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NEAERA
„...es gilt die einfache Regel: keine Tournee/Konzerte = kein Geld. ”

Interview mit Benny

Juni 2010

 

 

www.neaera.com

Nach einem schweisstreibenden ersten Festivaltag ist nun als erster Punkt der Tagesordnung am Tag zwei das Inteview mit Neaera-Frontmann Benny angesagt. Ich warte also schön brav Backstage und werde spontan vom Grafen von UNHEILIG angesprochen, wo es denn hier Kaffee geben würde? Ich antworte darauf, dass ich von der Presse sei und keine Ahnung habe. Etwas verwirrt mache ich mich dann auf den Weg um einen gutgelaunten Benny zum Interview zu treffen…

Hallo und Guten Tag! Wie geht es dir heute?

Sehr gut, vielen, vielen Dank. Und dir?

Bisschen müde, ist der zweite Festivaltag…

Ach, stimmt, der zweite Tag ist immer der fatale, weil am ersten Tag ist Euphorie angesagt Party! Party! Party! Und am zweiten Tag ist man dann völlig kaputt.

Wart ihr eigentlich schon oft in der Schweiz?

Mh, ich glaub das ist jetzt unser 7. oder 8. Auftritt – doch, das kommt hin. Vielleicht ein paar mehr. Es ist auf alle Fälle das erste Mal dass wir hier am Greenfield Festival spielen.

Ist natürlich ein tolles Festival in einer schöner Lage…

Ja, ist der Hammer. Wirklich mega-geil. Leider sieht man wegen den Wolken die Berge nicht so gut, aber das sieht ja schon phantastisch aus, muss man ganz ehrlich sagen.

Da könnte man schon ein Schweizer Klischee aus der Schublade greifen…

Ja, man sagt sich, dass die Schweizer insgesamt eher ruhig sind und bei Konzerten eher etwas zurückhaltend. Das ist das, was in den Musikkreisen so ein bisschen das Klischee ist. Ich muss allerdings einwerfen, wir hatten vor kurzem ein Konzert in Solothurn, das war mit das beste Konzert von unserer Tour – da muss ich sagen, soviel zu diesem Klischee. Mal schauen, was heute so geht.

Das Greenfield Festival ist eines von zwei metallastigen Festivals in der Schweiz, was versprecht ihr euch vom Schweizer Publikum und eurem Auftritt?

Ja, ich wünsche mir erstmal, dass es nicht anfängt zu regnen, das wär sehr schön, denn da braut sich was zusammen. Und dann wünsch ich mir, weil direkt vor uns „Killswitch Engage“ spielen, dass die Leute vielleicht nicht zu lange bleiben und zu uns rüberkommen. Müssen wir einfach schauen, bin noch ein bisschen vorsichtig mit meiner Einschätzung. Aber schauen wir mal – das sind auf alle Fälle die zwei Sachen, die ich mir wünsche, wenn die Leute rüberkommen und mitfeiern, das wär schön.

 

Neaera

Bist du vor einem Auftritt jeweils nervös?

Es geht, ich hab schon mal Lampenfieber, aber es ist nicht so dass ich nervös bin es ist eigentlich mehr dass man angespannt ist, aber mehr wegen so Sachen wie: hoffentlich kommen dann die Leute, hoffentlich regnet es nicht - im Prinzip alles so Faktoren, die man nicht beeinflussen kann – das bringt mich immer zu so einer Anspannung. Aber der Auftritt selbst macht mich nicht mehr nervös.

Machst es auch schon etwas länger…

Knapp über 400 Konzerte, irgendwann geht’s.

Welche Konzerte wirst du dir an diesem Festival ansehen?

Ärgerlicherweise hab ich „Dillinger Escape Plan“ verpasst. Die sind ja immer abartig am rumspringen, sind also positiv abartig die Shows, dann auf jeden Fall Rammstein heute, ich hab sie letzte Woche schon mal gesehen und es ist echt Wahnsinn. Aber ich denke, das werden hier alle so sehen, von daher…und ja, morgen sind wir leider nicht mehr da, aber da spielen ja „Heaven Shall Burn“, sind auch gute Freunde von uns und die hätte ich mir dann auch angeguckt.

Gemäss eurer myspace-Seite wird am 22. Oktober 2010 das Album „Forging The Eclipse“ rauskommen über Metalblade – willst du unseren Lesern schon ein kleines bisschen darüber verraten?

