LAMB OF GOD
„Wir haben schon in beschisseneren Hallen gespielt als hier!“
(Interview mit John Campell, Bass, Februar 2010)

In einem früheren Interview von euch habe ich gelesen, dass ihr Deutschland als „kommt langsam“ bezeichnet habt, in Bezug auf euch, eure Musik und den Erfolg. Wie ist das jetzt, sehr ihr das immer noch so? Ist Deutschland immer noch langsam?
(lacht) Nun, ich kann mich nicht mehr an den genauen Zusammenhang daran erinnern, aber ich sag dir wie es momentan ist. Diese Tour jetzt ist komplett anders, als die anderen davor. Der größte Unterschied ist, dass wir jetzt bei Roadrunner sind. Ok, die letzte war mit METALLICA, also haben wir da auch schon ein paar Fans dazu gewonnen. Die vorherige Tour war so was wie eine letzte Chance in Europa. Bei dieser Tour hier gehen die Leute viel mehr mit. Wir waren gestern in der Schweiz und als wir das letzte Mal dort waren die Leute wirklich „neutral“, die Schweiz eben. Aber gestern flippten die richtig aus! Wir haben schon zwei Shows in Deutschland gespielt, in Köln und noch irgendwo, ich weiß den Namen nicht mehr, und das waren gute Shows. Wir spielen heute und noch zwei Shows und ich denke die werden auch wieder super. Also, flipp aus und hab Spaß!
Zu Hause füllt ihr große Hallen und bei uns sind es eher kleinere Locations in denen ihr spielt Wie ist das für euch? Ist es frustrierend oder mehr so ein Back-to-the-roots-Gefühl?
Wir haben früher auch in den USA in kleineren Locations gespielt. Wir sind es also gewohnt. Wir spielen in den größten bis zu den kleinsten Locations . So bleiben wir bescheiden und heben nicht ab. Also, sagen wir so… wir haben schon in beschisseneren Hallen gespielt als hier. Lass es mich anders ausdrücken… wir haben öfter in beschissenen Locations gespielt als in großen, komfortablen. Hier ist es ganz schön.
In den Staaten seid ihr ja eine Metal-Größe, sag ich jetzt einfach mal so, da fragt man sich, warum macht ihr das? Warum tut ihr euch das an?
Es wird langweilig immer und immer wieder an denselben Orten zu spielen. Dieses Jahr werden wir noch in China und anderen asiatischen Staaten spielen. Philippinen, Thailand, Singapur, Malaysia, Israel, … das wird wirklich aufregend, weil es brandneue Plätze sind, an denen wir noch nie gespielt haben.
Werdet ihr in 2010 wieder auf Festivals hier spielen?
Ich glaube schon. Ich sollte diese Dinge eigentlich wissen, aber ich vergesse sie immer. Also, ja wir spielen auf Festivals, frag mich aber nicht wo genau.
Eure Texte beschäftigten sich immer wieder mit religiösen Themen, …
Nur auf „Sacrament“. Wir haben lange nicht über Religion gesprochen.
Aber euer Bandname ist religiös.
Ja, das schon. Aber das ist was anderes als religiöse Texte.
Glaubst du an Gott?
Puh… das ist eine gemeine Frage… einfach gesagt, ja. Für mich ist das so zu verstehen, dass Gott dieses große Etwas ist, mit dem wir alle verbunden sind. Vielleicht würden wir es auf einer anderen Ebene der Existenz besser verstehen. Aber ich glaube nicht an Propheten
Mit welcher Religion kannst du dich selber am besten identifizieren?
(lacht) ahhhh… eigentlich keine, denn das sind alles Märchen, um das Unbeschreibliche zu beschreiben. Wenn man jetzt die Weltreligionen nimmt, denke ich kommt der Buddhismus am nächsten. Denn der beschäftigt sich weniger mit einem selber als mit dem großen Gesamten.
Bei euch in den USA ist Religion und Gott sehr populär… hier in Europa ist das nicht der Fall…
Ja, das macht mich krank, wie populär das ganze ist.
…und die meisten leben nicht wirklich danach.
Nein, das tun sie nicht. Es hat eher was mit Macht zu tun. Das hatte es schon immer, denke ich. Das sind die Leute auf der einen Seite, und auf der anderen Seite gibt es sehr viele Leute, die jeden Sonntag in die Kirche rennen. Ich meine da gibt es Prediger die einem erzählen, dass es eine Strafe Gottes ist, wenn man ein behindertes Kind auf die Welt bringt. Oder wenn man nicht nach den Gesetzen Gottes wird die Natur zurück schlagen. Das ist alles so idiotisch.
Bei uns hier sind die meisten nicht so fromm. Radikale Dinge sind niemals gut.
Ja, aber der Glaube, das ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Zumindest für mich.

