TOUR DIARY


MAJESTY / U.D.O.
(by Chris Heun)

01.10. WUPPERTAL - BARMEN LCB HDJ - GROSSER SAAL (GERMANY)
05.10. COPENHAGEN - VEGA (DANMARK)
06.10. NORRKOEPING - KAMMAREN (SWEDEN)
08.10. ESKILSTUNA - BLA (SWEDEN)
09.10. SKOEVDE - VALHALL (SWEDEN)
10.10. STOCKHOLM - KLUBBEN (SWEDEN)
12.10. HELSINKI - NOSTURI (FINLAND)
15.10. OSLO - ROCK IN (NORWAY)
16.10. OSLO - ROCK IN ( NORWAY)

Wie komme ich ueberhaupt zu MAJESTY? Ganz einfach: Meine Bandkollegen von RAZORBACK, Rolf und Macke, spielen beide auch bei MAJESTY und so helfe ich, da ich schon seit ewigen Zeiten sowohl Gitarre als auch Bass spiele, immer dann aus, wenn jemand aus dem Original-Line Up verhindert ist, wie z.B. auch beim diesjaehrigen Keep it true II-Festival (naehere Infos unter: www.keep-it-true.de, die DVD zum KIT II ist nebenbei bemerkt taufrisch auf dem Markt, das KIT III war jetzt gerade die Tage am 06.11.2004 und das KIT IV wird am 02.04.2005 ueber die Buehne gehen). Da unser Basser Macke leider verhindert war, habe ich den zweiwoechigen Trip nach Skandinavien gerne fuer ihn uebernommen, zumal dies eine willkommene Abwechslung zu meinem Hauptjob als Gitarren- und Basslehrer ist. Man(n) goennt sich ja sonst nix!

Die Warm Up-Show der THUNDERBALL-AUTUMN-TOUR fand am ersten Oktober in Wuppertal statt – also fast ein Heimspiel fuer U.D.O., aber irgendwie auch fuer uns! Der Saal war schon frueh gut gefuellt und man sah eine ganze Menge MAJESTY-Shirts im Publikum und direkt vor dem ersten Song hoerte man auch schon den Schlachtruf: "hail, hail to majesty!", was uns den Start leicht machte. Mit Ausnahme meines kleinen Ausfalls am Sender, weil die neuen (!) Batterien schon nach 10 Minuten ihren schwachen Geist aufgaben, lief alles glatt und die Stimmung im Publikum war super. Nach diesem gelungenen Opener fuhren wir alle zufrieden nach Hause und packten unsere Koffer fuer Skandinavien (Alka Seltzer, Kondome, Jack Daniels – alles, was Mann halt so brauchen koennte).

Montags ging es endlich los und da es fuer den letzten Teil der 2004 World-Tour von U.D.O. nur einen special guest gab (und nicht wie Mitte des Jahres zwei: MAJESTY & REBELLION bzw. MAJESTY & CRYSTAL BALL), rentierte sich fuer uns kein ganzer Nightliner und wir begnuegten uns mit einem Wohnmobil. Auf dem Weg nach Norden wurde als erstes ein hochwertiges Literaturzitat als Tour-Motto im Innenraum angebracht: "Es gibt Momente im Leben eines Mannes, da ist ein Mund ein Mund!" Diese festliche Stunde wurde gebuehrend mit Jack Daniels und Jaegermeister begossen. UEbernachtet haben wir kurz vor Hamburg, wo wir am naechsten Morgen unseren Roadie David an Bord genommen haben.

Nach dem "Genuss" der ersten Nacht mit fuenf "Helden" in einem Wohnmobil fuhren wir direkt weiter nach Kopenhagen, wo abends der erste Auftritt stattfand. In einer coolen Location, die einen lustigen 70er Jahre-Retro-Look hatte, sollte es abends ein rundum angenehmer Gig werden. Wir waren gut drauf, die Leute waren gut drauf – alles passte! Hier musste ich nach der Show mal wieder auf einer weiblichen Brust signieren, was ich an und fuer sich nicht wirklich ungern mache. Diese Angewohnheit habe ich schon zu SHYLOCK-Zeiten als oberster "Fanbetreuer" der Band gepflegt. Getoppt wurde dies nur noch von einigen Gigs in Schweden bzw. Norwegen, wo Tarek und Rolf auf ein paar nackten maennlichen Hinterteilen unterschreiben durften/mussten. Ehre, wem Ehre gebuehrt!

