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Grüne Hölle - Kawasaki ZX 10 R So, nun geht es los mit dem was harte Männer härter macht und die Miezen hinterher schauen lässt! Wo es doch, ob man Hören mag oder nicht, immens Eier benötigt. Danke, Herr Kahn... Supersportler der 1000er Kategorie. Hier soll aus der Sicht des sogenannten „Motorrad-Normalos“ geschrieben werden. Demnach der des eigentlichen Käufers, den Technik-Overkill genauso wenig interessiert, als falle in China ein Sack Reis um. Was interessiert also? Eckdaten natürlich und „Fahrt sich des Teil guat?“ So soll es sein. Nachdem sich auf den gesamten 400 und etwas mehr Kilometern zum Kawasaki-Stützpunkt, der Himmel eigentlich hätte ausgeweint haben müssen, gab ich die Hoffnung auf Autobahnspaß zurück ins Bayernland allmählich auf. Angekommen war es erst einmal egal. Da stand sie, giftgrün und schon im Stand schnell. Einfach schön. Endlich. Meine letzte ist ja doch schon geraume Zeit her, seit ich mich den 600ern verschrieben hatte. So in etwa die Eindrücke am ersten Tag, von zweieinhalb Wochen folgender Liaison mit der grünen Schönen. 400 Kilometer Supersportler tun keinem Knie und Handgelenk gut. Haupt-Teststrecke sind in den nächsten Tagen die verwinkelten Bergstraßen des Bayerischen Waldes um Sankt Englmar und natürlich die freien bayerischen Autobahnen. Rennstrecke schenke ich mir. 250 km/h in der Kurve machen Spaß, schafft der „Normalo“ aber nicht. Wo wir auch schon da wären, wo sich die Gute am wohlsten fühlt. Auf schneller Bahn. In den Drehzahlen unter 6000 lässt sich hier nämlich nicht direkt ein 1000er-Gefühl her denken. Jedoch oberhalb der 6000er-Marke öffnet sich das Höllentor. Da also stecken die 188 Pferde (laut Prüfstand immer noch ganze 181 an der Hinterhand)! Diese kommen derart immens, dass einem das Adrenalin unweigerlich bis in die Haarspitzen schießt. Ungeübte könnten davon auch schnell überrannt werden. Somit reitet einen sicher auch der Teufel auf Autobahn und Rennstrecke. Wäre da nicht diese brachiale Bremse (und das ohne Sachen wie ABS), käme man sicher bald an des Teufels Abendmahl. Insgesamt nach einigen Tagen schon an das Bike gewöhnt, lässt es sich immer mehr ein wenig wie die kleine Schwester fahren, nur mal vom Größen- und Gewichtsverhältnis her. Auch wenn man optisch im Frontbereich bei der Kleinen gar gekupfert hat. Mancher Kommentar an Motorrad-Treffs, ob das eine 600er sei, gibt einem dazu Recht. Schön, dass man da sagen kann, wer lesen könne, sei arg im Vorteil. Prangt doch am überaus hohen, aber auch sozia-freundlichen Heck, ein dickes ZX 10 R. Für ein 170 cm kleines Modell meiner männlichen Gattung, aber insgesamt alles optimal. Ein Freund nahm mal Platzprobe, mit knapp 190 cm und etwa 150 Kilogramm ohne Kleidung. Sah eher nach Affe auf Schleifstein aus. Aber ich denke für dieses Exemplar Mensch werden Supersportler auch nicht gebaut, würde ja auch die Bezeichnung Sport dezimieren.
