heftige Aftershow-Party angesagt ist. Auf zwei Dancefloors wuetet der Mob bis frueh morgens. Ich verziehe mich irgendwann mal in den Bus und entdecke Stian, der im dunkeln sitzt und von seiner Liebsten traeumt. Poor boy. Und ich leide mit ihm....


Dresden. Donnerstag, 14. Februar 2002, Scheune.


Es rumpelt und holpert dass ich fast aus meiner Koje falle. Aha, den Strassen nach muessten wir eigentlich in Dresden sein... Fuer den Gig heute sind bereits im Vorverkauf knapp 300 Tickets gegangen und das verspricht ein weiteres Mal eine volle Huette. Die ersten Fans haengen schon frueh beim Venue rum und halten uns immer brav die Tueren auf. Lustig. Wir vertreiben uns die Zeit mit Fussball und Becks.
Heute geht alles ziemlich schnell und schon bald ist Showtime. Das Publikum ist vom ersten Ton an extrem geil drauf - wie ueberall im Osten - und CONETIK spielen einen ueberzeugenden Gig. Bei "Suzanne" bin ich einer im Mob vor der Buehne und tanze ab. Wir entern kurz darauf die Buehne und die Menge geht sofort mit. Bei "Desire" wippt der ganze Saal und bei "Physical" ist wildes Headbanging angesagt. Noch dem Gig stehen die Autogramm- und Fotojaeger bereits Schlange und wir posieren und kritzeln uns einen ab.
Als ZEROMANCER schliesslich auf der Buehne stehen kocht der Saal. Bei "Cupola" fangen zwei Maedels vor der Buehne an zu weinen und klammern sich an Alex' Wade fest. Er nimmts gelassen und mit einem Laecheln... Nach der Show steigt noch eine heftige Aftershow-Party. Johnny und Jack machen die Runde und bei Britney Spears faengt ein Girl an zu strippen. Ich versuche Stian von CONETIK davon zu ueberzeugen ihr es gleich zu machen, doch leider erfolglos. Der Rest ist Rock'n Roll...


Magdeburg. Freitag, 15. Februar 2002, Factory.


Am Morgen kaemft der gesamte Bus mit einem kraeftigen Hangover und im Backstage machen erstmal Kaffe und Fruchtsaft die Runde. Nachdem mittlerweile auch Alex der Moetley Cruee-Biographie verfallen ist entscheide ich mich mit dem Kauf von "Shout at the Devil" die ganze Sache abzurunden. Ihn freuts. Bereits am Nachmittag ist der Backstage mit Maedels gefuellt die ihren Stars so nah wie moeglich sein wollen. Und wir haben vom "Team 1" die Nachricht erhalten, dass sie ab sofort auch undergod. supporten. Cool! Thank you Girls!!!
Auch heute musste der Gig wegen der riesigen Nachfrage in eine groessere Halle verlegt werden, was Vor- und Nachteile hat. Das Konzert muss schon um 23 Uhr zuende sein, da im Factory nachher noch Disco stattfindet. Schlecht fuer CONETIK, denn als sie um 20 Uhr auf der Buehne stehen ist die Halle noch halb leer. Und wir erfahren nachher, dass die meisten Leute noch beim falschen Venue anstanden. That sucks!!!
Wir haben mehr Glueck und als wir loslegen ist die Halle bereits fast voll. Das Publikum ist sofort mit uns und ich entdecke einige bekannte Gesichter in der Menge. Obwohl wir auf der Buehne mit einigen Problemen kaempfen legen wir eine geile Show hin und nach unserem Set verhallen die Zugabe-Rufe nur langsam. GEIL!!! Magdeburg, you guys know how to party!!
Ich schaue mir den ganzen Gig von ZEROMANCER an und schreie bei "Doctor Online" kraeftig mit. Vor der Buehne ist die Hoelle los und die ca. 800 Leute im Saal huepfen und klatschen dass das Venue zu explodieren scheint. Nach der Show draengen sich gegen 100 Menschen im Backstage und die lokalen Helfer schleppen kistenweise Bier heran. Es steigt eine ziemlich wilde und feuchte Feier. Kim erklaert mir, dass auf jeder ihrer Touren Bands und Crew einmal "Reise nach Jerusalem" spielen muessen um den Tour-Champ zu ermitteln. Amtierender Meister ist Alex und ich habe mir einiges vorgenommen.
Es kann losgehen. Es wird geschubbst, gestossen und gepoebelt was das Zeugs haelt. Von den anfangs 16 Personen sind schliesslich nur noch zwei uebrig. Alex und ich. Das Finale ist ziemlich heftig und aehnelt eher einer wilden Keilerei als einem Gesellschaftsspiel. Mit unfairen Mitteln werde ich von Alex ausgetrickst und er behaelt schliesslich seinen Titel..... Bis spaet in den Morgen geht die Party weiter und als wir in den Bus klettern ist's draussen bereits hell....


