TOUR DIARY
Rolf
Munkes – guitar
Chris Heun – bass
Stefan
Berggren –vocals
Danny Needham - drums
TOUR-TAGEBUCH
2007
Nachdem
wir den Kontrakt über die gemeinsame Tour mit Cornerstone gefixt hatten,
begannen auch schon die Vorbereitungen, damit wir zeitgleich zum Release unseres
neuen Lonplayers “Deadringer” on the road sein konnten.
Als
erstes war die Line-Up-Frage zu klären, da wir für das dritte Album Veränderungen
an Bass und Schlagzeug zu verzeichnen hatten. Da ich schon auf dem Album mehr
von der Gitarre zum Bass gewechselt war, war es nicht mehr als konsequent, dass
ich live den Razorback-Bass spiele und unser schwedischer Frontmann Stefan
Berggren (Company of Snakes, M3 Classic Whitesnake) zusätzlich den Part der
Rhythmusgitarre übernimmt – klassische Nickelback-Besetzung also – klein,
aber fein! Schwieriger gestaltete sich schon die Schlagzeugfrage, da unser neuer
Drummer Mike Terrana aktuell gerade auf Tour mit Masterplan/Saxon war und wir
einen sehr guten Tour-Drummer brauchten, der die Herausforderung annehmen kann
– it’s not so easy to fill big shoes!
Nach
einigem hin und her haben wir die Angelegenheit „familienintern“ gelöst und
unser Gitarrenprimus Rolf Munkes (Empire, Tony Martin Band) hat einfach seinen
Bandkollegen aus der Tony Martin Band gefragt, ob er Lust und Zeit hätte –
und wie er hatte, also war jetzt auch Englishman Danny Needham mit an Bord! Die
nächsten Tage vergingen damit, dass ich eine Heimstatt, einen Proberaum und ein
Leih-Schlagzeug für Danny (in diesem Zusammenhang nochmals vielen Dank an
Harald Ott vom Guitar Place in Aschaffenburg, der uns einen Tamburo-Drum-Deal
ermöglicht hat) organisiert habe, damit wir vor der Tour in Ruhe alles
durchrocken und arrangieren können.
Rolf
holte unseren Danny am Kölner Flughafen ab, ich hatte die honorige Aufgabe
unseren Stimmakrobaten am Frankfurt Airport „einzufangen“ und schon konnte
es mit unseren lustigen Rehearsals beginnen, die wir dankenswerterweise im
Proberaum der Jungs von X-FADE absolviert haben. Nach einem Tag Probe und einer
Nachtschicht mit ausgiebiger Malt Whisky-Verkostung bei mir zuhause hatte die
neue Besetzung bereits am Samstag früh ihre Feuertaufe, als wir unseren
Workshop im Guitar Place hatten. Es war eine spannende Sache, da noch keiner von
uns jemals zu so einer nachtschlafenen Zeit wie 12 Uhr mittags musiziert hat.
Danach wurde wieder eifrig geprobt und so ging die Zeit bis Montag früh sehr
schnell vorbei.
Am
frühen Nachmittag des 16.04. sind wir mit der ganzen Mannschaft im Colos-Saal
in Aschaffenburg eingelaufen. Der Tourstart war also ein Heimspiel für mich und
man konnte wieder einmal die herrliche Atmosphäre in einem der besten deutschen
Live-Clubs genießen – danke an Claus Berninger & Team!
Die
Bands lernten sich hier kennen, da wir außer Doogie White (Ex-Rainbow,
Malmsteen, Cornerstone) vorher niemanden persönlich kannten, sondern nur
telefonischen oder Myspace-Kontakt
hatten. Der Live-Einstieg verlief absolut prima. Jetzt war es amtlich, Razorback
rockxxx da house!

