MÖTLEY CRÜE
Duff McKagan's Loaded / Backyard Babies

14.06.2009, Zenith, D-München

Schon auf dem Weg zur Halle konnte man sich wundern, wie viele in den 80ern stehengebliebene Hair-Metaler und Poser es doch immer noch gab. Wo verstecken die sich eigentlich so im normalen Leben? Ein paar Ausnahmen gab es auch, das waren dann eher die jüngeren, die wahrscheinlich nicht unbedingt wegen MÖTLEY CRÜE gekommen waren. Großer Andrang, das muss man den alten Herren lassen, und ein fast ausverkauftes Konzert. Das ließ ja schon mal gutes hoffen. Leider blieb es bei der Hoffnung…

19:30 Uhr und die BACKYARD BABIES legten (offizieller Beginn war 20:00 Uhr) mit „Come Undone“ los. 20 Jahre rocken die BB nun schon die Welt und da stimmte einfach alles. Der Sound, die Songauswahl, der Auftritt der Band. Wie es aussah, kamen einige im Publikum nur oder auch wegen ihnen (so wie ich!) und wurden Gott sei Dank nicht enttäuscht! Nach 30 Minuten und unter anderem den Songs „Minus Celsius“, „Degenerated“, „Nomanic“, „Abandon“ war’s dann leider auch schon wieder vorbei. Und damit hatte der Abend seinen qualitativen Höhepunkt erreicht und es ging steil bergab.

Den Anfang vom Ende machte DUFF MCKAGAN’S LOADED. Duff kam mit Sonnbrille auf die Bühne, ja die Sonne schien hell im Zenith. Mann, war der alt geworden! Da bekamen die Worte alt und abgefuckt eine ganz neue Definition. Er jammerte sich zu LSD-Musik durch’s Programm und was auf CD eigentlich ganz gut klang, wurde live zu einem nicht identifizierbaren Etwas. Die drei  Songs „No More“, „Sick“ und „Sleaze Factory“ konnte man entziffern, wenn man die CD „Sick“ kannte. Ansonsten, naja, der Sound war Scheiße, die Songs auch, der ganze Auftritt langweilte einfach nur. Bis – ja, bis Duff anfing die ersten Takte von „Welcome To The Jungle“ zu spielen.  Ab da hatte er die Leute mehr oder weniger in der Hand. Das war eben der  GUNS’N’ROSES-Bonus. Es blieb bei den ersten Takten, danach gab’s ein kurzes Sing-a-long von „Paradise City“, bei dem nur die Musik gespielt wurde und das Publikum dazu sang, und „It’s So Easy“ trällerte Duff dann selber. Nach unendlich langen 45 Minuten war dann endlich Schluss.

Eins will ich hier noch anmerken: alle Ex-Gunners krebsen irgendwo im nirgendwo rum, keiner von ihnen schafft es je an den Erfolg anzuknüpfen, den sie als GUNS’N’ROSES hatten – manche Dinge funktionieren eben nur im Original und nur zusammen!

