Evil Angel

EVIL ANGEL

Regie: Richard Dutcher
Marcus: Kristopher Shepard
Carla: Ava Gaudet
Carruthers: Ving Rhames

Marcus führt ein einfaches Leben. Er ist Sanitäter und lebt mit seiner Frau in einem kleinen, einfachen Häuschen. Seine einfache, heile Welt gerät ins Wanken, als er eines Tages nach Hause kommt und seine Frau mit einem anderen Mann im Bett erwischt. Dann ist da noch diese Frau, die er bei einem Sanitätseinsatz leider nicht mehr retten kann und sie sprichwörtlich unter seinen Händen wegstirbt - und er sich prompt in diesem Augenblick in sie verliebt. Soweit klingt alles nach einem Drama - wenn da nicht noch Lilith wäre. Lilith wurde gemäß religiöser Überlieferung aus demselben Lehm wie Adam erschaffen und sollte Adam Untertan sein, was Lilith nicht akzeptierte. Andere Schriften erzählen, Adam hätte Lilith abgelehnt, doch wie auch immer: Lilith wurde damals aus dem Paradies raugeschmissen und schlüpft seit Anbeginn der Zeit von (Frauen)Körper zu Körper, welche durch einen kurzfristigen klinischen Tod von der eigenen Seele verlassen wurden. Wenn wir jetzt wieder zu Marcus als Sanitäter zurückschwenken, dann haben wir schnell auch den Zusammenhang zwischen Marcus' Geschichte und dem Tun von Lilith, welche irgendwann im Körper von Marcus' Frau landet, als sie sich mit dem Fernseh-Gerät in der Badewanne umbringen will. "Evil Angel" will viel, schafft aber letztendlich wenig in stolzen 123 Minuten. Zu Beginn mag man leichte Probleme haben, denn 7 Personen buhlen in diesem Film um die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Auch würde man denken, dass sich bei einer solch detaillierten Geschichte Höhepunkt an Höhepunkt reiht, doch dem ist leider nicht so. Anstatt das Tempo langsam zu steigern, macht Regisseur Richard Dutcher genau das Gegenteil und nimmt immer wieder das Tempo raus, sodass man sich selbst immer wieder beim Blick auf die Uhrzeit erwischt. Auf die Stopp-Taste drücken will man aber nicht, denn dafür ist der Film dann doch nicht schlecht genug. Die wenigen Effekte sind nett gemacht und die Maskenbildner haben durchaus solide Arbeit geleistet. Die schauspielerischen Leistungen sind sehr unterschiedlich, so ist und bleibt Kristopher Shepard als Marcus sehr transparent und unscheinbar, während Ava Gaudet als Carla zeigen kann, was sie drauf hat. Sie spielt sowohl die Rolle der psychisch labilen Ehefrau genauso überzeugend wie die Rolle als besessenes, durchtriebenes, mordlüsternes Luder. Etwas enttäuschend fand ich Ving Rhames als Carruthers, doch hier trägt wohl das Drehbuch die Hauptschuld, das Ving nicht zeigen kann/darf, warum er ein derart gefragter Schauspieler ist. "Evil Angel" besitzt leider ein paar Logikfehler, ein paar Überlängen und keine sich aufbauende Spannung, andererseits besitzt die Mischung aus religiösem Background, Sex und vertrackten Handlungssträngen genug Spannung, um den Zuschauer einigermaßen über die Runden zu bringen. "Evil Angel" ist nett, aber definitiv kein Highlight im Horror-Genre. (Ralph)

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