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Am Dienstag, 22.9.10 wurde ich von der Band GIRL IN A BAND zu der CD-Taufe ihrer gleichnamigen Debüt-CD im Zürcher Club Hey eingeladen. Sicher, das Hey ist nicht die erste Adresse für Konzerte, aber ich kenne den Club sehr gut. Gerade dort hatte ich selber mit meiner Band Radical Solution immer wieder gute Konzerte. Die Band und das Publikum sind sich dort sehr nahe, und fast auf Augenhöhe. Darum spürt man während des Spielens die Vibes des Publikums sehr gut. Zu meinem Erstaunen war die Gästeliste beim Eingang um einiges länger, als schlussendlich Publikum anwesend war. Das war sehr schade. Denn die Band hat, um es vorweg zu nehmen, einen guten Gig abgeliefert.
Der Name GIRL IN A BAND ist Motto und sagt alles über die Band aus. Wobei man es noch weiter treiben könnte, denn würde die Band THE GIRL IS THE BAND heißen, wäre das wohl nicht vermessen. Um Frontfrau Miriam Duncompe dreht sich alles auf der Bühne. Mit ihrer erfrischenden und sympathischen Art zieht sie alle Blicke und Ohren auf sich. Neben Miriam hat sich Drummer Patrick ebenfalls für den Anlass richtig chic herausgeputzt. So muss es sein! Da sollten sich die anderen beiden der Band ein Vorbild nehmen.
Ich habe selten ein so grooviges Fundament wie an diesem Abend bei einer Amateurband erlebt. Die beiden Männer der Rhythmussektion haben ihren Job begriffen. Einfache, aber effektive Basslinien von Bassist Beat, getragen vom Pätis treibenden Schlagzeugspiel dröhnten durch das Hey, so dass sogar die Gläser in der Spülmaschine mittanzten. Wie wir das oft von Bassisten gewohnt sind, stand Beat eher im Hintergrund, so gut das eben im Hey geht, und konzentrierte sich auf seinen Job. Ein bisschen mehr Bühnen-Präsenz würde sicherlich nicht schaden. Einen eher durchzogenen Eindruck hinterließ Keyboarder Simon. Das Outfit, mit khakifarbenen Dreiviertel-Hosen und weißem Kurzarmhemd erinnerte mich eher an einem Pauschal-Touristenausflug an die Pyramiden von Giseh, als an ein Rockkonzert. Geschweige denn, an eine CD-Taufe, ein Fest für den Abschluss monatelanger und schweißtreibender Arbeit. Es fehlte nur noch die Fotokamera um den Hals gehängt und den Touristenführer in der Hand. Hoffen wir, dass er für die nächsten Gigs von Miriam oder Päti Stylingtips erhält. Die Keyboard-Arrangements waren größtenteils sehr schwammig und irgendwie von allem zu viel. Das mag vielleicht daran gelegen haben, dass Keyboarder Simon noch nicht sehr lange in der Band ist. Diese scheinen mir noch nicht fertig durchdacht und ausgearbeitet zu sein. Bis auf einige Momente, in denen gute Ideen integriert wurden, erzeugten die Keys meist ein fast schon monotones und doch dominantes Grundgeräusch, das sich von Anfang bis Ende des Songs hindurch zieht.
Und da sind wir beim zweiten Kritikpunkt, den Arrangements. Wie oben schon beschrieben, sind diese gradlinig und unverschnörkelt. Das ist grundsätzlich nicht schlecht. Wenn der Bass und das Schlagzeug vom ersten bis zum letzten Ton im geliebten 4/4-Takt durchpumpen, groovt das zwar gehörig, kann aber mit der Zeit langweilig werden. Würde die Band ab und zu ein Break einbauen oder den Drive unterbrechen, innerhalb vom Song, um neu durchzustarten, wäre das um einiges abwechslungsreicher. Es würde der ganzen Sache viel mehr Dynamik verleihen. Darum wünschte ich mir da mehr Mut im Songwriting, denn ansonsten sind die Songs richtig gut. Die Melodien sind eingängig und abwechslungsreich.
Besonders gut haben mir Songs wie „Watch Over Freeze Hell“, „Drive“ und „Because“ gefallen. Die Flucht an die Bar musste ich beim Song „You're The Reason“ antreten. OK, normalerweise setz ich mich von der Bar auch nicht weiter weg, als eine Armlänge. Keine Ahnung was mich an diesem Abend für ein Affe geritten hat. Dieser Song geht gar nicht. Ein Mix aus Hanna Montana und Disney‘s Mickey Mouse Club, schmeckt der Song ähnlich wie ein Kaffee mit 5 Stück Zucker. Es gibt sicher Leute die Kaffee so trinken, die meisten rennen aber spätestens danach freiwillig zum Zahnarzt. Dieser Song ist somit verantwortlich für meinen ungeplanten, zusätzlichen Boxenstopp an der Bar, für zwei Shots und dem Cuba Libre innerhalb kürzester Zeit. Und für den Brummschädel, mit dem ich am anderen Morgen aufgewacht bin.
Sängerin und Gitarristin Miriam steht, wie schon erwähnt, bei GIRL IN A BAND über allem. Beim Opener „Truth“, war ich mir noch nicht sicher, ob mir ihre Stimme gefällt oder nicht. Ich war mir nicht mal sicher, ob sie gar singen kann oder nicht. Leider war die sonst kräftige und sehr ausdrucksstarke Stimme teilweise so fest in Effekte getränkt, dass sie nicht mehr zu erkennen war. Sie kam dadurch sehr kraftlos und ohne Dynamik daher. Darum, ehrenwerter Jimmy am Mischpult, weniger ist manchmal viel mehr. Miriam hat es gar nicht nötig, sich hinter einer Wand von Delay, Hall, Chorus, Stimmenverdoppler und was weiß ich noch allem, zu verstecken. Je purer die Stimme war, desto besser, kraftvoller kam sie rüber. Dann hörte man das wunderbar verruchte und bluesige in ihr. Miriam war auch richtig nett anzuschauen. Was gibt es schärferes als Frauen mit Pipi Langstrumpf-Frisur, in kurzen Röcken und mit E-Gitarre?! Sie spielte eine ganz hübsche Gibson SG-Gitarre, und das dazu ganz ordentlich. Schade, denn die Gitarre wurde ertränkt in dem Keyboard-Schwall. Wenn die Band das in den Griff bekommt, klingt das alles verdammt gut.
Bei aller Kritik, die Band besteht aus gestanden Musikern. Das ist keine Schülerband, und jeder von ihnen versteht sein Handwerk richtig gut. Das Welpenschutzalter hat diese Band längst überschritten und gerade darum muss man das alles ein bisschen kritischer betrachten und bewerten.
Das die CD am Publikum verschenkt wurde, war zwar eine nette Geste, nach der gestrigen Darbietung hätte sie sich aber sicherlich auch gut verkauft. Darauf sind nämlich sämtliche sechzehn Tracks der Playlist enthalten.
Die Zeremonie der CD-Taufe an sich, wurde dann ein bisschen zum Kaffeekränzchen. Es wurden Anekdoten über die Entstehung der CD erzählt. Und es wurden Leute gewürdigt, wie der bereits oben erwähnte Jimmy, die großen Anteil daran hatten. Das nach der eigentlichen Taufe eine Pause gemacht wurde, war leider der Stimmungskiller schlechthin. Wenn ich so viel über die CD erfahre, will ich sie live und laut hören. Also ran an die Instrumente und let’s rock and play it fuckin’loud!!!

Bericht by Nic, Fotos by Keith Gunthardt |