Und dann war ich in der Vorhölle. Dass es in den ersten Reihen eng war, ist ja bekannt. Und ich bin nun nicht die zierlichste, auch nicht so zimperlich und kann mich im Großen und Ganzen schon sehr gut behaupten, aber dass es so schlimm werden würde, hätte ich mir nicht gedacht. (Und der Veranstalter sollt in Zukunft auch einen Wellenbrecher aufstellen! Bei anderen Konzerten wurde das im Zenith ja auch gemacht!) Dass erwachsene Leute so rücksichtslos und bescheuert nach vorne drücken mußten, dass pro Person gefühlte 20cm Platz bleiben, das war schon… naja. Plötzlich tauchten Menschen auf, die vor einer halben Stunde noch 5-6 Reihen weiter hinten standen und beschwerten sich auch noch, wenn man seinen Platz nicht freiwillig aufgeben wollte (gell, Blondie!?). Soweit, so gut, bis dahin ja immer noch nichts Besonderes. Aber als dann MÖTLEY CRÜE den Weg zur Bühne fanden und die ersten Takte zu hören waren, brach die Hölle los! Welche Songs am Anfang gespielt wurden, kann ich nicht mehr mit Sicherheit sagen, denn ich hab um mein Überleben gekämpft. Auf alle Fälle war „Wilde Side“ dabei. Nachdem ich auch ein paar blaue Flecke erfolgreich verteilt und mein Überleben gesichert hatte,  beschloss ich die Hölle zu verlassen und ganz untypisch für mich, das Konzert von weiter hinten zu beobachten. Weiter hinten war der Sound noch schlechter als vorne. Aber den Leuten vor der Bühne machte das nichts aus, die waren alle high von zu vielem Haarspray. Vince Neil, Tommy Lee und der Rest der Besatzung zogen ihre Show ab und hatten tierischen Spaß. Ich frag mich allerdings immer noch, welchen tieferliegenden Sinn es wohl hatte, das Wort LOS ANGELES verkehrt herum auf die Bühne zu stellen. Hm… wir werden es nie erfahren. Das einzige was man gut hören konnte war die Quietsche-Enten-Stimme von Vince. Live einfach nur grausam! (mein kleiner Sohn ist auch so ein Qietscher, ich hoff ja immer, dass das mit dem Stimmbruch weggeht, falls nicht, kann er auch alle Fälle noch als Sänger Karriere machen, wie man sieht.) Vince hatte außerdem einige Texthänger oder ihm ging die Luft aus. Woran es nun genau lag war auch egal, denn das Ergebnis war das gleiche.

Verry cool, Tommy’s Soloeinlage als Alleinunterhalter, der mal wieder nicht mehr über die Lippen brachte als „Fuck man! What’s up?“ dann ließ er seine Jack Daniel’s Flasche durch die erste Reihe gehen. Boah, wie cool! Es hatte den Anschein MÖTLEY CRÜE wurde nach Fuck-Wörtern bezahlt. In einem gesprochenen Satz war mindestens jedes zweite Wort das F-Wort. Das mag für pubertierende ganz junge Bands noch angemessen sein, aber bei über 50-jähren wirkt es einfach nur noch lächerlich. Genauso wie das  Rüpel-Rocker-Auftreten mit Tonnen von Haarspray und Schminke nicht so überzeugend war und ist und immer bleiben wird. Eine kurze Songzusammenfassung derer, die ich raus gehört habe, aus all dem Gequietsche und dem schrecklichen Soundbrei: „Girls, Girls, Girls“, „Saints Of Los Angeles“, „Dr. Feelgood“, „White Trash Circus“, „Looks That Kill“ und die Zugabe „Home Sweet Home“. MÖTLEY CRÜE sind der Inbegriff des hohlen Hollywood-Daseins! Mann oh Mann! Glitzer, Glitter, Glimmer, hohl und sinnlos, das sind sie, das waren sie, das verkörpern sie! Ganz zum Ende drohte Vince Neil auch noch nächstes Jahr wieder zu kommen… uhhhh, ohne mich, Kinder! Und meine Helden der Jugend haben somit ihren Glanz verloren…

Als sie dann von der Bühne abzogen, konnte man einen kleinen Blick auf die Freundinnen werfen. Puh, manche von denen könnten ihre Enkel sein! Wer’s nötig hat!

Von so bekannten „Künstlern“, die schon so lange Musik machen und das nicht nur auf kleinen Bühnen, könnte man eigentlich erwarten, dass wenigstens der Sound und das musikalische stimmt. Ein richtiger Soundcheck kann doch nicht zu viel verlangt sein, oder? (Und da mein ich auch DUFF MCKAGAN’S LOADED) Leider war das nicht der Fall. Sicher, vielen reichte es, ihre Helden live zu sehen, die Songs sind dann eher Nebensache, aber ein klitzeklein wenig mehr Qualität wäre angebracht gewesen! Sorry Guys, aber einfach nur anwesend zu sein und ein bisschen auf den Instrumenten rumspielen ist einfach zu wenig. Geht gar nicht! Wenn ich dann andere unbekannte Bands sehe, die spielen sich den Arsch ab, sind musikalisch Spitzenklasse, und dann so was, da mag einem als Musikliebhaber schon das Herz bluten.

(Melanie) - Forum

 


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