PARADISE LOST/ SAMAEL

20.02.2010/ CH-Solothurn/ Kulturfabrik Kofmehl

Gleich bei meiner Ankunft in Solothurn fängt es ordentlich an zu schneien. Gut, dass ich mich nicht allzu lange in der wartenden Meute anstehen muss, sondern gleich den Presseingang benutzen kann. Kurz die Halle inspiziert (die im Übrigen einiges hergibt), ein Bierchen gezwitschert und los in Richtung Bühnenrand.  

Wie es sich für Schweizer Verhältnisse gehört, legen SAMAEL pünktlich um 21:00 Uhr los. Obwohl das Schweizer Aushängeschild der extremeren Gangart mit einigen soundspezifischen Problemen zu kämpfen hat, ist das Publikum von der ersten Note an voll auf ihrer Seite. Was sicher nicht auf den Heimvorteil zu schieben ist. Denn die Setlist bietet ein grossartiger Querschnitt durch ihre gesamte Schaffensphase. Und dies in gerade Mal knapp 45 Minuten. Mit INTO THE PENTAGRAM und CEREMONY OF OPPOSITES graben sie schon fast vergessene Perlen aus ihrer anschaulichen Discographie aus. Die Videoeinspielungen während dem Gig untermalen die Songs mit einem spacig-psychedelischen Flair, was zwar das Fotografieren nahezu unmöglich macht, zumal es keinen Fotograben gibt und ich mit allem anderem als einer guten Fotoausrüstung ausgestattet bin. Doch eins ist klar: SAMAEL legen an diesem Abend wieder mal einen souveränen Auftritt hin.

PARADISE LOST habe ich das letzte Mal 1992 im Vorprogramm von Sepultura gesehen. So erwehre ich mich vergebens eines nostalgischen Gefühls.
Die Briten sind zwar nicht gerade als DIE Live-Band bekannt, was an diesem Abend erneut ersichtlich wird. Denn der Frontmann Nick Holmes und sein Gespann agieren eher als Statisten, denn als begnadete Entertainer. Und leider lassen sie sämtliches Material von „Icon“ aussen vor. Schwer vermisst habe ich vor allem auch den Song GOTHIC. PARADISE LOST stehen schliesslich für „die Erfinder des Gothic-Metal“. Und da wäre dieses Statement sicherlich nicht fehl am Platz gewesen. Dafür haben sie vom „Gothic“-Album ETERNAL mit im Gepäck.
Weitgehend umschifft werden ebenfalls Materialien vom selbstbetitelten Album „Paradise Lost“, Believe In Nothing“ und dem experimentellen „Host“ sowie ihrem Debüt „Lost Paradise“. Klingt nach vielen Abstrichen. Aber um den stetig guten Stimmungspegel zu halten, war das vielleicht ein wohl durchdachter Schachzug. Fristen diese Werke doch ungerechterweise ein Schattendasein in der Karriere der Briten. Dabei gehen sie vermutlich lieber auf Nummer sicher und setzen auf Songs wie etwa PITY THE SADNESS oder AS I DIE.
Doch trotzdem will der Funke von der Band zum Publikum nicht so richtig rüberspringen. Dafür wirken die Mannen einfach zu distanziert und reserviert. Es scheint fast so, dass beide Parteien auf ihrer eigenen Party spielen. Trotz allem hat das Publikum (mich miteingeschlossen) sichtlich Spass. Manchmal vermeint man fast, durch die lauthalsen Mitgrölchöre, sich in einem Iron Maiden-Konzert zu befinden.
Auch der Zugabenteil fällt mit FAITH DIVIDES US, DEATH UNITES US, dem hervorragenden LAST TIME und SAY JUST WORDS etwas mager aus.
Fazit: Auch wenn für meinen Geschmack noch einige Minuten länger drin gelegen wären, und das ein oder andere Highlight fehlte, würde ich den Event rückblickend als gelungen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis bezeichnen. Apropos Preis-Leistungsverhältnis: Nicht nur der Eintritt, sondern auch der Merchandise-Stand hatte total faire Preise. Kein Wunder boomt das Geschäft. So lege auch ich mir gleich drei Accessoires zu und gehe schliesslich zufrieden lächelnd Richtung Ausgang.

 

 Image Gallery

(Bericht & Fotos by Pink)

.

 

 


Zurueck zur Hauptseite