|
BRING ME THE HORIZON/ A DAY TO REMEMBER/ |
04.11.2009 D-München/ Backstage |
|
Das ausverkaufte Backstage-Werk füllte sich schnell, denn den jungen Rock-Liebhabern scheint die Gelassenheit des Alters noch zu fehlen. Keine Ahnung wie lange die meisten schon da draußen ausgeharrt hatten, um die besten Plätze zu ergattern. Zumindest waren viele von ihnen mit Rucksäcken, und die Mädels mit prallgefüllten riesen Handtaschen, wahrscheinlich alles voll mit Haarspray, Puder und schwarzer Schminke, ausgestattet. (Und ich muss es einfach loswerden, auch wenn sich die Jungs und Mädels nun etwas verarscht vorkommen, nix liegt mir ferner, aber DAS war nun mal mein Eindruck)Also enterten viele kleine Bill Kaulitze (ja, ja der Tokio Hotel-Front-… öhm… irgendwas) die Halle. Ob das nun Jungs oder Mädels waren… hm… konnte man im Einzelfall nicht so genau sagen. Die Bill-Kaulitz-Version gab es in zwei Haarfarben, nämlich platinblond, oder pechschwarz. Ok, Ok, sie nennen sich selber EMOs und wollen sich zwar von der Masse abheben, doch in dieser Masse, sah einer wie der andere aus.
Pünktlich um 20:00 Uhr fiel der nicht vorhandene Vorhang und – BAM!- legte die erste Vorband AUGUST BURNS RED los. Meine Fresse, die rockten was das Zeug hielt und zwar vom Anfang bis zum Ende! Eine halbe Stunde Energie pur! Harte, laute, aggressive Töne und unsereins fragte sich, woher nimmt Sänger Jake Luhr nur diese Töne her? Klingen als ob sie aus den tiefsten Tiefen seines Innersten, ganz tief aus dem Bauch raus kamen. Ob das Publikum nun wusste, dass es sich bei AUGUST BURNS RED um eine christliche Metal-Core-Band handelte mag mal dahingestellt sein. Mitgemacht haben sie auf alle Fälle vom ersten Moment an. Selten ging ein Publikum schon bei der Vorband so ab! Respekt!
Zack, zack war umgebaut und kaum eine halbe Stunde später kamen A DAY TO REMEMBER auf die Bühne. Wie man am Publikum erkennen konnte, waren einige nur, oder auch, wegen ihnen gekommen (also, man sah es an den T-Shirts). A DAY TO REMEMBER, die aus Florida stammen und in ihren Anfangszeiten mehr tiefe Growls in den Songs hatten, sind mit der Zeit etwas, die Betonung liegt auf etwas, melodiöser und die Gesangseinlagen mehr geworden. Keine schlechte Mischung, Verwunderlich und zollt auch Respekt, wie Sänger Jeremy in einem Moment noch so grausam growlen und im nächsten Moment so schön singen kann. Wie er das nun genau gemacht hat, ist egal, die Hauptsache war, er hat es gemacht! Das Publikum kannte die Texte auswendig und grölte die nun lautstark mit. Die Setliste war eine gute Mischung aus alten und der aktuellen CD „Homesick“. Der Circle-Pit bildete sich immer wieder neu und die Halle hatte sich in eine riesen Sauna verwandelt. Jugendlicher Schweiß lief in Strömen und der meist gesagte Satz an diesem Abend nach A DAY TO REMEMBER war: „Sind meine Augen verschmiert?“ (Die Haarspray- und Schwarze-Schminke-Industrie freut sich). A DAY TO REMEMBER spielten 45 Minuten, brachten eine Bombenstimmung rein und räumten dann den Platz für die Headliner des Tages.
Schon in der Umbaupause
merkte man, wie sich die Spannung immer mehr aufbaute. Zuerst erholten
sich einige vom anstrengenden rund rum Laufen im Cricle-Pit, oder vom
zappelnden Rumhüpfen, doch als man mit dem Abbau fertig war und der
Aufbau anfing konnte man das Flirren in der Luft förmlich spüren. Links
und Rechts auf den Erhöhungen wurde es nun auch enger und vor der Bühne
füllte sich wieder alles. Das Licht ging aus, das Intro begann, und was
erwartet man auf einem Death-Core-Konzert? Ja, richtig, tiefes,
männliches Grölen. Aber was bekam man bei BRING ME THE HORIZON? Hohes,
schrilles Pussy-Quietschen! Ahhhhh! (Also, soooo sehr unterscheiden sie
sich nicht von den TH-Fans *g*) Dann war es endlich so weit und das
Warten hatte ein Ende. Die Band betrat die Bühne. BRING ME THE HORIZON
scheinen die Pin-Ups der Death-Core-Szene zu sein. Kleine Jungs, die
böse Musik spielen. Bleibt die Frage ob sie auch hinter der Musik
stehen, die sie machen, oder ob sie als Anti- und Underground-Bewegung
gehyped werden. Nichts desto Trotz wurden die Engländer wie Helden
gefeiert. (Und ich frag mich wieder mal, wie bringt so ein kleiner,
dürrer Junge solche Töne zustande). Fannähe wurde auch groß geschrieben
und so hüpft Sänger Oli Sykes kurzerhand ziemlich am Anfang der Show ins
Publikum. Der Super-GAU für jede Security! Keine Angst, ging alles gut.
Oli lebt noch und trug keine bleibenden Schäden davon. Und wie es sich
für eine junge, provozierende Band gehört, spielten die Jungs nicht auf
der Bühne, sondern auf den Lautsprechern. Sehr gefährlich, aber gut zu
sehen, auch für die hinteren Reihen. Es war laut, hart, aggressiv und
oftmals wurden Elektro-Parts eingespielt. Die Fans kannten natürlich
jedes einzelne Wort von jedem Song, für Nicht-Kenner wurde es schwer
auch nur ein Wort zu verstehen. Die Setliste bestand aus Songs der
beiden Alben „Count Your Blessings“ und „Suicide Season“ Nach 45 Minuten
Spieldauer und ohne Zugabe verließen BRING ME THEHORIZON die Bühne. Den
Fans schien es gefallen zu haben, erschöpft und ausgelaugt machten sich
die meisten nun zu Fuß (das ist das Gute an Kinder-Konzerten, man findet
immer einen Parkplatz, weil die meisten noch keinen Führerschein haben)
auf den Nachhauseweg. |
|