SECONDHAND CHILD
Interview November 2011
"...fresh, freaky & free... "

Euer Album hört auf den klangvollen Namen “Chapter One: Spontaneous Human Combustion“, also übersetzt „Spontane menschliche Selbstentzündung“. Auf dem Album klingt ihr sehr „explosiv“ – ist der Titel vielleicht darauf bezogen oder was soll uns Hörern dieser Titel vermitteln?
K: Zuerst vielen Dank für das Kompliment, denn genau so sollte sich das Album auch anhören. Der Titel soll tatsächlich einen Eindruck davon vermitteln, was den Hörer auf dieser Scheibe erwartet, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen. Ausserdem war "Spontaneous Human Combustion" vor Jahren auch einmal als Bandname im Gespräch, wobei wir uns offensichtlich dagegen entschieden hatten. Für den aktuellen Neustart passt dieser Ausdruck unserer Meinung nach jedoch perfekt. Schliesslich wollen wir nun explosiv durchstarten und die Zuschauer zum Kochen bringen.
Tillian: Danke! Auf der einen Seite "Ja", auf der anderen Seite haben wir nach passenden und witzigen Wortspielen gesucht, welche man mit unseren drei Buchstaben “ShC“ formen kann. Ausserdem stand dieser Titel mal als Bandnamen-Vorschlag im Raum. Daher hielten wir es für witzig, unseren Bandnamen und unseren "Beinahe-Bandnamen" auf der neuen Platte zu vereinen. Dass der Titel dann noch so gut passt, ist natürlich umso besser.
In Euren Songs wechselt ihr gerne zwischen deftigen und melodiösen Parts. Das ist nicht gerade neu im Rock/Metal-Bereich, trotzdem klingt Euer Sound angenehm frisch und unangestrengt. Erzählt doch mal ein wenig über den Entstehungsprozess von „Chapter One: Spontaneous Human Combustion“…
K: Wieder bedanke ich mich für dieses sehr schöne Kompliment! Natürlich kann man das Rad nicht neu erfinden, auch wir nicht. Deswegen konzentrieren wir uns auf die 3 „F“s: frisch, frech & frei oder auch, da unsere Texte ja in Englisch sind, fresh, freaky & free. Die Musik sollte dabei im Idealfall ein gewisses Niveau haben, ohne zu kopflastig zu erscheinen. Dennoch sind bei zwei Gitarristen und zwei Sängern gewisse Überlegungen notwendig und wir müssen öfters die Köpfe zusammen stecken, damit am Ende alles zusammen passt. Bei diesem Album sind wir allerdings je nach Song sehr unterschiedlich vorgegangen, was man den Songs teilweise auch anhört. Ein Grund dafür ist, dass Stevie erst zur Band gestossen ist, als ungefähr die Hälfte der Songs bereits fertig geschrieben war. Seit er dabei ist, hat sich an den Vocals, und der Art und Weise wie diese geschrieben werden, einiges im positiven Sinn geändert. Kurz: wir sind mit dem Resultat sehr zufrieden, freuen uns aber schon auf das nächste Album, welches dann komplett als Einheit entstehen soll.
Tillian: Nochmals Danke. Unsere Songs entstehen meist durch eine Riff-Idee von einem unserer Gitarristen (also von Jo oder mir). Diese wird dann im Proberaum vorgespielt und der Entstehungsprozess eines neuen Songs ist geboren. Selten wird ein komplett fertiger Song von einem alleine komponiert und vieles wird umgeschrieben und angepasst. Der Gesang wird meist ausschliesslich von unseren Sängern geschrieben und die können erst anfangen, wenn das Grundgerüst des Songs ungefähr steht. Da bei uns viele verschiedene Musikgeschmäcker zusammenkommen, ist jeder Song eine Momentaufnahme von den Elementen, welche gerade von jedem gehört werden. Dies ist auch mit ein Grund, weshalb die neue Platte anders Klingt, als unsere Letzte.
Für mich klingt Euer Sound wie eine Mischung aus Crossover, Thrash, Metal und Rock. Wie würdet Ihr Euren Stil selbst beschreiben?
K: Ganz ehrlich gesagt machen wir uns darüber keine grossen Gedanken. Genre-Schubladen gehören zum Business natürlich dazu, aber da sich dahingehend sowieso jeder ein eigenes subjektives Bild macht, müssen wir uns nicht auch noch einmischen. In den letzten Monaten hat uns jeder, der uns gehört hat, einem anderen Stil zugeordnet. Da war von Metalcore über Groove-Metal bis hin zum Crossover-Punk-Metal alles dabei, was für uns immer sehr spannend und teilweise auch sehr unterhaltsam ist. Wenn man mich selbst nach unserem Stil fragt, sage ich deswegen nur noch "Secondhand Rock".
