SONISPHERE
18.06.2010/Degenaupark Jonschwil St.Gallen (CH)

Die Wetterprognosen warnten einem schon anfangs der Woche, Petrus war nicht in Metal Laune… So kam es dann auch, dass es 18 Stunden am Stück in Strömen geregnet hatte und den Degenaupark in eine grosse Schlammpfütze verwandelt wurde. Ich behaupte sogar, der Degenaupark, wenn nicht ganz Jonschwil, ist nach diesem Wochenende schlicht im Arsch.
Auf Facebook gibt es eine Anti -Sonisphere Gruppe, da melden sich im Minutentakt neue wütende Mitglieder an. Ich bin da nicht dabei…
HEAVY F****** METAL!!!! Hallo!?!?!?!  Da scheiss ich doch mal für 48 Stunden auf Etikette, saubere Schuhe, trockene Kleidung und eine funktionierende Organisation! Wenn ich für das zu alt werde und mit viel Fango im Gesicht nicht mehr umgehen kann, dann gehe ich Musikantenstadl schauen! Noch ist es jedoch nicht soweit ;o)
Von Abzocke ist die Rede, aber mal ehrlich, wie viel kostet normalerweise ein Ticket für ein Konzert von Metallica und Co.? Wenn man für CHF 120.- über 20 sehr gute und bekannte Bands zu sehen bekommt, kann man da wohl kaum von Abzocke reden.
CHF 6.- für ein Sandwich oder ein Bier ist auch nicht zuviel, da haben wir alle schon mehr dafür bezahlt. CHF 2.- musste man noch als Depot für den Becher bezahlen, doch der wurde mir, anscheinend im Gegensatz zu anderen, an jedem Stand wieder aufgefüllt, bis ich ihn dann irgendwo im Schlamm verloren habe… Hut ab vor dem Catering Personal! Die haben wirklich ihr bestes gegeben, waren immer freundlich und meist auch schnell im bedienen.
Schlammversaute Schuhe waren ein Problem, stimmt. Es stand jedoch an jeder Ecke des Dorfes ein Brunnen. Wer dann einem Bauern mit Gartenschlauch und breitem Grinsen im Gesicht CHF 10.- dafür bezahlt, dass der ihm seine Schuhe abspritzt, ist in meinen Augen auch selber Schuld, wenn er sich dann abgezockt fühlt. Wäre ich dort Bauer gewesen, ich hätte auch meinen Schlauch geholt und mich grinsend dort hingestellt.
Es stimmt, das Wetter war scheisse und die Organisation ebenso, es wussten jedoch alle, dass da viel Schlamm auf uns zu kommen würde. OK, das St.Galler Openair war an den schlimmsten Regentagen nix gegen das, was uns hier erwartete. Auch ich hatte Muskelkater der übelsten Sorte vom im 30 cm langsam hart werdenden Schlamm umherstampfen und auch ich war dem Kollaps nahe als ich nach einer Ewigkeit endlich wieder festen Asphalt unter den Füssen hatte, aber wir haben es schliesslich alle überlebt.
Im Übrigen hat sich der Veranstalter schwer an der Hand verletzt als ihm beim Grillieren der Gasgrill um die Ohren flog. Der hat seine Strafe also auch bekommen…
Ohne Rattenbisse oder sonstigen Verletzungen zu Hause angekommen, wieder trocken und sauber kann ich nur sagen, es war hart aber geil, hat sich gelohnt und musikalisch wurden wir wirklich für unsere Mühe und unser Durchhalten belohnt. Man hatte allen Bands die Spielfreude angemerkt und die haben alle ihr bestes gegeben.
47000 Tickets wurden verkauft und trotz Schlamm in allen Poren und Öffnungen war die Stimmung super, alle waren friedlich und es hat auch allen Spass gemacht. Ich habe keinen gesehen, der dieses Schlam(m)assel nicht mit Humor genommen hat. Den Sound fand ich für ein Open Air in dieser Grösse auch ganz OK. Es gab zwei Bühnen, welche nebeneinander aufgebaut waren. So gab es zwischen den einzelnen Bands nur jeweils ca. 10 Minuten Pause, was die Wartezeit erträglich machte und einem so nur kurz an den Regen zurück erinnerte.  