Eure Band besteht nun seit fast 20 Jahren…
Das ist nicht ganz richtig. Wir haben uns vor 20 Jahren kennengelernt, die Band besteht nun seit … 16 Jahren.
Ihr klingt immer noch sehr aggressiv, wo nehmt ihr die her?
(lacht)Es gibt doch ständig Dinge, über die man sich ärgern kann… die ganze Zeit.
Was macht dich wirklich wütend?
Was macht mich wütend? Was macht mich wirklich wütend… Ah, jetzt weiß ich s… Du kennst sicher diese ekligen Links und Seiten, auf denen man Links anklicken kann, auf denen man so Zeug sehen kann, wie die Menschen Tiere quälen? Ich würde es lieber sehen wenn sich zwei Menschen prügeln, als das Quälen von Tieren.
Und was macht dich glücklich?
(lacht wieder) Gras rauchen! (lacht) Zu Hause sein…
Auf WARTH habt ihr ja mehrere große Themen in den Texten, Politik, Sucht und Wertschätzung des Lebens. Wir alle wissen Politik ist nicht ehrlich, wie findet ihr es, dass Barak Obama den Friedensnobel Preis erhalten hat?
Ich kenne den genauen Ablauf darüber nicht, wie die auswählen und so, aber er ist jetzt schon so was wie eine Legende. Der sagt, was nicht richtig ist. Aber das ist wohl alles auch eine politische Organisation…
Aber zu diesem
Zeitpunkt hat er noch gar nix gemacht! Er war einfach nur nicht Bush.
Er kümmert sich nicht darum wie die Dinge sind. Die Dinge ändern sich. In 60
Jahren haben sich die schwarzen Leute zu gleichberechtigten Leuten in den USA
entwickelt. Und jetzt haben wir einen schwarzen als Präsidenten. Das ist ein
großartig für Amerika.
Sucht scheint ein großes Thema unter Musikern zu sein. Was denkst du, woran liegt das?
Ich denke Musiker haben einfach mehr Gelegenheit dazu. Die meisten Leute, die ich kenne und Drogen nehmen sind Musiker.
Und mit dem fortschreitenden Alter kommt auch die Wertschätzung des eigenen Lebens wieder zurück? Was ratet ihr den jungen Leuten heute, die ja doch mit vielen Dingen und Einflüssen zu kämpfen haben, von denen wir in unserer Jugend nichts ahnten.
Nun, wir spielen Heavy Metal, da geht s nicht um sich verlieben…Das sind nicht die Themen im Heavy Metal, es geht mehr um Wut, und Dinge, die falsch laufen… Die Welt ist kein Platz in dem alles super läuft. Die Leute denken, wir leben dieses schöne Rock’n’Roll-Leben, aber so ist das nicht. Wir sind auch nur fucking normale Leute. Wir haben unsere Fehler und unsere Erfahrungen …

Gibt es irgendwelche Unterschiede in Bezug auf die Länder in denen ihr spielt?
Hm…der Metal verbindet alle miteinander. Da gibt es eigentlich keine großen Unterschiede.
Und in Bezug auf das Alter? Gibt es da Unterschiede?
Ich würde sagen hier in Europa sind die Metal-Heads ein klein wenig jünger.
Was ist euch wichtiger? Sich selber treu bleiben oder viele Platten verkaufen und in den größten Hallen spielen.
Sich selber treu bleiben. Den zweiten Teil kann man splitten. Um in großen Hallen zu spielen musst du Platten verkaufen. Die Hallen aus zu suchen ist dann Job des Labels.
Wie wichtig sind für euch neben Printmagazinen, TV und Radio Webmagazine?
Oh, ich denke sie sind sehr wichtig. Webmagazine werden bestimmt mehr gelesen als Die Print-Magazine. Es ist ein neues Medium und das wird noch stark im kommen sein.
Stimmt es, dass ihr in LA nicht spielen dürft?
In einem speziellen Fall ja. Das war da, wo die Lakers spielten. Wir waren mit SLIPKNOT auf Tour. Das war noch als wir BURN THE PRIEST hießen und bevor „Sacrament“ raus kam. Wir hatten keinerlei religiöse Texte zu der Zeit. Dann fand man raus, dass wir BURN THEPRIEST hießen und wir durften da nicht spielen, zu SLIPKNOT sagen sie: „Kommt rein!“ Hallo, SLIPKNOT… du kennst die Texte… das machte keinen Sinn. Da merkt man wie mächtig manche religiösen Organisationen sind und wir dürfen da immer noch nicht spielen.
Ihr seid ja ständig auf Tour, und wenn ihr nicht am Touren seid dann arbeitet ihr an neuen Songs. Wie gehen eure Familien damit um?
Meine Frau ist eine wunderbare Frau. Sie ist sozusagen alleinerziehend. Wir habeneinen fast 2jährigen Sohn. Wir sind sehr glücklich, dass wir das alles heute machen können. Vor zehn Jahren ungefähr hätten wie weder das Gels noch die Möglichkeiten dazu gehabt. Jetzt kann ich meinen Sohn und meine Frau über Kameras sehen, wann immer ich will. Das ist schon cool.
Kannst du dir was anderes vorstellen zu machen, als Musik?
Vielleicht muss ich das mal!
Wenn du klug bist, nicht…
Man wird sehen, was kommt. Aber vielleicht sagt man eines Tages: „Ich kann nicht mehr auf Tour gehen, ich bin alt!“
Mein Vater ist auch Musiker und daher weiß ich, die Musiker brauchen es zu spielen.
Ja, aber vielleicht auf einem anderen Level…
Wir haben immer gesagt, er wird nie zu spielen aufhören, selbst wenn er tot ist, wird er noch weiter spielen.
(lacht) ja ich werde wahrscheinlich auch immer Musik machen. Zu Hause nur für mich…
So, das war s schon… danke schön!
Enjoy the show!
(Interview by Melanie)
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