SERENITY
Pre-Listening-Studio-Session und Interview mit Thomas und Mario
„Wir sind von uns überzeugt – sonst würden wir uns das nicht antun!“
Dezember 2010


Ok, ich gebe es zu, Progressive Symphonic Metal ist eigentlich nicht so mein Fall. Ich bin mehr der Easy-Listener. Ich mag Musik, die knallt und direkt in den Bauch fährt. Progressiv und Symphonic ist mir oftmals zu schwer verdaulich, zu opulent. Und irgendwie stört es mich, dass das Orchester vom Band kommt. Da war ich wohl nicht gerade die beste Besetzung für die Pre-Listenig-Session, aber zumindest hört man als Band so auch mal die Meinung von Außenstehenden. Für mich schwimmen alle Symphonic Metal-Bands mit weiblichem Gesang irgendwie auf der NIGHTWISH-Welle mit. SERENITY gehören aber zu den Bands, die mit Gastsängerinnen arbeiten. Also trällert nicht jedes Mal eine Frau mit, was ich schon mal sehr positiv finde. So sitze ich also da, die Jungs von SERENIY präsentieren gespannt den ersten Hörern ihr Schaffen und ich lausche ebenso gespannt auf die Klänge, die aus den Boxen schallen.
Kurze Einführung zum neuen Album „Death & Legacy“. Es handelt sich um ein Konzept-Album. Jedoch nicht um eine Geschichte, oder einen Protagonisten, um das/ den sich das ganze Album dreht. Vielmehr besteht das Konzept daraus Songs um berühmte Persönlichkeiten des Mittelalters zu bauen. Das Konzept fängt beim Artwork, Cover, Booklet usw. an und hört bei den Songs auf. Wunderschön und sehr detailverliebt. Wahnsinn! Die Band schlüpfte für das Boklet in die Rollen, der Persönlichkeiten. So ist Sänger Georg Giacomo Casanova, Gitarrist Thomas stellt Heinrich Kramer dar, Keyboarder Mario Galileo Galilei und Drummer Andreas schlüpft in die Rolle des Albrecht Dürer.
70 (!) Minuten und 13 Tracks später finde ich mich wieder, entführt von SERENITY und ihren wunderschönen, kleinen, aber sehr opulenten Meisterwerken, zurück im Studio. Tja, da haben mich SERENITY doch glatt mehr mitgerissen, als ich dachte. Jeder Song für sich ist ein in sich abgeschlossenes Meisterwerk. Jeder Song erzeugt eine eigene Atmosphäre. Und das zieht sich die ganzen 70 (!) Minuten durch! Keine Schwachpunkte! Obwohl ich bei langen Solis auch immer gern mal die Nase rümpfe, wenn sie nicht wirklich gut und packend gespielt sind, muss ich hier neidlos anerkennen: GEIL! Die Zeit verging hier wie im Flug. Leider weiß ich, dass ich zu Hause niemals die Zeit finden werde, um dieses Album in Ruhe zu hören. Man braucht mehrere Durchgänge um alles erfassen zu können. Aber ich kann sie nur jedem ans Herz legen, der Wert auf gute Musik, atmosphärische Songs, handwerkliches Können und eben auf Symphonic Metal erster Güte stehen.
Im Interview sprachen Thomas (Gitarrist) und Mario (Keyboards und Backing Vocals) mit mir über ihr neuestes Werk.


Ihr sagtet ja, ihr geht auf Tour. Wie setzt ihr dieses große, bombastische Orchester live um?
Thomas: Natürlich würden wir das gern mit einem Live-Orchester machen, aber leider ist das nicht in unserem finanziellen Rahmen. Sollte das irgendwann mal gehen, werden wir das sofort machen! Wir bieten live sicherlich eine andere Erfahrung als auf dem Album. Live wird alles etwas bodenständiger und etwas rauer. Die Chöre werden einfach von drei unserer Bandmitglieder, die eine sehr gute Stimme haben, übernommen. Das wäre zum einen Mario, der vor Georg der Leadsänger von SERENITY war, dann Fabio, unser neuer Bassist ist auch ein guter Sänger und auch unser Schlagzeuger Andi. So können wir die Chöre, drei-, vier-Stimmig umsetzen, und mit etwas Glück evtl. auch mit einer weiblichen Stimme. Bei den meisten Bands in dem Genre ist es ja so, dass live alles vom Band kommt. Wir dagegen haben zumindest die Chöre super ausarrangiert, auch mehrstimmig. Das wird dann mit dem Orchester, das vom Band kommt, verbunden.
Ihr seid ja nicht nur als Headliner bei einer Tour mit dabei, sondern auch als Support-Act. Wie lange spielt ihr denn da so im Durchschnitt und wie viele Songs könnt ihr spielen, wenn die einzelnen Songs, so lange sind?
Thomas: Auf der kommenden Tour sind wir special guest, d. .h. wir haben ca. 50 Minuten Spielzeit. Das ist ganz Ok. Da bringen wir so zehn Songs unter. Wenn wir Headliner-Shows spielen, geht es eben eineinhalb Stunden durch.
Mario: Ganz wichtig ist bei den Live-Shows, dass die Leute merken, uns gefällt das was wir machen.
Zwei Jahre habt ihr nun für dieses Album gebraucht…
Thomas: Das letzte Album „Fallen Sanctuary“ ist im September 2008 herausgekommen und bis das neue erscheint (25.Februar 2011) sind es über zwei Jahre. Man darf auch nicht vergessen, dass wir in der Zwischenzeit drei Touren gespielt haben