Nachts
wurde schnell in den Nightliner eingecheckt, der Platz genug für die 12 Mann
starke Truppe bot. Unser „prickelndes“ Zuhause für die kommenden zwei
Wochen!
Am
folgenden Morgen sind wir gut in Ludwigsburg angekommen und haben uns erst
einmal ausführlich dem astreinen Catering vor Ort gewidmet. Die Rockfabrik darf
natürlich auf keinem Heavy-Tourplan fehlen, weswegen wir hier nach einigen anfänglichen
Soundcheckproblemchen einen wirklich angenehmen Gig hatten. Abends trafen wir
noch unseren Kumpel Kapitän Klaus Sperling (Sinner, Primal Fear, My darkest
Hate), der sich die Show nicht entgehen lasen wollte. Später war noch Zeit für
ein bisschen small-talk über die deutsche Heavy-Szene und zum Austausch
herrlicher Musikeranekdoten…keep the secrets! ;-). Später haben wir uns noch
die Classic Rock Night in der Rofa gegönnt, die wegen des besonderen Publikums
auch Doogie herrlich inspirierend fand: „I never saw such a thing in the last
twenty years - wonderful!“ Hier kam es dann auch zum ersten Mal zu der
beliebten Bitte weiblicher Fans: „Kann ich den Nightliner mal von innen
sehen?“ Ich verstehe nicht, was die Mädels da eigentlich wollen! ;-)
Am
Mittwoch stand das Avalsons Dust in Nürnberg auf dem Programm. Dieser feine
Live-Club ist leider noch nicht flächendeckend bekannt – allerdings völlig
zu unrecht: es passte alles, hausgemachtes Essen von Mutti, nette Inhaber, große
Bühne, coole Location! Hier hatten wir Besuch von unserem Label-Boss Georg
von AOR-Heaven, dem der Auftritt sehr gut gefallen hat, was uns natürlich
freute.

Der
erste Day-Off der Tour hat uns ins sonnige Österreich gebracht, obschon tatsächlich
trotz April zwei Wochen überall, wo wir in Europa aufgetaucht sind, der
Sahara-Sommer sein Unwesen getrieben hat…ja, ja, wenn Engel reisen! Nach
ausgiebiger Inspektion der Fußgängerzone von Dornbirn, wo interessanterweise
an keiner Plakatsäule ein Cornerstone-Razorback-Plakat hing, gönnten wir uns
abends einfach den neuen Film von Mr. Bean und tranken danach ein paar gepflegte
Halbe im Hotel.

Unser
gnadenloser State of the Art-Performer Stefan Berggren hatten hier einen seiner
absoluten Tour-Höhepunkte - nein, nicht, was ihr schon wieder denkt - beim
Konzert in Conrads Sohm, einer übrigens sehr idyllisch mitten in der Bergen
gelegenen Location, die früher einmal das Wasserkraftwerk der Region war.
Zwischen seinen zwei Bühnemonitoren klaffte eine bodenlose Lücke von etwa
einem halben Meter Breite, die Stefan für Bühnenboden hielt. Gut, sein Salto
vorwärts von der Bühne hat das Publikum schon ordentlich beeindruckt, mich hat
allerdings gewundert, dass er noch lebte, geschweige denn seiner neuen Gitarre
nicht das Geringste passiert ist. Vielleicht lag seine Unachtsamkeit auch daran,
dass Stefan und Danny unbedingt mit der Seilbahn auf den höchsten Berg vor Ort
fahren mussten, um dann zu Fuß plus Konsums einiger Biere sechs (!) Stunden
lang wieder abwärts marschiert sind - inkl. waschechtem Sonnenbrand, den sich
an diesem Tag allerdings auch Rolf im Tal unten eingefangen hat. Ich dachte
schon daran, die Band in „Chris Heun & his three red indians“
umzubenennen, was ich dann aber doch verworfen habe. Die Bergwanderung von
Stefan und Danny hat Doogie nur mit dem weisen Satz „I am not here for
holidays“ kommentiert! ;-)

Der
Gig in Dornbirn fiel exakt auf das Release-Date unseres Deadringer-Albums, was
wir zusammen mit Cornerstone backstage auch gebührend gefeiert haben. Am frühen
Morgen artete dies in einer von Doogie geführten Gospel-Sing-Along-Orgie aus,
die er gekonnt mit seinem herrlichen schottischen Humor würzte.

Nachts
ging es direkt wieder zurück nach good old germany, um den Auftritt in der
Schwemme in Pirmasens zu absolvieren. Tagsüber hat sich ein Mitglied unserer
Crew beim Coitus im Nightliner von einem schottischen Sänger (!) stören
lassen, der in den Bus kam, um seinen Sitzplatz exakt 50 cm neben der
Schlafkabine des Betreffenden einzunehmen, was letzteren veranlasst hat, seine
Ambitionen einzustellen. Die Schwemme ist ein Club, der die fehlende Größe
durch geiles Publikum zu kompensieren weiß. Uns hat es jedenfalls irre Spaß
gemacht, dort zu spielen!
Just
zu dieser Zeit hat unser Frontmann Stefan die Marotte eingeführt, die beiden
Saitenvirtuosen von Razorback wie folgt zu präsentieren: „Doctor Munkes on
guitar…and Prof. Heun on bass!“ Dieser Running-Gag kam erstaunlich gut an,
obgleich man ab und an ein paar fragende Gesichter vor der Bühne gesehen hat.
Doogie hat den Spruch wie folgt erweitert: „The evil doctor Munkes starting
his examinations again!“ ;-)

