Gleich bei meiner Ankunft in Solothurn fängt es ordentlich an zu
schneien. Gut, dass ich mich nicht allzu lange in der wartenden Meute
anstehen muss, sondern gleich den Presseingang benutzen kann. Kurz die
Halle inspiziert (die im Übrigen einiges hergibt), ein Bierchen
gezwitschert und los in Richtung Bühnenrand.
Wie es sich für Schweizer Verhältnisse gehört, legen SAMAEL pünktlich um
21:00 Uhr los. Obwohl das Schweizer Aushängeschild der extremeren
Gangart mit einigen soundspezifischen Problemen zu kämpfen hat, ist das
Publikum von der ersten Note an voll auf ihrer Seite. Was sicher nicht
auf den Heimvorteil zu schieben ist. Denn die Setlist bietet ein
grossartiger Querschnitt durch ihre gesamte Schaffensphase. Und dies in
gerade Mal knapp 45 Minuten. Mit INTO THE PENTAGRAM und CEREMONY OF
OPPOSITES graben sie schon fast vergessene Perlen aus ihrer
anschaulichen Discographie aus. Die Videoeinspielungen während dem Gig
untermalen die Songs mit einem spacig-psychedelischen Flair, was zwar
das Fotografieren nahezu unmöglich macht, zumal es keinen Fotograben
gibt und ich mit allem anderem als einer guten Fotoausrüstung
ausgestattet bin. Doch eins ist klar: SAMAEL legen an diesem Abend
wieder mal einen souveränen Auftritt hin.
PARADISE LOST habe ich das letzte Mal 1992 im Vorprogramm von Sepultura
gesehen. So erwehre ich mich vergebens eines nostalgischen Gefühls.
Die Briten sind zwar nicht gerade als DIE Live-Band bekannt, was an
diesem Abend erneut ersichtlich wird. Denn der Frontmann Nick Holmes und
sein Gespann agieren eher als Statisten, denn als begnadete Entertainer.
Und leider lassen sie sämtliches Material von „Icon“ aussen vor. Schwer
vermisst habe ich vor allem auch den Song GOTHIC. PARADISE LOST stehen
schliesslich für „die Erfinder des Gothic-Metal“. Und da wäre dieses
Statement sicherlich nicht fehl am Platz gewesen. Dafür haben sie vom „Gothic“-Album
ETERNAL mit im Gepäck.
Weitgehend umschifft werden ebenfalls Materialien vom selbstbetitelten
Album „Paradise Lost“, Believe In Nothing“ und dem experimentellen
„Host“ sowie ihrem Debüt „Lost Paradise“. Klingt nach vielen Abstrichen.
Aber um den stetig guten Stimmungspegel zu halten, war das vielleicht
ein wohl durchdachter Schachzug. Fristen diese Werke doch
ungerechterweise ein Schattendasein in der Karriere der Briten. Dabei
gehen sie vermutlich lieber auf Nummer sicher und setzen auf Songs wie
etwa PITY THE SADNESS oder AS I DIE.
Doch trotzdem will der Funke von der Band zum Publikum nicht so richtig
rüberspringen. Dafür wirken die Mannen einfach zu distanziert und
reserviert. Es scheint fast so, dass beide Parteien auf ihrer eigenen
Party spielen. Trotz allem hat das Publikum (mich miteingeschlossen)
sichtlich Spass. Manchmal vermeint man fast, durch die lauthalsen
Mitgrölchöre, sich in einem Iron Maiden-Konzert zu befinden.
Auch der Zugabenteil fällt mit FAITH DIVIDES US, DEATH UNITES US, dem
hervorragenden LAST TIME und SAY JUST WORDS etwas mager aus.
Fazit: Auch wenn für meinen Geschmack noch einige Minuten länger drin
gelegen wären, und das ein oder andere Highlight fehlte, würde ich den
Event rückblickend als gelungen mit einem guten
Preis-Leistungsverhältnis bezeichnen. Apropos Preis-Leistungsverhältnis:
Nicht nur der Eintritt, sondern auch der Merchandise-Stand hatte total
faire Preise. Kein Wunder boomt das Geschäft. So lege auch ich mir
gleich drei Accessoires zu und gehe schliesslich zufrieden lächelnd
Richtung Ausgang.

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(Bericht & Fotos by Pink)
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