TOUR DIARY


MINES

 


 

Tagebuch der Nachtschatten

 

  1. Prolog

 

1.1 "Aufklaerung"

In den folgenden Schriftstuecken werdet ihr eine Art "Tagebuch" einer Band finden, welches einerseits einen Einblick in das Bandleben geben soll, andererseits auch verdrehtes und geheimes Gedankengut eines Individuums, dessen Name indirekt bereits gefallen ist, wiederspiegelt. Die folgenden "Geschichten" entstanden "on the road", also sprich auf Band-Geschaefts-Ausfluegen und sind somit sicherlich nicht immer ernst zu nehmen, denn was kann man heutzutage schon noch ernstnehmen? Slatko? George W. Bush? Emmentaler Kaese in der Tube?

Es handelt sich hierbei schlicht um einen Bericht aus der Welt der Bands, des Rock’n’Roll (wer weiss schon genau, was man darunter alles versteht), und den kleinen Traeumen. Vor allem geht es aber, so glaube ich, um den Weg, welchen man einschlaegt um an irgend ein Ziel zu gelangen. Vielleicht ist es der Richtige. Vielleicht fuehrt er in den Nebel. Aber was ist nach dem Nebel? Sowieso und ueberhaupt: Der Weg ist das Ziel.

Die beschriebene Band sind die MINES, und der Beschreiber, welcher ich bin, der ist Tom.

Hallo.

       

1.2 Vorgeschichte

    Die Band Mines besteht eigentlich schon sehr lange und hat sich seit "Schulband-Zeiten" Line-up maessig, musikalisch und auch stilistisch doch stark veraendert. Seit 2 Jahren bin auch ich an Bord und im Jahre 2001 wagten wir uns mit dem neuen Set an die Oeffentlichkeit und spielten gut 4 Monate praktisch jedes Wochenende in einem neuen Club. Das schweisst zusammen. Wir haben damals sehr viele Erfahrungen gesammelt und haben auch gelernt, mit Tiefschlaegen umzugehen. Unterdessen haben wir, so wage ich nun einfach zu behaupten, eine Besetzung, welche unsern Sound toenen laesst wie noch nie, und wir sind irgendwo auf irgendeinem Weg, welcher uns hoffentlich irgendwie an irgendwelche neue Orte fuehren wird. Man wird sehen...

1.2 Die Band

Schlagzeug-Sammy:
Der neueste Zugang bei den Mines. Seit Juni 2002 haben wir einen neuen Bandaeltesten und obwohl seine Kompetenzen zu wuenschen uebrig lassen, sind wir froh, haben wir ihn. J Nein, im Ernst: Wir sind sehr froh...

Bass-Rony:
Rony ist seit gut 5 Jahren in der Band. Mit seinem druckvollen, geraden Basslines sorgt er mit Sammy zusammen fuer einen guten Boden. Wartet immer auf einen Neuzugang in der Band um die Trinkfestigkeit der neuen Mitglieder zu testen.

Rhythmus-Gitarren-Mike:
Stille Wasser gruenden tief. Der einzige in der Band, der regelmaessig Alkohol trinkt und zuviel raucht. Sozusagen ein kleines Sorgenkind. J Wohl der bodenstaendigste von uns allen, abgesehen von seiner Buehnenpraesenz.

Lead-Gitarren-Ralph:
Musste den Bandaeltesten an Sammy abgeben. Er sorgt mit dem Bandbus fuer immer neue Abenteuer und es wird einem bestimmt nie langweilig. Ein Meister der Kommunikation. Rock’n’roll.


19.7.2002 Internationales Bikertreffen Sumiswald,

Tja, das soll’s nun also werden. Endlich heisst es wieder "on the road again" und ich beginne, meine sieben Sachen zu packen...die da waeren:

  1. Buehnenklamotten
  2. Ersatzkleider
  3. Handschellen
  4. Mini-Disc
  5. etwas zu lesen (Fachlektuere: Metal Hammer)
  6. mein rotes Wundersaeckchen
  7. mich selbst

Es ist eigentlich noch viel zu frueh fuer einen Menschen wie mich, aber trotzdem ringe ich mich am morgen um 8.00 aus dem Bett. Ich weiss ja, was fuer ein guter Tag auf mich wartet.
ROCK’N’ROLL!!!!