Die
nächste Tour-Station zu Ende der ersten Tourwoche war Verviers in Belgien, wo
im „Spirit off 66“ schon wirklich alles gespielt hat, was Rang und Namen
hat. Ein paar Tage vor uns hat Roger Chapman mit seinen Shortlist dort gastiert,
der dieses Mal mit dem Ex-Whitesnaker Micky Moody an der Gastgitarre unterwegs
war. Da hätte Stefan seinen Bandkollegen von M3 Classic Whitesnake also um ein
Haar treffen können. So klein ist die Rockstar-Welt! ;-)
In
Belgien hat Danny „Mr. Accident“ Needham seinem Namen mal wieder alle Ehre
gemacht, als er hinter der Theke auf der Suche nach dem letzten Bier (!) die geöffnete
Klappe zum Keller übersehen hat und einfach mal kopfüber hineingefallen ist
– rumsdibums! Ein professioneller Stuntman hätte sich kaum besser abrollen können.
;-)

Der
nächste Tag war für den Termin in Bonn reserviert, wo wir gleich vor dem Club
einen zweiten Nightliner der Fa. „Kultour“ vorfanden, der Subway to Sally
beherbergt hat, die am nächsten Tag Bonn verrockt haben. Hier wurde wieder
einmal Single Malt verkostet, was speziell unseren Front of House Olli, den
Clubbesitzer und Mr. Munkes himself bis in die frühen Morgenstunden stark zu
beeindrucken wusste. Die folgenden Verbrüderungsszenen haben allerdings das
normale Maß auf Tour nicht überschritten! ;-)
Und
ab gings Richtung Hamburg, wo wir direkt im Hafen am Fischmarkt geparkt haben.
Von dort aus sind es nur ein paar Meter bis zum Headbangers Ballroom und noch
ein paar Meter weiter ist man schon mitten in Hamburgs sündiger Meile, wir
hatten also genügend Zeit, um unseren zweiten Day-Off gebührend zu
zelebrieren. Abends wurde mit dem Champions-Leaque-Spiel in einer Sportkneipe
gestartet und mit dem Besuch der Gothic-Night im Ballroom geendet, wo ich mit
Michael, meinem Freund und unserem Merchandiser, unser fußballerisches Können
am Kicker vertiefen konnte.

Zwischenzeitlich
ist uns noch aufgefallen, dass es in Hamburg so viele nette junge Frauen gibt,
die einen ansprechen und gleich mit nach Hause nehmen wollen. Anderswo passiert
so etwas deutlich weniger oft, aber auf der Reeperbahn scheint dies normal zu
sein! ;-)

Nach
dem Gig im Headbangers Ballroom, bei dem mich Danny mal wieder sehr an das wilde
Animal am Schlagzeug der Kapelle der Muppets Show erinnert hat, ging es gleich
weiter Richtung Luxemburg, wo für den kommenden Tag der nächste Termin
anberaumt sein sollte. Morgens wurden wir irgendwann noch leicht benommen wach,
weil der Nightliner nicht mehr weiterfuhr, sondern aalglatt auf dem
Seitenstreifen der Autobahn eine satte Panne hatte. So richtig verlassen konnte
man den „Bratofen“ auch nicht, weil sich die Türen nicht öffnen ließen,
da der Bus zu nahe an der Leitplanke stand. Nach schlappen drei Stunden im
Vorhof der Rockstarhölle wurden wir endlich abgeschleppt. Aber es kommt noch
dicker: Wir sind vor dem Club, nur wer nicht da ist, ist der Veranstalter! Den
Nachmittag wollten wir uns mit etwas Fußball spielen versüßen, was dann
allerdings schon nach 5 Minuten beendet war, da ich den Ball mit einem perfekten
deutschen Steilpass direkt auf das Flachdach des Clubs geschossen habe, von wo
er auch nie mehr heruntergekommen ist. Speziell Doogie hat dies tief getroffen,
was er von da an auch bei jeder Show brühwarm dem Publikum erzählte: „You
know, we wanted to play a little soccer in Luxemburg and Chris from Razorback
shot the ball…!“ Der Titel des „Fußballer des Friedens 2007“ ist mir
jedenfalls jetzt schon sicher, keine Frage! ;-)
Der
Auftritt wurde dann tatsächlich komplett gecancelt und holter die polter in ein
meet & greet mit den Fans auf dem Parkplatz umfunktioniert. Etwas genervt
durch das Wegbleiben des Clubbesitzers fand sich dann die ganze Truppe im Bus
ein, um Richtung Holland weiterzudüsen. Die Fahrtzeit wurde zum üppigen
Trinkgelage genutzt, woran sich nahezu die komplette Busbesatzung beteiligt hat
(ausgenommen natürlich des Fahrers)! Unser Startrinker Danny, der es geschafft,
jeden Tag während seines zweieinhalbwöchigen Aufenthaltes als absoluter
„Last Man Standing“ in die Koje zu kommen, nutzte ab halb vier Uhr morgens
die Gelegenheit, das Mikrofon des Busfahrers zu ergattern, um uns bei völliger
Dunkelheit der Außenwelt als unser Reiseleiter zu begrüßen: „Ladies and
gentleman welcome to our wonderful sightseeing-tour from luxemburg to the
netherlands. We
actually pass the borderline at…!“ An Schlaf war
nicht zu denken! ;-)
Gegen
Mittag sind wir bei weiterhin brütender Hitze am Plato in Helmond angekommen.
Dieser sehr professionell geführte Betrieb war die größte Location auf
unserer Tour und ist für Besucher absolut zu empfehlen, hier stimmt wieder
einmal alles! Und wie wir gemerkt haben, kann man(n) bzw. Frau, wenn es einem in
Bonn gefallen, sogar der Band bzw. dem Musiker seiner Wahl bis hierher
nach-reisen! ;-)