Tillian: Ach, das ist schwer zu sagen. Viele wollen die Musik in eine gewisse Sparte stecken. Ich finde das bei ganz vielen Bands sehr schwierig und daher ist mir dies auch egal. Wenn ich gefragt werde, zähle ich auch in etwa diese Stilrichtungen auf, damit man ungefähr eine Ahnung hat, was einen erwartet. Aber im Grunde soll sich jeder seine eigene Meinung machen und entscheiden, was es für Ihn/Sie ist. Ich habe zum Beispiel mal eine Metalband nicht gefunden, weil sie unter Rock aufgelistet war. Somit ist das Ganze sehr subjektiv und wenn wir jetzt sagen, wir machen dies oder jenes, kommt wieder einer und findet, dass das Gegenteil der Fall ist.
Ihr habt zurzeit scheinbar ein Schlagzeuger-Problem, das heisst, Euch fehlt einer… Seid ihr mittlerweile fündig geworden oder wollt Ihr hier kurz einen Aufruf starten?
K: Nun, da ich nicht weiss wann dieses Interview genau erscheinen wird, kann ich nicht sagen, wie die Situation dann genau aussehen wird. Momentan sind wir noch am Suchen bzw. es fand bereits ein Vorspielen statt und weitere sind bereits geplant. Wenn wir dann alle Bewerber unter die Lupe genommen haben, werden wir entscheiden und dies auch umgehend auf unserer Homepage bekannt geben. Schliesslich wollen wir so schnell wie möglich wieder eine komplette Band sein. Solange wir auf der Homepage keinen neuen Drummer / keine neue Drummerin vorgestellt haben, kann man sich auch weiterhin gerne bewerben. In der Zwischenzeit haben wir aber für die kommenden Gigs einen mehr als adäquaten „Interims-Drummer“ verpflichten können, welcher viel Erfahrung und Können mitbringt. Fans der inzwischen leider inaktiven Band Pure Inc. wissen, wovon ich spreche.
Tillian: Das Stimmt, leider gehen unser ehemaliger Schlagzeuger und wir von nun an getrennte Wege, was ich sehr bedauere, ist er doch ein guter Freund von mir. Die gemeinsamen Interessen haben sich aber nicht mehr gedeckt. Ich wünsche Ihm für seine Musikalische Zukunft alles Gute. Momentan sind wir noch auf der Suche und ob wir fündig geworden sind oder nicht, kann man auf unserer Homepage www.secondhandchild.ch nachlesen. Falls noch nichts vermerkt ist und ihr Schlagzeuger seid oder einen kennt, einfach melden. Um einen Eindruck zu bekommen wie wir klingen, kann man auf YouTube unser neues Video unter “ShC - Laid To Rest“ anschauen.
Euer Sound ist sicherlich nicht gerade als Mainstream zu bezeichnen. Was sind daher Eure Ziele? Wo seht ihr SECONDHAND CHILD in 10 Jahren?
K: Das ist eine Frage, welche bei Vorstellungsgesprächen und Zwischenbeurteilungen im Berufsleben immer wieder sehr gerne gestellt wird und nie einfach zu beantworten ist. Die Musik ist für uns, die wir alle 100%-ig berufstätig sind, aber noch immer ein Hobby, und vor 10 Jahren hätten wir auch nicht vermutet, dass wir 2 Mal den Bandnamen ändern und 2 zusätzliche Mitglieder aufnehmen würden. Somit schauen wir eher mit Neugierde in die Zukunft und auf das, was diese uns bringen mag. Alles Weitere sind Träumereien...schöne Träumereien.
Tillian: In 10 Jahren stehen wir in den Top 10 der Charts neben Justin Bieber und anderen Kindern. Nein, natürlich nicht! Unsere Ziele sind es, geile Konzerte zu geben, herum zu touren, noch ein paar Platten aufzunehmen und Spass zu haben. Ausserdem haben wir soeben einen Song zu einen Hollywood Slasherfilm (ChromeSkull: Laid To Rest 2) beigetragen, was uns sehr Stolz macht. Vielleicht können wir auch auf diesen kleinen Achtungserfolg aufbauen und noch weitere Songs in Filmen platzieren. Das wäre Witzig
Die letzten Monate waren für Rock-Fanatiker alles andere als schön. Unter anderem verstarben Ronnie James Dio, Steve Lee, Jeff Healey, Jani Lane und auch Gary Moore. Bei Steve war’s ein tragischer Unfall, bei Ronnie und Jeff der Krebs und bei Jani Lane wohl Medikamente/Alkohol. Denkt man als Musiker in solchen Zeiten eher mal an die eigene Gesundheit oder lebt Ihr nach dem Motto „Sex, Drugs & Rock’n Roll“?