Von der Festivalleitung hat es geheissen, wir sollen so um die 14.00 Uhr eintrudeln, um unsere Open-air Buehne mit PA und Verstaerkern zu versehen. Wir sind natuerlich ueberpuenktlich eingetroffen (Ihr kennt ja die Puenktlichkeit von Musikern...) und haben auf dem Gelaende bereits unseren Schlagzeuger Sammy und Roadie Sigi angetroffen, welche schon munter das erste Bier stuerzten. Sammy legte sogleich los und informierte uns ueber die "Buehne". Er zeigte auf das Gelaende und meinte nur: "Das ist sie." – Aha. Wir sahen Keine. Sammy musste es ertragen, uns nach ein paar doofen Spruechen doch noch aufzuklaeren und woertlich zu sagen "Der Lastwagenanhaenger ist sie." Tatsaechlich, ein in Sigis Worten "komischer Heuwagen" stand da wirklich inmitten des Gelaendes und wartete auf Godo, oder zumindest ein paar verlorene Seelen, welche ihn in seiner Einsamkeit Gesellschaft leisteten. Wer koennte das schon besser tun als eine Rockband? Wir haben uns ihm also angenommen und ihn mit unserem Equipment bestueckt. So sah er doch schon viel besser aus. Es konnte langsam losgehen.

Die Leute trudelten langsam ein und die Zeltstadt wurde immer groesser. Die Jungs vom MC Deadriders begannen nun auch, die Umgebung unseres neuen Freundes, des Anhaengers, mit Tischen zu versehen. Es wurde immer sympathischer. Um 17.30 bestiegen wir dann persoenlich die Buehne und legten los. Es war definitiv etwas besonderes, einmal im Tageslicht zu spielen. Unsere nachtgeuebten Augen hatten zwar ein bisschen Probleme, aber es war definitiv eine Erfahrung wert.

Die Sonne brannte uns bereits den ganzen Nachmittag auf die Holzkoepfe und einige hatten dann am Abend auch eine etwas komische Farbe...ich glaube wir haben 4 Indianer in der Band, welche gerne Witze ueber Huttraeger machen. Item, den Leuten schien’s zu gefallen, auch wenn etwas mehr haetten erscheinen koennen.

Nach dem Gig haben wir uns dann in aller Ruhe die professionellen Konzerte von Shakra und Krokus reingezogen... tja, wir koennen schon noch ein bisschen an unserem Sound arbeiten, aber ich glaube wir sind auf dem richtigen Weg. Wir vergleichen ja auch nicht den Lehrling mit dem Vorarbeiter...aber es sollte Ziel des Lehrlings sein, Vorarbeiter zu werden.

Wir haben uns also die Ganze Nacht um die Ohren geschlagen und irgendwie haben wir uns in der grossen Masse, welche dann am Abend anwesend war, so um die 10 Mal verloren und wiedergefunden. Schliesslich habe ich mich am Morgen so um die 5.30 auf die Suche nach dem Rest gemacht und wurde dann beim grossen Lagerfeuer fuendig. Ralph sass gemuetlich in der Waerme und war irgendwie mit Sandra vom MediaMarkt in ein Gespraech verwickelt. Aber irgendwo musste doch noch Mike sein... Ich bin dann um das Feuer gegangen und habe ihn schlafend auf einer Holzbeige gefunden. Der Nagel in seinem Ruecken schmerzt anscheinend jetzt noch ab und zu. Vor allem bei Wetterwechsel.

Wir haben uns dann in unseren Bandbus (oh shit! Wir haben noch keinen Namen fuer unseren Bus!!!!) begeben und fuhren wieder einmal in "d’ruendi" auf ein bodenstaendiges Fruehstueck. Zum Glueck kannten sie uns nicht mehr vom letzten Jahr...


26.7.2002 – 28.7.2002 Suppenalp Openair, Co-Bands: Harhat, Andy Egert

Auf den Tag genau ein Jahr nachdem wir die Suppenalp oberhalb von Muerren und ihr atmosphaerisches Openair kennengelernt hatten, fanden wir auf 1850 m wieder zusammen. Der grosse Teil der Band, sprich alle bis auf Ralph, dem leider etwas dazwischen kam, traf bereits am Freitag Abend ein. Wann genau Ralph eintraf, dass koennen nur wenige eingeweihte genau sagen. Geruechte kursieren zwar, aber ich stuetze mich bei meinen Recherchen ja grundsaetzlich nur auf bewiesenes Material...