Technische Daten: hier klicken Folgetag, der Wald ruft erneut. Gleich mal vorher zum Kollegen ran, keiner da. Mist! Wollt doch so angeben. Gut dann erst mal alleine. Schneller kann ich ja jetzt schon. Allerdings nur um festzustellen, dass jetzt in den engen Kurven der Waldstraßen so rein gar nichts mehr funktioniert. Was ist los? Wieder daheim erst einmal alles suchen was verstellbar ist. Gabel - etwas Dämpfung raus. Federbein - leicht weicher und Dämpfung raus. Gleich mal noch Hebel einstellen, gegen Handgelenkbruch bei Brems- und Kuppelaktionen. Nächste Runde - passt! Satte Kurvenlage, keinerlei Kippelgefühl. In schnelleren Kurven schiebt ab und an mal das Vorderrad, gemeinhin als Übersteuern bekannt und die Dame möchte auch gedrückt werden. Macht aber nichts. Gas weg, korrigieren, Gas auf. Nie hätte ich gedacht, dass sich 188 Pferde derart gut lenken lassen. Auch die Reifenwahl stellt sich als perfekt heraus. Doch noch einige Tage Regen, trotz anderer Erwartungen dank der Wetterfrösche in TV und Net, und in den letzten Tagen abtrocknend und am Ende dann endlich trocken, macht der Pirelli ohnehin keinen Unterschied und erlaubt gar abartige Schräglagen, so dass man schon Rennreifen auf den 17-Zöllern wähnt. Was eine Symbiose! Zwei Wochen lang kann man es kaum erwarten, immer wieder im Wechsel Wald, Landstraße und Autobahn. Wegen der vorher erwähnten Schwäche im unteren Drehzahlbereich, immer gut am Gas, stellt man schnell fest, der Grenzbereich ist bei diesem Bike überaus schmal und beim Angasen tritt es schon mal aus. Wenn man darauf vorbereitet ist, dann lässt es sich aber auch wieder gut einfangen. Doch ein elektronischer Helfer? Fazit nach ausreichend Test: Die 2010er Kawasaki ZX 10-R ist ein Superbike allerhöchster Güte. Schöner als alle anderen sicher nicht zwingend! Es ist das Grün, was den Fan so anmacht und den Opa, sieht er jenes im Rückspiegel, zu unerklärlichen Lenkmanövern gen links verleitet. Gut, dass diese Bremse am Bike ist. Die 10er ist agil, wahnwitzig schnell und dabei immer noch genug stabil. Ein Öhlins-Lenkungsdämpfer oberhalb der Gabelbrücke ist ja wohl derart geil, dass Ducati als Ideengeber ja fast in Vergessenheit gerät, aber sicher auch nötig. Ist wohl Kawasaki die alte Schwäche, das Gabelflattern, immer noch nicht los geworden. Kenne ich noch aus der ZX 9 R. Hat man mal seine Abstimmung gefunden, wird das Bike zum braven Anhängsel, wie ein Dobermann, der allerdings immer überwacht werden muss. Zuviel Leine geht einfach nicht. Wie schon gesagt, will die Kawa bezwungen werden. Ein leichtes soll das Fahren von 190 PS, inklusive Ram-Air, auch bitte nicht sein. Wer gerne viele enge Kurven, Serpentinen und überhaupt schmale Bergstraßen fährt, sollte allerdings hier die Finger von lassen, denn dort hängt man ständig im Drehzahlkeller und dafür ist das Bike nicht gemacht. Sicher noch schnell und kraftvoll, aber eine alte CBR oder dergleichen hängt man nicht ab. Gibt sie sich unter 6000 Umdrehungen doch eher wie eine gute 600er. Kawasaki wird schon wissen warum da erst der „grüne Bereich“ auf der Tachoscheibe beginnt. Und mit über 6000 Kreiseln in eine enge Kurve mit Gegenverkehr zu brezeln, kann böse enden. Nein, sie braucht Drehzahlen und die gibt man ihr auf weiter Flur. Sportler sind eben nicht unbedingt Kletterer, aber dafür einfach schnell und immer steht der Pilot mit einem Bein in der Hölle. Dazu gehört immer eine gehörige Portion Mut oder eben Eier. Zu guter Letzt die unweigerliche, aber notwendige Technik. Der Motor zieht ohne Drehzahlloch durch, unten herum allerdings etwas zu brav. Das Ram-Air gibt dann nochmal eine Schippe drauf. Das Getriebe lässt sich dank Anti-Hopping-Kupplung gut durchschalten, in den unteren Gängen zwar leicht hakelig, aber das gehört eben zu Kawasaki. Die Rutschkupplung, über 6000 Touren funktionierend, ist ebenfalls göttlich. Auch zu Kawasaki gehört der unruhige, etwas rasselnde Lauf im kalten Zustand und die Vibration der Verkleidung. Da kann man darüber hinwegsehen, bzw hören. Den Fan würde es stören, täte es fehlen. Die Bremsen, wenn einmal warm, sind einfach nur brachial, jedoch leicht und gut dosierbar. Die Beleuchtung ist gut ausstreuend und hell genug. Der Klang des Endtopfes geht gemein mit dem Design und würde so manchem Tuning-Topf alle Ehre machen. Die Kawasaki klingt laut, hell und böse, ganz Supersportler eben. Auf dass der Neider schon von weitem höre, da fährt eine Ninja. Und wahrlich ich kann euch sagen: Fahrt sich sauguat! Bericht by Jan |


