Dann ging es gleich in der Nacht noch weiter Richtung Schweden. Nach ordentlich viel Faehrfahrt sind wir bereits am Dienstag Nachmittag "in the mid of nowhere" angekommen, um uns fuer den Soundcheck bereit zu machen. Hier machte eine Bedienung dank ihres interessanten Parfums ordentlich Eindruck und der ein oder andere stand schon kurz vor der hormonell bedingten Ohnmacht.

Der folgende Tag war unser erster Day Off, weswegen wir den Abend mit einem schoenen Burger-Essen und Unmengen schwedischem Bier begannen und herrlich im Bla Club beendeten, wo wir am naechsten Abend auch live spielen sollten. Tagsueber vergnuegten wir uns kurzweilig mit literweise Kaffee trinken in der Innenstadt. Einer von uns frequentierte dort tatsaechlich zu jeder freien Minute eine bestimmte Location in einem Einkaufszentrum, weil er sich vermeintlich unsterblich in eine Bedienung verguckt hatte.

Zur Show: Der Klub war gut besucht und die Luft entsprechend stickig und warm, was wir zu Anfang des Abends noch ganz gut ueberlebten. Den Jungs von U.D.O. war nach ihrem ueber zweistuendigen Kampfeinsatz on stage anzumerken, dass sie "in the heat of the night" alles gegeben hatten und es wirklich anstrengend war, aber die Menge war begeistert und nur dass zaehlt. Der Rest des Abends war Party pur bis zum Abwinken.

Als ich nachts nochmal kurz aus dem Wohnmobil herausging, hoerte ich gerade wie sich die Tuer des U.D.O.-Nighliners oeffnete und nach einem lauten Rumpeln zwei Personen die Treppe heruntergefallen waren, was sich aufgrund der nur noch gelallten Schmerzenslaute als nicht ganz nuechterne Zeitgenossen entpuppte. Wer diese beiden waren, kann ich an dieser Stelle natuerlich nicht enthuellen - jedenfalls wird auch im U.D.O.-Team ordentlich gefeiert, dass kann man nicht bestreiten.

Wir haben uns auf der langen Fahrt mal ueberlegt wie wir meinen, dass das maennliche und weibliche primaere Geschlechtsorgan auf Schwedisch heissen koennten. Nach reiflicher Ueberlegung wurden wir fuendig: Der "Groeter" und die "Moeffe"! Ja, nur so kann so was hier oben genannt werden! An dieser Stelle wollen wir uns bei unserem Drummer Michi Groeter bedanken, dessen imposant gewachsenes Geschlechtsorgan uns hierbei inspirierte. Derlei Entertainment gab es im Bus noch mehr und Michis Name wurde einen ganzen Tag lang auf der Fahrt fuer alles verwendet, was einfach nur gross und maechtig war, wie z.B. der etwa 30 m hohe und eindeutig phallisch geformte Kuehlturm eines Heizkraftwerks in Stockholm - ein echter "Groeter" eben! Auf diesem Weg kann man dem kleinen Wahnsinn einer Tour fuer eine Weile entkommen.

Mehr als unterhaltsam war auch die obergeile Thailaenderinnen-Persiflage von Rolf (ich sage nur "Meiiin Maaan, guuhte Maaahhnn"), der sich als kleines Sprachgenie entpuppt hat. Auch beim Schwedisch-Unterricht am fruehen Morgen nach der durchzechten Nacht im Bla Club hat Rolf konkurrenzlos als Klassenbester abgeschnitten. Nur er kann die schwedischen Hackfleischbaellchen "Koettbullar", die man auch von Ikea kennt, wirklich richtig aussprechen. Bei Interesse einfach www.rolfmunkes.com anklicken und nachfragen, er freut sich bestimmt! ;-)

Die 10-stuendige Ueberfahrt mit der Faehre nach Finnland am naechsten Morgen war eine recht erbauliche Angelegenheit, da man nach dem praechtigen Fruehstuecks-Buffet mit Tanz-Tee und Karaoke-Bar zwei sehr lustige Veranstaltungen besuchen konnte. Spaetestens nach dem dritten Bier war man Teil der Fete und fand es voellig normal, dass norwegische Maedels nach dem Genuss von diversen Bieren groehlend irgendwelche seltsamen Heimatlieder sangen.