Auf jeden Fall war der Freitagabend ein gemuetliches Beisammensein bei Wein, Weib und Gesang, wo hauptsaechlich bloed geschwaetzt und Bier versorgt wurde. Am bloedsten wirbelte wohl Sammy seine Zunge, als er auf die Idee kam, das Schilthorn zu besteigen. Bei der Jungfrau haette ich das ja noch verstanden, aber um 6.00 aufstehen fuer auf’s Schilthorn... Nun ja, es war bereits 3 Uhr morgens. Ich musste ihm aber dann trotzdem meine Unterstuetzung anbieten und sagte, wenn er mich wecken wuerde, dann waere ich dabei. Liebe Kinder: Alkohol ist gefaehrlich und sinnverwirrend. Lasst eure Finger davon!

Am Samstagmorgen wagten sich dann wirklich 5 Mutige Helden aus dem Mines-Clan auf das Schilthorn; aber erst um 9.30 Uhr. Natuerlich musste Sammy den andern Jungs einen Beweis unserer Erklimmung mitbringen und hat das halbe Restaurant mitgebracht. Na ja, ich wundere mich jedenfalls, dass er das Besteck nicht mitgenommen hat...

MINES - eine Band stürmt die Gipfel....

Nachdem dann gegen 18.00 Uhr die restlichen Bands, namentlich Hardhat und Blueser Andi Egert mit Band, eintrafen, ging’s dann ans Essen ran. Wie immer auf der Suppenalp war die Bewirtung, die Herzlichkeit und Liebe, oben heraus und schlichtweg genial. Danke Judith, bisch e Schatz!

Am wunderschoenen Sommerabend haben dann gut 200 Personen den Weg zur Alphuette gefunden und sich auf Party eingestellt – was sie dann auch bekamen. Hardhat machten den Anfang und spielten ein gut durchmischtes Set von Country, Rock und Balladen.

Danach betraten wir die mit viel Liebe gestaltete Buehne und spielten unser kompromissloses Rockset runter. Es lief eigentlich alles ganz gut, bis ich im 7. Song einfach ein Gerumpel links von mir hoerte... Nun, danach hoerten die Leute mich, beziehungsweise mein nervenzerreissendes Gekreische, nicht mehr, da eine gute Seele wegen zuviel Bierkonsum auf unsere PA-Verstaerker gefallen ist und die Kabel aus den Steckern gerissen hat.

    Was zu tun?

Waehrend dem ich mir diese Frage stellte, war Sigi bereits am Ort des Geschehens aufgetaucht und half als erstes der armen Frau wieder auf die Beine... O.K. in dem Fall heisst es einfach weitermachen. Zum Glueck sahen das Ralph und Mike, deren Verstaerker ja zum Glueck noch funktionierten, auch so. Als dann Sigi das Werkzeug auspackte, wussten wir, dass das Ganze vielleicht ein bisschen laenger dauern koennte. Wir nahmen also vor dem Schlagzeug Platz, da wir von unseren Alpenausfluegen sowieso muede Beine und Krampfadern hatten, und verlaengerten Ralphs Solo bis der Daumen von Sigi wieder nach oben zeigte und wir losrocken konnten. Ich glaube die hinteren Reihen haben gar nicht bemerkt, was bei uns abgegangen ist. Gut so. Der Rest des Sets konnten wir dann zum Glueck ohne weitere Unfaelle beenden.

Nach dem Gig gings dann ziemlich grob weiter, da wie gesagt sowieso jeder auf Alparty eingestellt war. Die deutschen Stammgaeste, welche jedes Jahr 800km anreisen versorgten meinen ausgetrockneten Hals mit einigen "Alperoesli", irgend ein Todes-Gemisch, und Frank aus Berlin zog wieder einmal mit der Whiskey-Flasche umher. Zum Glueck habe ich gelernt Nein zu sagen...

So etwa um die 4.30 Uhr haben sich dann noch ein paar wenige Musiker zu einem Jam zusammengefunden.. Leider verpasste dieses happening eine gewisse Person, welche den Autor gebeten hat, die Umstaende und ihren Namen nicht zu nennen. Kein Problem, zum Glueck bin ich der Autor. Also sprich: leider kann ich euch nicht viel mehr von dem Abend erzaehlen... aber unvergesslich wird er bleiben.