Overkill und Airbourne haben am Donnerstagabend schon gespielt und das Publikum auf den Freitag eingestimmt. Die Jungs von Job For A Cowboy konnten nicht auftreten, da es auf das Mischpult der kleineren Bühne regnete und dieses dann den Geist aufgab. Die Gute Laune Startschwierigkeiten am Freitagmorgen waren bei den Temperaturen verständlich, spätestens bei Anthrax fing das Publikum dann jedoch an aufzutauen. Das erste Highlight an diesem Tag  war da ganz klar „Heaven And Hell“. Alice In Chains und Stone Sour überzeugten das Publikum nicht, dafür konnten sie Petrus beruhigen und den Regen vertreiben. Um 16:00 Uhr kamen endlich Slayer an die Reihe. Tom Araya und Co. Zeigten uns Thrash in gewohnt erstklassiger Darbietung und prügelten die letzten Wolken weg. Slayer spielten viel neueres, begeisterten jedoch auch mit den alten Klassikern wie „Raining Blood“ und „Angel Of Death“. Nur eine Stunde Spielzeit war jedoch definitiv viel zuwenig. Als Dave Mustaine und seine Jungs von Megadeth auf die Bühne kamen schien sogar die Sonne. Tout le Monde, Hangar 18, Symphonie of Destruction etc konnten das Publikum begeistern. Ab da war die Welt für die meisten Anwesenden wieder bestens in Ordnung und es wurde gefeiert, gesungen, gebangt und mit Schlamm herumgespritzt. Kurze Verschnaufpause und dann kam Lemmy! Motörhead boten keine grosse Show, aber Lemmy ist Lemmy, der muss ja auch gar nichts anderes machen als cool auf der Bühne stehend seine rauchige Stimme ins Mikrofon brüllen. Lemmy ist einfach Kult. Bei Rise Against sank die Stimmung dann doch recht schnell wieder ab. Die Jungs waren zwar gut, aber mit ihrem Punk Sound fehl am Platz. Um 21:00 Uhr gab es dann das Highlight für die meisten der Anwesenden. Genauer genommen um 21:15, denn die Herren von Metallica kamen als einzige mit Verspätung auf die Bühne. Metallica kann es sich ja schliesslich auch erlauben ihre Fans wartend im Schlamm stehen zu lassen. Da wurde dann auch die Anlage richtig aufgedreht und es wurde laut. Und genial, mit Feuerwerk und mit einer sehr gut gelaunten Band. Etwas zuviel Death Magnetic, nur wenig St. Anger aber viele Klassiker wurden gespielt. Die hatten ja auch zwei Stunden Zeit, da blieben bei keinem Wünsche offen. Die meisten Besucher hatten danach genug, (die Temperatur war auch wieder in eisige Kälte runter gesunken) und machten sich auf den Heimweg. Wer das Gestampfe durch den mittlerweile extrem zäh gewordenen Schlamm überstanden hatte, fühlte sich wie nach einer Iron Man Teilnahme. ÖÖÖhhhmmmm wo genau haben wir denn unser Auto? Das war dann das nächste Problem, vor dem dann mitten in der Nacht die meisten Fans standen. Entweder musste einem der Wagen vom Traktor für CHF 20.- (jaaaaa… die jonschwiler Bauern wissen wie man zu Geld kommt) rausgezogen werden oder man musste seinen fahrbaren Untersatz irgendwo 3 Dörfer weiter suchen gehen. Zum Glück haben wir uns die Ortschaft aufgeschrieben! Ich wäre sonst heute noch am suchen ;o)
Volbeat, Amon Amarth, 3 Inches Of Blood und Dear Superstar waren OK, doch da die meisten nach Metallica gingen war die Stimmung natürlich nicht mal ansatzweise vergleichbar. Vor allem Amon Amarth hätten etwas mehr Beachtung verdient.
Fazit: ein tolles Wochenende, an dem wohl Besucher wie Veranstalter an ihre Grenzen kamen, daraus gelernt haben und das nächste mal noch besser ausgerüstet erscheinen werden. Ich beklage mich nicht, sondern werde meine Schlammbilder freudig herumzeigen und in Jahren noch davon erzählen. Weißt du noch, damals in Jonschwil als die Ratten kamen und die Regenwürmer obern auf dem Schlamm aufgeschwommen sind? ;o)))))  Es war hart, eklig, nass, kalt, anstrengend, schmutzig aber GOIL! Mit einem HAMMER Lineup und lauter gutgelaunten Musiker und Festivalbesucher. Braucht ein Metalherz wirklich mehr um glücklich zu sein? (Denise)

