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ACCUSER

Interview mit ACCUSER, März 2012

 

"Heute ballern wir ihnen alles um die Ohren! "

accuser

www.accuserdomination.com

 

 

Hallo Leute! Erst einmal die Standardfrage. Wie ist das allgemeine Befinden?

Sehr gut, es geht voran! Wir haben bereits nach VÖ des letzten Albums einige wichtige und sehr gute Shows gespielt und sind nebenbei fast mit dem Songwriting des neuen Albums fertig. Über die Resonanzen von Dependent Domination haben wir uns sehr gefreut. Wir hatten uns Einiges versprochen, aber mit solchen teilweise euphorischen Zusagen nicht gerechnet. Danke!

Zwei Scheiben in Rekordzeit raus gehauen. Sind das die Nachwehen von der langen Abstinenz im Metal-Zirkus?

Kann man so sagen. Die Gegenwart ist sehr erfrischend, da sich durch ständige stilistische Wellen des harten Genre in den 80s und 90s, unterschiedliche Sounds manifestiert haben und zur Zeit alle Gültigkeit und Anerkennung bei den Fans unterschiedlicher Geschmäcker erfahren. Das macht die Sache wieder interessant. Es gibt eine breite Zuhörerschaft und alles ist erlaubt. Von Thrash/Death über Heavy Metal, Hard/Grind/Metalcore geht wieder alles. Die Monotonie der Highlights ist Vergangenheit. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Ich hab euch mal so um die 1993 rum in der Schweiz gesehen. Das war glaub ich auf der „Repent“-Tour. Seither bin ich in Sachen ACUSSER etwas verwirrt. Ein Fan schrie dauernd „Master Of Desaster“. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Frank Thoms den Daumen nach unten streckte!? Klärt mich mal auf, damit ich dieses Fragezeichen nicht mit ins Grab nehmen muss. Waren da nebst Frank Thoms drei neue Leute auf der Bühne?

Na ja ! Wir hatten hier und da den ein oder anderen Wechsel. Der Daumen nach unten bei einem eigenen Song kann eigentlich nur ein dummer Scherz gewesen sein. Sicherlich ist es auch so, dass man sich als Musiker am liebsten mit den aktuellen Sachen identifiziert, aber heute denken wir da anders. Da wir nicht nur Musiker, sondern auch Fans sind, genießen wir es heute Songs von dem ersten bis zum letzten Album zu spielen. Dadurch lösen wir auch den Knoten des damaligen Sängerwechsels, da es mal eine Eberhard-Ära (Who dominates who / Double Talk) und eine Frank-Ära (Repent / Reflections) gab. Auch bei den Fans gab es die unterschiedlichsten Meinungen, welcher Sound Marke Accuser besser gefällt. Heute ballern wir ihnen alles um die Ohren ;-)

accuser


 
…Und ist das immer noch so, oder holt ihr mittlerweile auch wieder angestaubtes ACUSSER-Material aus der Thrashkiste? („War übrigens auch so ein geiles Konzert“d.Verf.).

Diese Frage dürfte ich gerade fast beantwortet haben! Wir versuchen so viel Material wie möglich zu behandeln. Das sollte es wert sein

Ich weiss nur, dass ACUSSER sich auflösten und sich in „Scartribe“ umtauften, die ACUSSER-Songs spielten? („Na, das ist mal lustig…d.Verf.). Wieso habt ihr nicht einfach wie bisher weitergemacht?

Es war ein Versuch sich stilistisch von Accuser abzuheben. Anfänglich wollte man rockigere Elemente verarbeiten. Dies ist gescheitert, da das Songwriting sich immer wieder Accuser näherte. Es macht eh keinen Sinn mit einem Sportwagen mit angezogener Handbremse über die Autobahn zu düsen. Also Waffen raus und drauf ;-)

Wie funktioniert die Arbeit untereinander? Wer hält das Zepter in der Hand oder herrscht eher eine Demokratie in der Band?

Unsere Bande ist demokratisch. Jeder hat sein Aufgabenfeld, welches sich natürlich geformt hat. Das was man abliefert, wird dann besprochen und gemeinsam beschlossen.
Frank Thoms. Eure beiden letzten Alben haben ja recht Schmackes. Wie kann ein Mann in deinem Jahrgang noch so viel Wut und Aggression in sich haben?

Ich hab schon 85 jährige wütend gesehen J Es ist nach wie vor die Begeisterung für die Musik. Thrashmetal bestimmt nun mal mein Leben und hat meine politische und menschliche Einstellung geprägt. Die Musik hat mir sehr viel gegeben und ich versuche der Musik so viel wie möglich zurück zu geben. Und da diese Musik von Wut und Aggression lebt, bekommt sie auch dies.