 

Platzmässig fast wie im Nightliner...


31.7.2002 Kandergrund mit Span und Crossbow

Um gut 16.00 Uhr trafen wir in Kandergrund beim Restaurant Felsenau ein. Beruehmt fuer gute Band-Verpflegung und Ananas-Saft. Es waren insgesamt 3 Bands die den Abend bestritten. Als erstes traten Crossbow, eine Oberlaender-Band auf, welche dann die Buehne den beruechtigten Span uebergaben, welche einen souveraenen Gig lieferten.

Wir konnten dann leider erst um 2.00 am Morgen die Buehne betreten, was fuer uns doch ein bisschen Muehsam war, da wir nun doch schon 10 Stunden mit bloed Schwaetzen verbrachten und uns gegen den Morgen die doofen Themen ausgingen und tatsaechlich noch intellektuelle Gespraeche stattfanden. Auf alle Faelle konnten wir, nachdem das vom Veranstalter gestellte PA dann wieder funktionierte, doch noch anfangen zu spielen. Wir hatten etwas Probleme mit der Lautstaerke und dem ganzen Abgemische, aber was einen nicht umbringt oder taub macht, das macht einen ja bekanntlich staerker.

Auch Rocker brauchen mal Schlaf....

Es gibt nichts, was es nicht gibt, pflegt meine Mutter immer zu sagen. Stimmt. Und auf "Tour" erlebt man auch immer wieder etwas neues, das noch nie passiert ist. Verstaerker kaputt? Keine Zuschauer? Kabel fehlt? Rony ist im Knast? Kein Essen? Ein Pfarrer im Publikum? Unser Roadie Sigi nannte dann den ganzen Abend ein "Spinal Tape" was soviel bedeutet wie: Scheisse, es ist wirklich alles in die Hosen was schief gehen kann. Ganz unrecht hatte er ja nicht. Aber es gibt ja diese beruehmte Regel, dass wenn die letzten Proben vor einem Konzert schief gehen, dass dann das Konzert gut kommt. Nun ja, in unserem Falle waren die "Proben" ein Konzert, aber wir hofften einfach, dass das Ganze an den Metal-Dayz im Z-7 besser laufen wuerde... Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tja, um 5.30 waren wir dann auch wieder Zuhause angekommen und konnten unsere gestressten und aufgeriebenen Gemueter zur Ruhe legen.


 

2.8.2002 Pratteln, Z-7 Metal Dayz

Puh, was soll ich nur ueber dieses Konzert schreiben...? Woooooooooooooooooooooow!!!!!

Manchmal kommt man sich einfach vor, als sei man wieder der kleine Junge, der zum ersten Mal bei Vollmond alleine nach draussen geht, die Nase gegen den Himmel streckt und stundenlang beim Betrachten des Mondes und der Sterne verweilen kann ohne dass ihm auch nur der Gedanke kaeme, etwas anderes zu machen. Schlichtweg fasziniert von der unendlichen Weite. Gefangen.

Nun ja, manche moegen behaupten ich haette zuviel Drogen gefressen oder was auch immer, aber die Welt hinter den Buehnen fasziniert in der gleichen Weise. Vor allem wenn alles so genial organisiert ist wie im Z7. Kein Problem mit Essen, kein Problem mit Platz, kein Problem mit gutem Buehnensound, kein Problem mit "rockgeilem" Publikum, kein Problem... wie lange soll ich noch fortfahren?

Wir stuermten um 19:03:27 die Buehne und nachdem Sammy zum fuenften mal gefragt hatte ob es gut sei, zaehlte er dann doch noch an... "auf drei, vier, okay?"

taeg taeg taeg taeg schrummmmmmmm

So, das haetten wir mal geschafft.