Eigentlich hatten wir vor, unseren RAZORBACK-Saenger Stefan Bergren in Stockholm zu treffen, wo er wohnt und lebt, aber ausgerechnet in dieser Woche war er mit seiner Coverband GREAT JAM, wo u.a. noch ein paar Jungs von SNAKES IN PARADISE mitspielen, in Helsinki engagiert. Aber keine Panik, da waren wir ja jetzt auch und nutzen unseren naechsten Day Off, um ihn zu besuchen. Selten hat eine Club-Atmosphaere mehr Spass gemacht und Stefan konnte seine hervorragenden Qualitaeten als Saenger und Frontmann in jeder Sekunde unter Beweis stellen, obschon sicherlich nicht alle Zuschauer wussten, dass er erst kuerzlich wieder mit den Whitesnake-Urgesteinen Bernie Mardsden, Micky Moody und Neil Murray als nunmehr "M3" (frueher COMPANY OF SNAKES) on tour war, nachdem M3-Saenger Tony Martin (EMPIRE, Ex-BLACK SABBATH) vor kurzem die Band wieder verlassen hat.

Stefans schwedischer Schlachtruf hoert sich in etwa wie "jiihaaa!" an und machte bei den finnischen Damen ordentlich Eindruck, wie sich spaeter am Abend noch herausstellte. Er lud nach dem Gig ein paar Maedels zur After-Show-Party in das Appartement der Band ein, wobei er streng darauf achtete, dass das Geschlechterverhaeltnis Mann-Frau absolut ausgeglichen war. Und wie nicht anders zu erwarten, folgten alle gerne dem Ruf des Meisters! Die Finninnen liessen sich auch von seiner Ankuendigung, dass sich alle Bandmitglieder ab drei Uhr nachts regelmaessig in Vampire verwandeln wuerden, nicht wirklich abschrecken, was auch gar nicht gestimmt hat, den es war nicht Herr Berggren als Vampir, der dann nachts noch am Saugen war.

Die Fete mit dieser Supertruppe werden Rolf und ich jedenfalls so schnell nicht vergessen, soweit wir uns nach diesen Unmengen boesen, boesen daenischen Importbiers ueberhaupt noch daran erinnern koennen. Verlassen haben wir den Ort des Geschehens mehr oder weniger auf allen Vieren kriechend, schleppten uns muehsam zu einer Taxistation, um irgendwie im Morgengrauen am Bandbus zu sein. Dort uebermannte uns beim 5. erfolglosen Versuch des Einsteigens aus unerfindlichen Gruenden ein wirklich langanhaltender Lachflash, was uns zu Recht die Ruege der U.D.O.-Mannschaft einbrachte, die dann neben uns im Nightliner halt auch nicht mehr weiterschlafen konnte.

Kleine Anekdote am Rande: Der Keyboarder der GREAT JAM-Truppe betreibt einen Rock-Club in Stockholm, wo sich RAMMSTEIN als sie auf Tour durch Skandinavien waren, abends schoen vergnuegt haben. Seitdem sind die beiden Keyboarder befreundet, was sich vor allem darin aeussert, dass sie sich gegenseitig hoechst befremdliche Schimpfwoerter in der jeweiligen Muttersprache beibringen. Das erste Wort, welches RAMMSTEIN-Keyboarder Till auf schwedisch lernte, war "Pissboek" – wer weiss, was das heisst, kann sich per Mail bei mir melden. Unter den richtigen Einsendungen verlose ich drei RAZORBACK-CDs "ANIMAL ANGER"!