Diese
vorletzte Show der Tour hat nicht zuletzt wegen der riesigen Bühne immens Laune
gemacht, auch das Publikum war bester Stimmung und wir konnten unser Programm
mittlerweile aus dem Hinterhirn abspulen und bestens überzeugen. Auch hier
haben wir wieder viele neue Freunde gefunden, was uns gezeigt hat, dass wir auf
dem richtigen Weg sind, zumal wir ja vor der Tour nicht wussten, ob Razorback
als Live-Band wirklich so gut abgeht, wie wir uns dass vorgestellt hatten. Danny
kreierte in Holland noch nebenbei den Spruch: „Chris Heun – the man with the
oak tree!“ – dabei ist mein geiler Warwick Buzzard-Bass gar nicht aus Eiche
(Oak), sondern aus Zebrano, vielleicht hat er ja auch einen ganz anderen Baum
gemeint, wer weiß? ;-)
Das
Abschlusskonzert hat uns in die Schweiz nach Uster geführt, wo Rolf letztes
Jahr schon einmal mit Majesty zu Gast im Rock City war. Das Abendessen war
dieses Mal thailändisch mit grünem Curry und Kokosmilch, sehr lecker und
nahrhaft, was uns perfekt für die letzte Show gestärkt hat. Im Rock City hat
man dann auch viele alte Freunde getroffen: meine Shylock-Fans von früher oder
Mr. Guitar von Crystall Ball! Entsprechend cool und entspannt war unser
Auftritt, es macht immer wieder absolut Spaß in der Schweiz zu spielen. Man
kann sich wie zu Hause fühlen! Nach der Signierstunde und einigen herrlichen
Photo-Shootings haben wir selbstredend noch das ein oder andere Bier zu uns
genom-men, um das Ende der Tournee auch ordentlich zu begießen – was sein
muss, muss sein! Bisher sind auch keine Anzeigen oder Klagen bei uns angekommen,
wir sollten uns also halbwegs gut aufgeführt haben - erinnern kann sich von uns
keiner mehr so richtig an die letzten Details und Vorkommnisse des Abends! Mir
wurde gesagt, dass sich die Fanbetreuung nicht außerhalb des normalen Rahmens
einer Tour bewegt hätte, was mich dann doch sehr beruhigt hat! Und keine Frage,
Rolf und ich waren nicht wirklich betrunken (siehe Foto)! ;-)
Somit
haben wir also zwei intensive, ereignisreiche, erfolgreiche und teils auch
anstrengende Wochen mit allen Höhen und Tiefen einer europaweiten Tournee
hinter uns gebracht und können schon anfangen in den Erinnerungen zu schwelgen.
Unseren Enkeln werden wir jedenfalls zu berichten wissen, was der Opa mal für
ein toller Hecht gewesen ist! ;-) Ganz nach dem Motto des ersten Live-Reviews
aus Holland: „Razorback has some rock-veterans like Rolf Munkes, Chris Heun,
Stefan Berggren and Danny Needham in the line-up!“ Never forget: Man(n) ist so
alt, wie man sich fühlt!

Mehr
Infos + News zu Razorback gibt es auf folgenden Homepages: www.myspace.com/razorback,
www.myspace.com/chrisheun,
www.razorback-online.com,
www.rolfmunkes.com
und www.empire-stu-dios.de.
Wer mir mailen möchte, kann dies gerne unter „metal@chrisheun.de“ tun.
Stay
tuned and keep on rocking
Chris