Ihr ward also nie wirklich weg?
Mario: Nein, weg waren wir definitiv nicht. Für’s Publikum waren wir wohl dieses (2010) Jahr etwas weg, weil wir einfach das Album angefangen haben fertig zu stellen. Das sollte natürlich auch unseren hohen Qualitätsansprüchen entsprechen. Wir haben uns dann ganz auf das Aufnehmen konzentriert. Wir sind leider nicht in der Lage uns jeden Tag 24 Stunden mit der Band zu beschäftigen.
Das Album ist ja jetzt so weit fertig. Was steht jetzt konkret die nächste Zeit an?
Mario: Die nächsten beiden Tage Videodreh…
Thomas: … das soll einen Monat vor Release rauskommen. Es wird eine Online-Single geben. Von der Plattenfirma wird die ganze Promo im Moment gemacht, Review-Files für die Magazin, es wird eine neue Homepage geben (Anm. d. Red. die sieht echt stark aus! Rein klicken lohnt sich www.serenity-band.com ) und spätestens März geht s wieder auf Tour..
Mario:… das ist bei uns ja nicht so einfach, weil der Fabio ja aus Italien kommt…
Thomas: … wie du siehst, haben wir genügend zu tun. Auch wenn’s nach aussen so aussieht, als ob wir nichts tun würden.


Was von all der Arbeit macht ihr selber und was gebt ihr ab?
Mario: Eigentlich machen wir alles selber, bis auf die Arbeit, die die Plattenfirma betrifft.
Thomas: Vervielfältigung, Einschaltungen in Magazine, die Samplertracks buchen, die Delegierung der Interviews, das geht alles über die Plattenfirma. Aber alles andere bleibt bei uns.
Mario: Es gibt also keinen, der uns die Arbeit abnimmt.
Könnt ihr von der Musik leben?
Thomas: Nein. Momentan sind wir in der Lage zu sagen, die Band und die Musik trägt sich selber. Aber wir sind immer mit der Einstellung dran gegangen, dass wir immer das bestmöglichste machen wollen. Und nutzen dazu alle Möglichkeiten, die wir haben, auch die finanziellen. Deshalb ist es wie es ist. Uns ist schon wichtig, dass die Sachen sehr, sehr eingängig sind, auch für Leute, die vielleicht noch nichts damit zu tun hatten. Wir versuchen einen guten Konsens zu finden zwischen sehr, sehr guter Qualität, unseren eigenen hohen Anspruch und soll auch Otto-Normal-Hörer ansprechen und hörbar bleiben.
Wie lange probt ihr für eine Tour?
Thomas: Das werden wir sehen! Generell muss jeder von uns in der Lage sein, die Sachen sehr, sehr schnell umzusetzen. Es muss jeder selbst seine Parts zu Hause proben, das ist das aller, aller wichtigste. Es ist einfach nicht tragbar wochenlang im Proberaum zu sein. Es geht dann nur noch um die Abstimmung, bestimmte Sachen zu checken, wer spielt diese, und wer jene Melodie, so was in die Richtung. Und dann die Arbeit mit den Samples im Detail. Und natürlich auch um das Live-Feeling wieder etwas zu bekommen. Denn es ist was ganz anderes als mit Kopfhörern im Studio zu sitzen.
Ist euch die Meinung der Presse sehr wichtig?
Thomas: Ahhhh… das ist jetzt eine sehr schwierige Frage. Sagen wir mal so: wenn die Meinung negativ ist, ist das sicher nicht super, aber wir hängen uns deswegen sicher nicht gleich auf. Aber auch hier sind wir in der glücklichen Lage, dass die Pressemeldungen bisher zu 99,9% positiv waren. Und die wenigen, die einen Verriss geliefert haben, da merkt man einfach, dass die gar nicht genau hingehört haben, weil da Daten drin stehen, die hinten und vorne einfach nicht stimmen.

Geht ihr eigentlich selber nach Reviews?
Mario: Besonders bei neuen Bands geh ich nach Reviews. Bei einer Band, bei der ich Stammhörer bin interessiert mich ein Review überhaupt nicht.
Thomas: Mich interessieren Reviews eigentlich gar nicht. Wenn ich auf neue Bands stoße, die in meine Richtung gehen, das muss nicht unbedingt melodischer Metal sein, hör ich auf der Homepage der Band, oder Myspace oder Youtube rein.
Mario: Man mag es glauben oder nicht, aber viel passiert heut zu tage über Mundpropaganda.
Oft ist „zu kommerziell“ ein K.O.-Kriterium in manchen Reviews…
Thomas: Kommerziell ist ja jede Band, die funktionieren will, weil, sonst braucht man es ja nicht zu machen. Außerdem, wenn dieses Album sich nicht verkauft, kann es sein, dass Napalm sagt: Sorry, das hat sich mit euch nun nicht rentiert. Und dann steht man da.
Jetzt ist ja die spannendste Zeit für euch, das Album ist fertig und ihr wartet ab, wie s ankommt. Überkommen euch da nicht auch mal Selbstzweifel ob ihr das Beste abgeliefert habt?
Thomas: Ich definitiv ja. Ich schreib ja auch viele Lieder Ich muss mir vieles immer wieder anhören und frag mich auch immer, ob es auch für die Dauer eines ganzen Albums reicht. Aber wenn man dann alles mit etwas Abstand betrachten kann, dann kann man schon sagen, ob es gut oder schlecht ist. Aber die Selbstzweifel die bleiben. Weil mein eben nicht weiß, ob es bei den anderen ankommt oder nicht. Wir sind aber von uns überzeugt, sonst würden wir uns das ganze nicht antun.
Dann habt ihr jetzt noch die letzen Worte an eure Fans, oder an alle, die es lesen.
Mario: Viel Spaß mit dem Album!
Thomas: Ja, viel Spaß mit dem Album! Online-Single kommt im Februar, Video vermutlich Ende Januar… Live-Termine in Deutschland im Mai!
Interview: Melanie