Ich muss direkt vorab schon sagen, aber das ist ja immer so was man sagt zu einem neuen Album, so das übliche: „Leute, das wird der mega-hammer, das Beste was wir jemals gemacht haben!“ Das blöde ist, dass einem das niemand richtig glaubt. Ich muss wirklich diesmal sagen, ich hasse es eigentlich ins Studio zu gehen, so als Sänger ist es Scheisse. Manchmal ist die Stimme nicht so wie sie sein soll, an der Gitarre ist es egal, da wechselst du einfach die Saite. Aber ich muss diesmal sagen: ich freu mich aber richtig aufs Studio, was schon echt was heissen will, weil ich richtig Bock hab die Stücke auf die Platte zu bringen. Ich sag mal so, die Leute, die uns vielleicht schon etwas länger verfolgen, denen kann ich sagen: das wird eher zurück zu den alten Wurzeln, in Verbindung mit unseren letzten zwei Alben. Ich seh da ne Mischung aus diesen zwei Alben „The Rising Tide Of Oblivion“ und „Armamentarium“ – ich glaub, das wird ganz gut.

Kannst du eigentlich von der Musik leben?

Naja, es kommt halt drauf an. Es geht schon, wenn man nicht die höchsten Ansprüche hat und man nicht irgendwie sagt, ich muss hier jetzt ein dickes Haus haben oder so. Es reicht um die Miete zu bezahlen und um mir was zu essen zu kaufen. Aber nicht darüber hinaus. Und es ist für uns wichtig, dass wir stetig Konzerte haben, weil ohne Konzerte verdienen wir eigentlich kaum was. Ein bisschen über online Merchendising, aber es gilt die einfache Regel: keine Tournee/Konzerte = kein Geld.

Was machst du, wenn du nicht gerade auf Tour oder im Studio bist?

Ich studiere noch nebenbei, Pädagogik und Soziologie und arbeite mit behinderten Menschen und betreu die. Wenn ich auch noch Zeit hab dann guck ich Fernsehen.

Hast du bevorzugte Filme, die du letzthin mal gesehen hast?

Ja, den hab ich mir letzthin gleich zweimal angeguckt, weil ich auf so Filme stehe – ich weis nicht, kennst du „69 Hours“ mit Liam Neeson? Ist halt so’n schöner Quatsch-Film. Seine Tochter wird entführt und er muss sie retten und auf dem Weg dahin müssen einige Bösewichte richtig leiden. Und so Blockbuster wie Avatar zum Beispiel hab ich nicht gesehen

Bestes Konzert ever? Wo war das und warum?

Auf die Schweiz bezogen war das der Auftritt in Solothurn und allgemein: es ist immer schwer ein spezielles rauszupicken – man hat in jedem Land was spezielle  Sachen ich sag mal in Lettland oder Estland sind die Leute sehr, sehr enthusiastisch gewesen. Das ist dann schon so: da kam man sich vor wie ne Boygroup und das bei unseren fiesen Gesichtern, das ist dann schon ganz schön. Und ansonsten bei uns Zuhause, diese Release-Shows bei uns, die sind immer sehr schwitzig und sehr eng – und bei Festivals hatten wir das Summerbreeze, das war schon ziemlicher Wahnsinn, würd ich jetzt so als die Highlights sehen, die mir spontan einfallen.

 

Was fällt dir spontan zu den folgenden Stichworten ein?

Musik?

Ähm, ganz spontan: Immer wenn ich Musik hören will und ich meine Kopfhörer aus der Tasche hol und die so verknüddelt sind und ich mich tierisch aufrege, dass ich die nicht so schnell auseinandergebracht hab und dann muss ich sie wieder wegmachen und muss losfahren.

Lebensphilosophie?

Leute, guckt soviel Fernsehen wie es eben geht, es könnte euer letzter Tag sein.

Film?

Revenge-Filme wo sich irgendwie einer a la „Punisher“ oder „69 Hours“ rächt an dem Bösen.

Fussball?

Ja, bin ich ziemlich raus aus dem Thema. Klar, bei der WM kommt man nicht drum herum. Da guck ich mir das schon an und klar bin ich dann für Deutschland, muss man ja dann sein. Aber ich hab jetzt nicht ein Fähnchen oder so aus meinem Fenster hängen. Gesundes Fussballinteresse sozusagen.

Du hast das letzte Wort, was möchtest du unseren Lesern noch sagen?

Vielen Dank, dass ihr euch den Quatsch, den ich hier ablasse so brav und artig durchgelesen habt - danke an meine Interviewpartnerin. Metal on!

(Interview by Nathalie)


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