K: Mal so, mal so. Tatsache ist, dass das "Älterwerden" nicht spurlos an einem vorbei zieht, weswegen man von seinem eigenen Körper immer wieder auf unangenehme Weise daran erinnert wird, dass man zwischendurch doch auch mal auf die Gesundheit achten könnte, was jeder von uns auf seine eigene Art und Weise auch macht. Allerdings lassen wir es uns dennoch nicht nehmen, unsere Konzerte in vollen Zügen zu geniessen und auf der Bühne jedes Mal so richtig die Sau raus zu lassen! Ansonsten sind wir sowieso weit davon entfernt, ein Rockstar-Leben führen zu können.
Tillian: Das kann man nicht mit uns vergleichen. Wir sind alle zu 100% arbeitstätig und nicht Fulltime-Rockstars. Wenn wir ein Konzert geben wird Vollgas gegeben aber wir haben dann wieder unsere Arbeitswoche in welcher wir es, wie soll ich sagen, “normal“ angehen. Daher besteht bei uns (zurzeit) nicht die Gefahr, dass wir einen ruhmreichen Rockstar-Abgang hinlegen.
Mal etwas frech gefragt: Euer Album läuft unter dem Banner „Chapter One“, das schreit förmlich nach einem Folgealbum, also nach „Chapter Two“, doch was kann nach einer „spontanen Selbstverbrennung“ noch kommen?
K: Abgesehen davon, dass wir in Bezug auf das nächste Album nach gar nichts beschlossen haben, würden wir den Titel von "Chapter Two" zum jetzigen Zeitpunkt so oder so noch nicht verraten. Im Moment konzentrieren wir uns dazu voll und ganz auf den Release von "Chapter One" und freuen uns sehr auf die kommenden Konzerte. Was danach kommt, werden wir sehen…schliesslich kommt alles auch ein wenig darauf an, wie unser aktuelles Album beim Publikum ankommen wird, denn auch wenn wir musikalisch gesehen immer unser eigenes Ding durchziehen werden, bestimmt das Publikum den Weg den man schlussendlich überhaupt gehen kann.
Tillian: “Chapter One“ ist sozusagen ein Startschuss, auf welches hoffentlich noch andere Alben folgen werden. Was aber noch kommen wird, können wir auch nicht sagen. Jetzt wird erst einmal “Chapter One“ veröffentlicht und wir freuen uns darauf, diese Platte mit vielen Konzerten präsentieren zu dürfen. Was die Zukunft bringt werden wir sehen.
Durch das Internet, was gerade im Musikbereich sowohl Fluch wie auch Segen ist, haben Musikbegeisterte Zugriff auf unzählige Bands, die man früher nie zu Gehör gekriegt hätte. Warum sollen die Leute ausgerechnet Eurem neuen Album ihr Gehör leihen? (Ja, hier könnt ihr jetzt so richtig schön Werbung für das Album machen )
K: Weil es einfach etwas Frisches und Eigenes ist, wozu man deftigst Hüpfen und Bangen kann! Es ist kein oberflächliches Album, welches sofort ins Ohr geht und genau so schnell wieder vergessen wird. Man muss sich und der Scheibe ein paar Durchläufe Zeit geben, um den Vibe zu spüren und den roten Faden zu erkennen. Das werden einige wohl als Schwäche ansehen, für uns ist das eine der grossen Stärken von "Chapter One", da dies für Langlebigkeit sorgen kann. Ich könnte zwar jetzt und hier auch viel über das Was, das Wie und das Warum erzählen, doch wenn ich innerhalb der Songtexte schon darauf achte, dem Zuhörer nicht immer gleich alles auf einem Silbertablett zu liefern – schliesslich soll sich jeder seine eigenen Gedanken zu den Songs machen – kann ich diesen Aspekt nun nicht mit einem Referat über den Inhalt der CD einfach unter den Teppich kehren. Gut, nicht jeder Song muss auf Biegen und Brechen durchinterpretiert werden, doch wir sind uns sicher, dass jeder problemlos erkennen kann, wann er zwischen den Zeilen lesen muss, und wann nicht. Fazit: jeder muss sich sein eigenes Bild machen und das Album selbst anhören. Ich kann nur versprechen, dass es sich definitiv lohnt!
Tillian: Ach das Internet! Bis jetzt war das eine SUPER Plattform für uns (siehe www.secondhandchild.ch oder Facebook). Jeder der Interesse an unserem Sound hat oder gerne mal reinhören möchte, soll auf YouTube unser bereits erwähntes, neuestes Video zu “Laid To Rest“ anschauen, welches wir eben zum Film “ChromeSkull: Laid To Rest 2“ geschrieben haben. Wem dies Gefällt, der sollte unbedingt auch in unsere Platte reinhören! Anschliessend abchecken wo wir spielen, und Konzerte besuchen. Wir versprechen nicht die Beste Band der Welt zu sein, aber eine verdammt geile Party mit sattem Sound zum Tanzen, Bangen und was man sonst noch so machen will.
Interview by Ralph