Zwickau. Samstag, 16. Februar 2002, Alarm.


Auch heute sind alle schwer angeschlagen und der Alk dampft allen noch aus den Poren. Erstmal die Dusche entern und retten was noch zu retten ist. Im Catering-Room steht ein TV und die Norweger schauen sich gebannt Ski-Langlauf an (??). Wir haengen rum wie tote Fliegen und versuchen die Kopfschmerzen zu ignorieren. Das Alarm ist ein geiler Club und die Show ist nahezu ausverkauft, was ein netter Samstag-Abend zu werden verspricht.
CONETIK raeumen heute tierisch ab und in der ersten Reihe stehen zwei Girls mit selbstgemalten Conetik-T-Shirts. Stian kann's kaum fassen. Die beste Show bisher fuer die beiden netten Buben und die CD-Verkaeufe laufen auf Hochtouren. Auch wir liefern eine tierische Show und das Publikum ist wild und tobt. Einziger Abtoerner sind die Deppen, die sich direkt vor mir vor der Buehne die Fresse einhauen. Das muss nicht sein. Schnell sind auch die Bullen da und die Sache legt sich. Trotzdem, vom Publikum herlaeuft Zwickau bis jetzt ohne Konkurrenz. Einfach nur geil!!!
Bei ZEROMANCER herrscht Exstase pur. Crazy!! Die Jungs rocken sich den Arsch ab und die Menge tobt. Ich versuche vor der Buehne fuer Kim ein paar Bilder zu schiessen was nicht ganz einfach ist, mit hunderten wildgewordener Ossis um mich herum. Nach der Show liegen sich alle in den Armen und am Merchandising-Stand heisst es Business as usual; posieren und signieren. Der Bus legt heute schon frueher ab und wir lassen bei 80kmh die Party im Nightliner steigen. Zwickau, das war geil!!!


Erfurt. 17. Februar 2002, UNI-Kum.


So langsam verlangt das Tourleben seine Opfer. Mein Koerper ist ziemlich geschunden und ich pflege meine diversen Wunden und Blessuren. Ausserdem herrscht im Bus gerade Grippewelle. Alex hat's am schlimmsten erwischt. Der Club heute ist vergleichweise ziemlich klein. Ein Backstage gibt es nicht und wir zwaengen uns alle in den uns zugewiesenen Raum im oberen Teil des Clubs. Dafuer ist das Catering vom Feinsten. Heute herrscht wieder mal voellige Sonntagsstimmung. Alles sind ziemlich platt und wir haengen rum, lassen uns von Gaby eine Massage verpassen oder versuchen uns in Koerperhygiene. Zum Glueck stehen noch einige Interviewtermine an, das vertreibt die Zeit. Das Meet & Greet mit ZEROMANCER und zwei Radiogewinnerinnen aus Hannover ist ziemlich lustig. Die beiden sind extrem schuechtern und sitzen stumm da und starren ihre Helden an. Eher ein Meet & Look.
Als die Halle sich fuellt, entdecke ich einige Menschen die sich nun zum 7. Mal die Show ankucken. Crazy. Bei CONETIK ist die Stimmung OK. Als wir mit unserem Set beginnen kaempfen wir mit dem nicht vorhandenen Buehnensound. Die Show verlaeuft ziemlich chaotisch und ich bin gepisst, weil ich meine Stimme nicht hoere. Aber egal. Das Publikum klatscht brav und wir versuchen uns nichts anmerken zu lassen.
Bei ZEROMANCER ist die Stimmung dann am brodeln. Ich kriege allerdings nicht viel mit vom ihrem Gig, da ich meinen Krempel zusammenpacke und mit meiner Liebsten nach Hause fahre. Tja, die Ost-Woche ist somit rum und wir sind etwas traurig. Es war geil hier. Danke an alle Fans & Supporter!! Wir werden Euch vermissen... und kommen bald wieder zurueck. Versprochen. The East is the BEST!!!