Das Publikum reagierte sehr viel besser als wir erwartet hatten und die ganze Show verlief eigentlich gut, bis auf das, dass der Saenger anstatt der zweiten Strophe eines Songs ein Gitarrensolo erwartete... wohl doch zuviel Drogen...Neiiiiiiiiiin! Einfach geistig eingeschraenkt. Themenwechsel. Die Crew des Z7 ist ja wirklich der Hammer. Ralph bat Buehnenmanager Urs, ihn auf den Schultern ins Publikum zu tragen. Urs wurde natuerlich nicht darueber informiert, wann genau das ganze stattfinden soll. Nun koennte man denken, dass das ein Problem sein koennte. Au cointreaux, mon ami (Bandinterne Redewendung fuer «im Gegenteil»). Unsere Videoanalysen haben ergeben, dass er von alleine bemerkt hatte, wann es dann wirklich zum Gang-Bang, aeh, Big Bang kommen sollte. Im richtigen Moment stand er dann auch am Buehnenrand und Ralph konnte endlich wieder einmal von sich behaupten, er haette die Nase am hoechsten gehabt. So ein arrogantes Ar....

Nach dem letzten Song verabschiedete uns das Publikum mit einem warmen Applaus und vereinzelten Urschreien. Ich hoffe jetzt einfach, der Applaus kam nicht, weil wir von der Buehne gegangen sind...

Nach dem Gig mussten wir uns natuerlich schon Krokus bestaunen, welche direkt nach uns spielten. Wohl auch ein Traum von Klein-Mike, welcher mit grossen Augen im Backstage-Bereich die Gitarrenkoffer der erfolgreichsten Schweizer Rockband bestaunte. "Mann, wir spielen vor Krokus...ich will auch solche Koffer!" Naja, Sammy wird’s schon organisieren ;-) Auch Doro hat sich an jenem Abend noch gezeigt. Ich hatte ja eigentlich den Ring bereits in der Tasche und die Rose in der Hand, ja, ich war sogar bereits auf den Knien (denn diese Frau hat sich wirklich gut gehalten und da sie kein aufgedunsenes Gesicht hat, zaehlt die Ausrede "Alkohol konserviert" auch nicht...) als ich zuschauen musste, wie sich Sammy an sie ranmachte.

Ich war enttaeuscht.

Ich habe dann meinen Schwanz eingezogen und bin mit haengenden Ohren an die naechste Bar gegangen. Ich werde dir das nie verzeihen Sammy. Und da soll einer behaupten, in Bands gebe es etwas wie Zusammenhalt. Scheiss Bands.

Um 21.00 war eine Autogrammstunde fuer uns organisiert (ich weiss, das toent witzig), obwohl ich eigentlich nicht wusste, wie wir das genau anstellen sollten. Wir haben uns ja noch nicht wirklich um Sachen wie Shirts, Autogrammkarten und all das Zeugs gekuemmert. Wir haben noch nicht einmal die CD! Trotzdem wollten wir irgendwo erreichbar sein. Wer weiss, Thomas Gottschalk koennte ja im Publikum sein und uns ein Engagement fuer "Wetten dass...?" anbieten. Auf jeden Fall sind wir dann also zu dem Stand hin, und mir wurde doch ein bisschen weich in den Knie. Da warteten wirklich Leute, welche sich fuer uns interessierten! Ich konnte es kaum fassen, als ich dann tatsaechlich zum Stift griff und mein erstes Autogramm gab. Zuerst dachte ich mir, dass bestimmt eine Verwechslung vorliegt und jeden Moment die legendaeren "Rose Tattoo", welche auch an jenem Abend spielten, auftauchen muessten, aber je laenger es dauerte, desto mehr kam in mir der Gedanke auf: "Was soll ich bloss meinen Freunden erzaehlen...? Die sagen doch einfach ‚Du spinnst!’ "

Wir haben also unsere Autogramme verteilt und ich hoffe, dass diejenigen, welche nun im Besitz eines solchen sind, erkannt haben, dass wir gestrahlt haben wie Joker nach dem endgueltigen Sieg ueber Batman. Wir sind geehrt.

Natuerlich haben wir den ganzen Abend noch in vollen Zuegen genossen und damit begonnen, das Vorgefallene zu verarbeiten, denn wir wurden wirklich positiv ueberrascht, was uns natuerlich Motivation dazu gibt, an unserer Sache weiterzuarbeiten. Zu Schleifen. Zu Reifen... dann werde vielleicht auch ich einmal erwachsen.