Wie wichtig sind dir deine Lyrics und wie entstehen sie?

Die Lyrics sind mir persönlich sehr wichtig, ohne den Anspruch zu haben, dass sich jemand damit beschäftigen muss, der die Musik hört. Meist habe ich eine Thematik im Kopf, die ich versuche wie einen roten Faden durch den Song zu ziehen. Häufig kommt es vor, dass im Schreiben neue Gedanken hinzukommen und sich die Thematik völlig verändert und somit etwas Neues natürlich wächst. Ich versuche eine Geschichte aus meinem Fokus zu erzählen, als ob es keine Vorkenntnisse von Außen zu diesem Thema gibt, damit ich nicht einer vorgekauten Story unterliege, sondern es zu meinem Ding mache.
Ein Lob auch an eueren Produzenten Martin Buchwalter. Der Junge hat ganz tolle Arbeit geleistet und eurer CD einen rechten Bums verliehen. Wie war die Arbeit mit ihm?

Diese Arbeit war einfach nur der Hammer. Wie kann man mit soviel Spaß im Kopf nur arbeiten? Ich weiß es nicht, aber es funktioniert. Angespannte Situationen werden schnell zu einer lustigen Selbstbeobachtung und schon ist die Katze mal wieder aus dem Sack. Martin ist unser Bruder und wir freuen uns schon wieder auf die gemeinsame Arbeit. Wir können es kaum abwarten!!!

Haben deine politischen Ansichten auch schon zu Ausschreitungen in einem euren Konzerten geführt?

Nein! Wir publizieren ja keine Ideologien, sondern versuchen ohne erhobenen Zeigefinger an den Verstand der Menschheit zu appellieren. Es ist ein Stück Kulturgut, welches, wie ich finde, ein wichtiger Teil der Thrashmusik ist. Es kann nicht schaden mal nachzudenken ;-)

Was hat sich für euch in der Metal-Szene geändert? Was ist besser oder schlechter geworden?

Nach wie vor ist die Metal-Szene eine Gemeinschaft. Da hat sich nichts geändert auch wenn es hier und da Gegenbeispiele geben sollte. Die Medienwirtschaft hat sich verändert, was aber allgemeingültig ist. Und das mit allen Vor- und Nachteilen, die ja auch allgemein bekannt sind. Ich persönlich finde die Breite des Metals sehr gut, da man hier ein großes Spielfeld zur Verfügung hat sich auszudrücken oder unterschiedliche Zuhörerschaften begeistert werden können. Die Anzahl der Bands hat sich explosiv multipliziert. Auch hier beobachtet man echte Naturtalente oder welche, bei denen auch ein anderes Hobby gar nicht schlecht wäre. Na ja, das war aber eigentlich auch schon immer so J Es ist eigentlich sowieso nur wichtig, dass man das was man macht, mit Herzblut tut. Alles andere macht keinen Sinn. Unterm Strich empfinde ich keinen wirklichen Unterschied zu früher. Alles ist mehr geworden und gewisse Dinge wiederholen sich.

Wie bringt ihr eigentlich Beruf und Musik unter einen Hut?

Tja, alle müssen was tun. Wir werden von unseren Arbeitgebern und unseren Familien mit aller Kraft unterstützt, weil auch sie an das glauben was wir tun. Dafür 1000 Dank!

Wie sieht euer Live-Publikum heute aus? Schliesslich seid ihr seit über 10 Jahren nicht mehr Live unterwegs gewesen, bis auf ein paar Scartribe-Auftritte ausgenommen.

Wir haben Leute von jung bis alt dabei. Das liegt aber auch daran, dass die Szene mit altert. Als wir in den 80zigern anfingen gab es ja eigentlich noch keine alte Szene. Wir waren sozusagen die Pioniere.

Wie zur Hölle schreibt man eigentlich offiziell euren Bandnamen?

Im Netz empfiehlt sich immer „Accuser“ zu schreiben. Als Logo und Wiedererkennung ist es „ACCU§ER“. Ich habe da aber auch schon Sachen gesehen wie z.B.: „Accusser“ oder „Accu$er“. Letzteres hätte ja ganz gut zur Double Talk gepasst, he, he!

Und zum Schluss nochmals ne Standardfrage. Wie sind eure Pläne in der Zukunft?

Wir widmen unsere Zeit, um im Proberaum die neuen Sachen durchzugehen, da wir im Oktober wieder im Studio sind und das neue Album mit Martin aufnehmen werden. Zwischenzeitlich werden wir so viele Shows wie möglich zu spielen. Vielleicht sieht man sich….Peace

Interview by Pink

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