Mainz. Dienstag, 19. Februar 2002, KUZ.


Als ich die Venue erreiche haengen alle wie tot herum. Am Vorabend ist der Geburtstag unserer Busfahrerin Gaby gefeiert worden, und das nicht zu knapp. Alle leiden unter einem kraeftigen Hangover. Kim zeigt mir die Fotos und mir wird schnell klar wieso sich alle so beschissen fuehlen. Und die Rechnung fuer die Wieder-Instandstellung des Hotelzimmers duerfte auch nicht gerade ganz billig sein... Bei Alex ist die Grippe nun voll am wueten und er kann kaum sprechen. Nicht gerade gute Vorzeichen fuer die Show heute, die auch noch von einem Fernsehteam gefilmt wird.
Das KUZ ist mit einer Kapazitaet von 1000 Leuten ziemlich gross und als CONETIK auf die Buehne gehen sind vielleicht gerade Mal 140 Leute da. Sie geben ihr Bestes doch koennen das Publikum nicht auf ihre Seite kriegen. Als wir loslegen ist der Laden dann schon gut gefuellt und nach anfaenglicher Skepsis geht das Publikum gut mit.
undergod Der ZEROMANCER-Gig wird ein ziemliches Debakel. Beim ersten Song reisst das Fell der Bassdrum, Chris kaempft mit Soundproblemen und Alex und Kim mit ihrer Grippe. Auch das Publikum ist nicht so frenetisch wie sonst. Die Filmaufnahmen sind auf jeden Fall fuer den Muelleimer. Nach dem Gig haengt Alex halb bewusstlos in der Dusche am Boden vor Erschoepfung. Die anderen sind ziemlich angepisst wegen der Show und alle wollen schnell weg. Ein Tag zum vergessen.


Paris. Mittwoch, 20. Februar 2002, La Locomotive.


Als ich aufwache steht der Bus schon vor dem Venue in Paris, das gleich neben dem Moulin Rouge auf der Pariser Suendenmeile liegt. Patrik schleppt einen Flyer an wo in grossen Lettern ZEROMANCER / COLLAPS (der local Support) / UNDERGOD. steht. Ähem, was denn nun los..??? Spielen wir also doch?? Unser TL Juergen bringt uns dann die frohe Botschaft: "ihr spielt - CONETIK nicht". Dass Stian und Andreas ziemlich sauer sind versteht sich von selbst... Da im Club erst mit dem Gig begonnen werden kann wenn die Show im Moulin Rouge nebenan beendet ist gibt es fuer keine Band einen Soundcheck. Das kann ja heiter werden da ausserdem die PA auf dem Stand der 50er Jahre ist.
Schnell ist Abend und auch dir lokale Vorband COLLAPS trudelt im Club ein. Die Jungs fuehren sich auf wie die Rockstars, machen sich im Backstage breit und essen und saufen uns das Catering weg. Arschloecher.
Wir sind heute die erste Band auf der Running Order und legen nach 22 Uhr los. Das Publikum ist von Anfang an ziemlich geil und tanzt, klatscht, jubelt. Und das obwohl uns hier keine Sau kennt.
Bei ZEROMANCER kommt dann richtig Stimmung auf.
Stian ist in Kampfstimmung und immer noch stocksauer, dass sie nicht spielen konnten. Die lokale Veranstalterin beschimpft er mit "you fucking bitch" etc. was allerdings bei den Jungs von ZEROMANCER nicht gerade gut ankommt und wollen ihn deswegen von der Security aus dem Laden schmeissen lassen. Ich mache mich fuer ihn stark und verspreche, mich ihm anzunehmen. Und so landen er und ich in diversen Pariser Bars und Clubs, werden in ca. 3 Halb-Schlaegereien verwickelt, um Geld betrogen und von Nutten auf der Strasse als Motherfucker beschimpft. Schon ein komisches Voelkchen die Pariser. Aber da wir sowieso ziemlich dicht sind, laesst uns das ganze ziemlich kalt. Im Bus spaeter herrscht immer noch ziemlich eisige Stimmng wegen dem Vorfall mit der Veranstalterin und wir verziehen uns ins Bett.


Zuerich. Donnerstag, 21. Februar 2002, Abart.