3.8.2002 Openair Busswil

Als wir am Samstag-Nachmittag dann doch noch aus den Betten gekrochen sind, war mein erstes Problem die fehlenden Zigaretten. Ich machte mich also fuer einen "Morgenspaziergang" im Dorf wo Ralph wohnt auf den Weg. Als ich zurueckkehrte war dann der Kaffee bereits fertig. There’s no morning before coffee! Wir machten uns dann langsam auf den Weg Richtung Busswil, was in der Naehe von Biel liegt.

Der Veranstalter, Chef des Gaskessels Biel, stampfte das Openair zum ersten Mal aus dem Boden, was sich auch in der Zuschauerzahl wiederspiegelte. Leider spielte zudem das Wetter nicht wirklich mit.

Uns konnte aber logischerweise nichts betrueben. Schliesslich hatten wir am Vorabend das erfolgreichste Konzert in unserer kurzen Karriere.

Da wir etwas zu frueh dort waren, hatten wir wieder einmal Zeit um bloed zu schwaetzen und mit Hatschi und Marianne, einem Promoter-Duo, zu fachsimpeln. Unser Set ging eigentlich rund ueber die Buehne und den Leuten, welche da waren, hat’s anscheinend gefallen. "Dancin’ in the rain".

Nun ja, nach dem Gig verzogen wir uns dann ins Backstage-Zelt und begutachteten die bereitgestellten Esswaren und Getraenke. Tja, Rony interessierten natuerlich vor allem die Getraenke, wer kann’s ihm auch veruebeln.

Nachdem wir dann wieder trockene Klamotten anhatten, durfte man dann ohne schlechtes Gewissen das Bierchen oeffnen. Einige Zeit spaeter kursierte in der Runde auf einmal die Tatsache, dass Sammy und Sigi noch nicht richtig in die Band aufgenommen wurden... ououou. Das war wohl keine gute Idee. Sammy hat den Braten sofort gerochen und sich mit einer Flasche Bier bewaffnet. Zum Glueck war ich im Militaer und kann mich ungesehen und ungehoert an den Feind ranmachen. Ok, wollen wir ehrlich sein: ohne Kampfschrei geht nichts. Vergesst das ungehoert. Aber zurueck zum Thema: Die zwei mussten dran glauben. Die Taeufer selber kamen aber auch nicht ungeschoren davon, aber Bier soll ja bekanntlich gut fuer die Haare sein.

Irgendwie waren wir wirklich nicht zu stoppen an jenem Abend. Nicht einmal der Verlust des Schluessels fuer unseren Bus konnte uns mehr als 15 Minuten betrueben, ausgenommen Sigi, welcher wieder einmal vollen Einsatz im Suchtrupp zeigte. Nochmals Danke fuer alles. Wie viel Bier schulden wir dir nun bereits?? Aber auch daraus haben wir gelernt. Ab sofort ist Sigi fuer den Schluessel verantwortlich, die Musiker sind einfach zu durchgedreht fuer solche Aufgaben.

Langsam aber sicher lichteten sich dann die Reihen, bis auf 3 unbeugsame, welche unbedingt die Morgendaemmerung erleben wollten. Diese kam dann auch, und ein morgendlicher Spaziergang im Wald tat auch gut. Nachdem ich Rony mit knapper Muehe und der Eleganz eines halbbetaeubten, wankenden Elefanten 2 Mal zu Boden gebracht hatte kehrten wir zum Auto zurueck und fuhren nach Hause. Ok, Mike fuhr direkt zu seinem Fussballmatch. Dieses mal schoss er ausnahmsweise kein Tor...wieso auch nur?


14.8.2002 Sins AG, Club 69-Party mit Crystal Ball

Endlich war das Wetter wieder wunderbar, wie man sich nun mal einen Sommertag vorstellt, und wir begaben uns langsam aber sicher nach Sins. Der Anlass war einfach eine grosse Party in einer Reithalle, in welcher eine Buehne und natuerlich eine elendslange Bar stand. Es war wirklich sympathisch. Crystal Ball waren logischerweise bereits vor Ort und gaben uns einige Informationen ueber den Verlauf des Abends.

Essen gab’s in einem Restaurant ausserhalb. Nudeln mit Schamritzel oder Rahmschnitzel. Einige verzichteten auf die Rahmsauce, der Magen (Mike) ass dafuer wie in alter Manier alles was andere nicht mochten. Ich habe nur einmal erlebt, dass Mike seinen Teller nicht leergegessen hat. Ich wundere mich immer noch, was damals in Burgdorf los war, Mike...

