At The Gates

AT THE GATES
„Slaughter of the Soul“ (1995)

 

„Slaughter of the Soul“, der letzte offizielle Output der Legende AT THE GATES. Und wie es sich gehört, ist man mit einem echten Paukenschlag abgetreten. Mehr noch… Die Scheibe läutete eine neue Ära im Metaluniversum ein. Die Geburt eines neuen Genres mit dem klingenden Namen Melodic Deathmetal. Im Grunde genommen war die Idee gar nicht so neu. Nur wollte es bis anhin noch niemandem gelingen, das Konzept so durchschlagend und überzeugend umzusetzen. Ziel war es, die brachiale Urgewalt des Deathmetal und melodische Gitarrenriffs mit Powermetal Charakter unter einen Hut zu bringen. Die Gebrüder Björler, die hauptsächlich fürs Songwriting zuständig waren, haben hier ganze Arbeit geleistet. Denn von der ersten bis zur letzten Note geht hier nonstop die Post ab, so dass unkontrollierte Jubelausbrüche oder akute Schreianfälle infolge übermäßiger Begeisterung nicht im Geringsten besorgniserregend sind. „Blinded by Fear“ startet mit einer merkwürdig anmutenden Akustik. Wer sich schon immer fragte: Das verzerrte Geräusch stammt von einem am Boden kreiselnden Topfdeckel. Danach bricht ein wahrer Sturm los! Das absolut mörderische Riffing, Tomas Lindbergs keifende Vocals und die pfeilgenaue Schlagzeugvorstellung treiben wohl nicht nur mir beinahe Tränen in die Augen. Mit einem beherzten „Go“ startet der Titeltrack, welcher dem Opener in keinster Weise nachsteht. „Cold“ nimmt dann etwas Tempo raus, und ist gespickt mit zahlreichen Breaks und Akustikgitarren. Das Solo stammt übrigens von Andy LaRocque (KING DIAMOND). Zeit zum durchatmen bietet dann das besinnliche Instrumental „Into the dead Sky“. Zu Beginn von „Suicide Nation“ wird eine Pistole durchgeladen. Um nicht mit dem Waffengesetz in Konflikt zu geraten, wurde diese Sequenz kurzerhand vom Film „Reservoir Dogs“ übernommen. Im Anschluss folgt ein weiteres Schmuckstück. „World of Lies“ ist ein herrlich treibender Stampfer, bei dem geschickt zwischen Up- und Midtempo variiert wird. „Nausea“ präsentiert sich dann eher einfach gestrickt, aber nicht weniger effektiv was die Mitreisserqualitäten betrifft. Der Titel des abschließenden Instrumentals ist schon fast auf tragische Weise zu interpretieren, wird dabei doch ein symbolischer Schlussstrich was das Schaffen dieser Göteborger Pioniere anbelangt gezogen. „The Flames of the End“ passt da also wie die Faust aufs Auge! Übrigens ist dies auch das einzige AT THE GATES Stück, bei dem ein Keyboard zum Einsatz kommt. Mit „Slaughter of the Soul“ haben AT THE GATES ein monumentales Vermächtnis hinterlassen. Einzigartig und unerreicht trotz zahlreicher Versuche den Sound zu kopieren! Zusammen mit „The Jester Race“ von IN FLAMES (auch eine oberhammergeile Scheibe!!!) ist es die meistgenannte Referenz was Melodic Deathmetal angeht. Der Stil fand unzählige Anhänger und lies Nachahmerbands wie Pilze aus dem Boden schießen. Mit der Zeit entwickelte sich diese Musikrichtung weiter, und dem Sound wurden neue Elemente und Merkmale hinzugefügt. So zählen heute die Keyboards zur Grundausstattung und die Refrains werden zum großen Teil in cleanen Vocals zum Besten gegeben. Ursprünglich aber herrschte nur die rohe Gewalt! Nicht mehr und nicht weniger! DAS ist Melodic Deathmetal! (Andi)

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