Am naechsten Abend spielten wir im legendaeren Nosturi in Helsinki und konnten die Menge, die aufgrund der Vielzahl an guten Metal-Bands, die hier regelmaessig spielen, natuerlich richtig verwoehnt ist, erst nach zwei Songs so richtig auftauten. An den Ablauf der Show kann ich mich aufgrund meines Katers, der alle bislang gekannten Dimensionen sprengte, nicht mehr im Detail erinnern, wobei es wie immer ein Vergnuegen war mit dem neuen MAJESTY-Gitarristen Bjoern auf der rechten Buehnenhaelfte zusammen abzurocken. Seine Geduld wuerde uebrigens fast jede Nacht auf eine harte Probe gestellt, denn seine Schlafstatt war nur dann fertig aufzubauen, wenn die Sitzgruppe im Bus zusammengeklappt wurde, was auf gut Deutsch heisst, dass der arme Bjoern immer bis zum Schluss warten musste. Und dass konnte spaet werden, wenn der ein oder andere der MAJESTY-Mannen noch ein wenig Durst hatte und bis in den Morgen hinein einen bis vierzehn Jacky genoss.

Auf dem Weg nach Norwegen verbrachten wir die naechste Nacht wieder in Schweden und waehlten Stockholm als Stellplatz. Dort parkten wir einfach irgendwo in der Innenstadt, um nicht zu weit laufen zu muessen, als es abends auf die Piste ging. Nachts beim Zurueckkommen stellten wir fest, dass unser Parkplatz mitten im staedtischen Strassenstrich lag, wo unser deutsches Wohnmobil doch einiges Aufsehen verursachte.

Die letzte Station der Tour war also Oslo, wo wir zwei Tage hintereinander im Rock In spielten. Leider wurde das Ende der Tour von einem tragischen Ereignis ueberschattet: Der Vater von U.D.O.-Basser Fitti ist in der zweiten Tourwoche gestorben, weswegen Fitti natuerlich zurueck nach Deutschland musste, um die notwendigen Formalitaeten zu regeln. Jetzt war im ersten Moment guter Rat teuer! Aber dann kam MAJESTY- und RAZORBACK-Basser Macke, der dieses Jahr bereits die Russland-Tour fuer Fitti mit U.D.O. gespielt hat, einfach ganz hurtig nach Oslo geflogen und hat die beiden letzten Gigs der Tour an seiner Stelle gespielt. Die MAJESTY/RAZORBACK-Truppe war also letztlich doch fast gaenzlich vereint vor Ort in Norwegen!

Erstaunlich fanden wir in Oslo, dass die Maedels schon Samstag frueh um 11 Uhr im Cafe bzw. an den Tischen davor auf dem Buergersteig (dass Ganze wohlgemerkt bei 6-8 Grad Celsius) beim dritten Bierchen zugange waren und mehr oder weniger angeheitert ueber Gott und die Welt redeten. Hier gab es so viele tolle Cafes, coole Bistros und andere starke Locations, dass man kaum alles aufzaehlen kann. Oslo ist zwar eine teure, aber absolut sehenswerte Stadt! Wir vertrieben uns kurzweilig die Zeit und spielten abends unsere beiden Abschlussgigs, was uns den norwegischen Metalheads sicherlich wieder etwas bekannter machte. Ein Teil von uns ist sonntags heimgeflogen. Tarek, Rolf und ich sind Samstag Nacht um drei Uhr in Oslo losgebrettert, um nach einer Nonstop-Fahrt Sonntag auf Montag Nacht gut in Aschaffenburg anzukommen, wovor uns auch auslaendische Radarfallen oder kleinere Blechschaeden nicht abhalten konnten.

Mein Resumee: Das Klischee von "sex, drugs & rock´n`roll", also dass, was man handelsueblich mit einer guten Tour verbindet, ist nicht so ganz fern der Realitaet. Und nachdem ich mittlerweile einige Live-Reviews von unseren Skandinavien-Shows gelesen habe, die allesamt prima ausgefallen sind, kann man die Tour nur als vollen Erfolg bezeichnen. Um mit dem Altmeister des deutschen Metal Udo zu schliessen: "Give me the sign of victory!"

Wer mehr Infos zur Band MAJESTY und/oder meiner Person haben moechte, kann mich gerne anmailen (metal@chrisheun.de) oder die MAJESTY–Homepage unter www.truemetal.org/majesty oder meine Homepage unter www.chrisheun.de besuchen. So long and maybe we see us in hell or somewhere else on the road!

stay metal

Chris(tuzz)


 

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