Nachdem wir herausgefunden haben, woher Ralph seine goldene Rolex hat, begaben wir uns dann wieder Richtung Reithalle und mussten uns mehr oder weniger gleich vorbereiten. Mike’s Verstaerker wollte zuerst etwas zickig tun und machte Probleme, aber mit Hilfe von Alufolie kann man ja jede Sicherung reparieren. Der Verstaerker hat das Konzert noch gut hinter sich gebracht und kam nicht auf die Idee, Rauchzeichen von sich zu geben. Ich glaube er ist ein Yankee.

Leider war das Publikum etwas zurueckhaltend und hoffte wahrscheinlich auf eine Coverband. Aber wie gesagt: Es kommt immer wieder etwas neues auf dich zu. Wir haben dann unser Set trotzdem ohne Cover durchgespielt und hatten dann zum Schluss doch noch Applaus. Tja, was soll man machen? Ich bin immer noch auf der Suche, wie man ein traeges Publikum ohne sie anzuficken motivieren kann...eines Tages.

Nach dem Gig verzogen wir uns dann fuer eine Weile in den Backstage-Bereich und besprachen wie ueblich kurz das Konzert, bevor wir uns dann an die Bar wagten. Crystal Ball haben ihre Sache dann auch durchgezogen und hatten etwas mehr Resonanz des Publikums. Da waeren wir wieder beim Lehrling und dem Vorarbeiter... siehe oben. Jahrelange Erfahrung macht nun mal schon etwas aus.

Als wir uns dann langsam auf den Heimweg machten und unseren Schlumi (ist der "Schlummertrunk" – sprich das letzte Bier) noch in der Hand hatten, kam Rony bei unserem Bandbus auf die Idee, noch ein "Prost Frau Schmid" durchzugeben, was sozusagen etwas wie ein Ritual ist, einfach stumpfsinniger. Wir liessen uns natuerlich sofort begeistern und machten euphorisch mit. Als wir uns dann umdrehten, stand da einfach unser Bandbus. Bandbus.......Frau Schmid...........Name........Frau Schmid?......Bandbus. Jep, wir hatten den Namen fuer unseren Bus gefunden. Darf ich vorstellen: Frau Schmid.


Schlusswort

Soso, das waer’s glaub ich gewesen fuer diesen Sommer. Wir haben nun alle Gigs gespielt und ich beginne mit dem Packen fuer meinen 1-Monats-Trip nach Frankreich. Ich werde versuchen wieder auf den Boden zurueckzukehren und mich selbst wieder zu finden. Wird schwer werden.

Nach den Ferien geht’s dann mehr oder weniger direkt ins Studio um endlich unser Demo aufzunehmen, welches wir dann endlich versenden koennen. Abgesehen davon, dass ich sehr zufrieden bin, mit dem, was wir ohne CD erreicht haben, muss ich eben doch immer wieder Feuer unterm Arsch geben, dass sie halt doch noch zustande kommt. Jede Scheiss-Band hat eine CD-Aufnahme von sich. Spricht aber eigentlich fuer uns, da wir nicht die 08-15 Scheiss-Band sind. Danke Gott, nachdem ich das Licht gesehen habe, fuehle ich mich doch bereits ein bisschen besser.

Was nach den Ferien auch noch passieren wird, das waere der Wechsel am Bass. Rony verlaesst uns fuer 1 ½ Jahre, um seine Ausbildung abzuschliessen. In dieser Zeit wird dann jemand neues dazustossen. Eine Augenweide und sehr sympathisch. Ich werde noch darauf zurueckkommen...

Somit hat’s mich gefreut und ich wuensche noch einen schoenen Rest des Sommers...hoffentlich mit gutem Wetter. Ich werde sicher der Sonne nachfahren und braun wie ein Muffin zurueckkommen. Tja, ich liebe das Leben.

Falls ihr mir "wuest sagen wollt" oder irgendwelche belanglose Fragen habt, oder falls ihr euch vielleicht auf einmal fuer die MINES interessiert:

tom@hardrock.ch

www.hardrock.ch

Ich wuensche...

ROCK’N’ROLL!!!!!!

Twisted Occult Mind


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