alice in chains

Bericht by Denise, Bilder mit freundlicher Genehmigung von Mario Hodel und Nicole Imhof


Kommentare

jonny
25 Jun 2010, 14:01
sorry, schwerer fehler ... Zitat: *Das erste Highlight an diesem Tag war da ganz klar „Heaven And Hell“.* dio in ehren, er war ein übersänger - aber das traue ich ihm nicht mehr zu! was die abzocke vom sonisphere anbelangt, hatten es nicht nur die bauern nötig - ich habe in meinen etlichen festivaljahren noch nie erlebt, dass journalisten zur kasse gebeten werden: fotopass 80.- und schreibender journalist 50.- (???) hä, was soll das? der veranstalter möchte doch etwas von den medien? egal ... das war gestern und es wird andere festivals geben ...
Denise
26 Jun 2010, 02:14
Ok,mein fehler, stimmt, ich habe Anthrax mit ihrem Heaven And Hell Tribute gemeint...
und ich habe noch nie erlebt, dass es irgendwo irgendetwas gratis gibt, wenn metallica auftreten...
aber stimmt, es wird andere festivals geben...
Dandan
26 Jun 2010, 11:04
Hi Denis guter Bericht und Recht hast Du " Rock n Roll " darf ruhig auch mal dreckig sein,es kann nicht nur immer Cüpli drinken in der VIP-Lounge sein,ich denke die, die dabei waren werden eine Lebenslange Erinnerung daran haben!Gut so!
Rockslave
03 Jul 2010, 00:11
Sali Denise!

Das «Sonisphere-Festival» war in jeder Hinsicht ein "Erlebnis". Wer dabei war, wird sich bestimmt noch lange daran erinnern. Dein Bericht enthält allerdings kommentierwürdige wie falsche Infos, denn erstens spielten Metallica nur gerade drei neue Songs von «Death Magnetic» (wo sie doch auf der laufenden Tour bis zu sechs davon gespielt haben!)und zweitens..., der gröbere Schnitzer ist der von wegen «St. Anger»! Aua... - unten stehend die Setliste von Jonschwil:

Creeping Death
For Whome The Bell Tolls
Ride The Lightning
No Remorse
Fade To Black
That Was Just Your Life
The End Of The Line
Sad But True
Welcome Home (Sanitarium)
Broken, Beat and Scarred
One
Master Of Puppets
Fight Fire With Fire
Nothing Else Matters
Enter Sandman
- - - - - - - -
Breadfan
Whiplash
Seek and Destroy

Aber sonst..., well done! ;-)
Gruzz
Slave (to the rhythm)
Bastardo
21 Jul 2010, 13:10
Heaven & Hell? Das wäre aber eine echte Sensation gewesen. :-S

Die Organisation war ernsthaft scheisse. Schlamm und Dreck stören auch mich nicht im geringsten, aber der Veranstallter hatte wahnsinniges Glück, dass niemandem ernsthaft was zugestossen ist, Rock n Roll hin oder her.

Die Soundquali war eine einzige Katastrophe, da gibt es keine Entschuldigung oder Ausrede. Ich war schon an unzähligen Open Air Festivals, aber das war schon ziemlich am unteren Limit.

Das Catheringpersonal war schnell? Waren wir am gleichen Festival??? Diese Dummbeutel kann man höchstwahrscheinlich nicht mal an einem Seniorennachmittag brauchen.

Die Bands waren klar unschlagbar, aber durch den miesen Sound leider auch ungeniessbar.

Fazit: Nie wieder Jonschwil.
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