Heute ist sozusagen unser Heimspiel. Allerdings war Zuerich uns in der Vergangenheit echt immer gut gesonnen und wir sind noch skeptisch. Als wir im Club ankommen gibt es erstmal ein riesiges Hallo mit Freundinnen und Freunden und es stehen eine ganze Menge Interviews mit Radio, Print und Fernsehen an. Auch im Backstage herrscht beste Stimmung. Kein Wunder bei dem Goldsegen fuer die Norweger in Salt Lake City. Alles in allem sind alle happy und auch die Sache vom Vorabend ist geklaert.
CONETIK legen um 21 Uhr im gut gefuellten Abart mit ihrem Set los. Die Schweizer reagieren wie immer sehr reserviert, aber freundlich. Bei uns ist die Stimmung von Anfang an ziemlich geil und wir werden nicht nur von den extra aus Basel angereisten Fans eifrig umjubelt. Cool! Das Zuerich-Trauma ist besiegt...

Abart Club


Bei ZEROMANCER dann will zuerst nicht so recht Stimmung aufkommen. Das Publikum ist mit ihren Songs zuwenig vertraut und die Jungs legen sich maechtig ins Zeug. Nach 5 Songs haben sie jedoch die Menge voll auf ihrer Seite und der Club ist am Brodeln.
Wir feiern mit unseren Freunden und haben - wen wunderts - bei Busabfahrt alle maechtig einen sitzen und feiern auf der Fahrt nach Salzburg noch weiter kraeftig ab. Irgendwann Mal schlafe ich mitten im Gespraech ein....


Salzburg, Freitag, 22. Februar 2002, Rockhouse.


undergod. zum ersten Mal in Österreich. Wir wissen nicht, was uns erwartet, zumal unser Album hier gar nicht erschienen ist. Wir staunen erstmal ueber die Lage der Stadt, die praktisch direkt an den Berg gebaut ist. Die malerische Innenstadt erinnert an eine Puppenstube. Fran besinnt sich prompt auf seine Klassik-Roots und marschiert geradewegs ins Geburtshaus von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Rest der Band wandert ins Internet-Café. Taeglich gibt's neue enthusiastische Eintraege in unserem Gaestebuch, das macht Freude.
Der Gig am Abend wird ueberraschend erfolgreich, obwohl nicht allzu viele Leute da sind. Die ZEROMANCER-Fans schliessen uns sofort ins Herz, alle gehen voll mit und das Publikum peitscht uns sogar fast zu einer Zugabe.
Auch ZEROMANCER legen eine gute Show hin, allerdings fallen wie gestern in Zuerich die Mitsing-Teile be "Dr. Online" weg, weil fast keiner die Songs kennt... Die Leute sind aus ganz Österreich angereist. Ausgiebige Autogramm- und Fotosessions folgen, es wird nach Kraeften geknipst und signiert.


Wien, Samstag, 23. Februar 2002, Planet Music.


In Wien kriegen wir Besuch aus Basel, drei Kolleginnen sind extra angereist. Dann erstmal eine Schrecksekunde zu Anfang des Konzertes: Der Gig droht zum Desaster zu werden, weil Fran die elektronischen Beats von "Amazing" nicht hoeren und folglich nicht dazu spielen kann. Patrik steht einsam am Buehnenrand und wartet auf den Einsatz von Fran. Der Buehnentechniker versucht verzweifelt, die Situation in den Griff zu kriegen und schafft es schliesslich nach einigen endlos scheinenden Minuten.
Alles klar, wir atmen auf und donnern los. Auch hier sind wir ueberwaeltigt von der positiven Reaktion des Publikums. Vom ersten Ton an grooven die Leute voll ab, undergod. scheint ja richtig tanzbarer Sound zu sein... Schnell wird klar, dass die Leute hergekommen sind, um sich begeistern zu lassen und eine Party zu feiern, wir sind dankbar und geben alles. Zur Abwechslung ist auch wieder mal eine Aftershow-Party organisiert worden. Wir steigen ins Taxi, das uns ins Medigo bringt. "Dort laufen immer Splatterfilme", verraten uns zwei Maedels aus Linz, die unbedingt an die Party mitkommmen wollen und gleich mal eine Flasche Wodka spendieren. Auf dem Bildschirm im Medigo fliesst heute kein Blut, dafuer aber der Sekt um so reichlicher am Tresen. Das Beste fuer uns: der Veranstalter der beiden Österreich-Gigs steht auf undergod. und will weitere Auftritte fuer uns organisieren. Danke Austria, wir kommen wieder! Und danke Monique, Irene und Noemi, you're the best!!!

 


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