HATEBREED
"Da rede ich mir ein: “du bist fantastisch, dir geht es gut, du fühlst dich toll.“
Interview mit Jamay Jasta/ Februar 2010

Da stand ich bei eisiger Kälte draussen und wartete auf Jamey Jasta. Hatebreed, mit Machine Head auf Tour machten mal wieder Halt in Zürich. Da lasse ich mir den Interviewtermin natürlich nicht nehmen und stand bei eisiger Kälte bereit. Ich musste mich allerdings etwas gedulden, denn Jamey war gerade erst aufgestanden. Mit Kapuze über den Kopf gezogen empfing er mich dann frisch geweckt im Tourbus.
Zuerst möchte ich mich bei dir bedanken, dass du dir Zeit für mich nimmst.
Kein Problem, ich danke dir.
Wie geht es dir?
Gut danke.
Du bist noch etwas müde.
Es geht, gestern Nacht war Super Bowl, den mussten wir uns natürlich ansehen und sind deshalb erst am Morgen ins Bett gekommen.
Wie war die Tour bis jetzt?
Die war bis jetzt wirklich cool. Es tut gut all diese Hard Core Fans zu sehen und deren Spass und Wucht mitzuerleben. Wir sind ja nun mit dem neuen Album unterwegs und das Echo darauf ist sehr gut. Zu sehen wie Machine Head Fans und Hatebreed Fans zusammen abgehen ist wunderbar. Das macht Spass.
Wo hattet ihr euer bestes Konzert bis jetzt und warum?
In Paris, das war geil! Ausverkauftes Stadion, die Masse war extrem gut drauf und so laut, die waren lauter als die Band!
Wo war das schlechteste Konzert?
Ich denke das war wahrscheinlich in Finnland. Die Halle dort war gross und keiner kam. Da waren höchstens 600 Leute. In einer Arena für 5000- 6000 sieht das recht übel aus. Da wir jedoch noch nicht viel in Finnland gespielt haben, waren die, die da waren dafür umso glücklicher uns zu sehen. Da hatten wir dann trotzdem unseren Spass mit denen. Das Publikum war jedenfalls gut.
Wie bereitest du dich auf ein Konzert vor?
Auf dieser Tour versuche ich kurz vor der Show etwas zu essen. Ich versuche etwas mehr auf mich und meine Gesundheit zu achten als auf der letzten Tour. Ich war damals am Schluss beinahe dehydriert. Jetzt trinke ich den ganzen Tag Gatorade und Literweise Wasser. In diesem Bus ist die Luft auch so trocken… Dann mache ich Push-Ups, Jumping Jacks und Seilspringen.
Was ist dein Rezept, wenn du mal einen schlechten Tag hast oder krank bist und auf die Bühne musst?
Da rede ich mir ein: “du bist fantastisch, dir geht es gut, du fühlst dich toll.“ Und das mache ich dann so 100-mal. Da laufe ich auf und ab und wiederhole das solange bis ich mich gut fühle.
Was machst du wenn du zu Hause bist?
Ich habe eine eigene Kleider Firma, Hatewear, die läuft ganz gut. Ich habe eine paar kleine Läden, die ich dann beaufsichtige. Das nimmt dann jeweils meine ganze Zeit in Anspruch. Dann versuche ich sonst noch alles nachzuholen, wozu ich keine Zeit hatte und mit meiner Familie will ich dann auch noch Zeit verbringen. Ich reise auch sehr gerne. Weißt du auf Tour habe ich jeweils keine Zeit mir die Orte anzuschauen. Museen besuche ich auch gerne oder gehe zu Vorlesungen. Die Leute denken immer, ich könne machen was ich will und z.B. ins Museum gehen wann immer ich Lust habe. Das ist allerdings nicht der Fall. Ich war zum Beispiel 10-mal in den letzten 5 Jahren in Paris, aber ich habe noch nie den Eiffel Turm gesehen, weil ich einfach keine Zeit dazu hatte. Das muss ich alles in meiner Freizeit nach der Tour erledigen.
Ihr seid Ja für euren extremen Moshpit bekannt. Was denkst du über Violet Dancing und Moshpit?
Ich denke es ist gut, dass die Fans ihre Aggression auf eine positive Weise abbauen können. Die fühlen sich nach der Show gut und gereinigt. Es ist besser sich so auszulaugen als Drogen zu nehmen oder aus Frust irgendein Verbrechen zu begehen. In der Metal Szene gibt es viele die kommen und einfach den Frust abbauen wollen.
Siehst du Unterschiede zwischen den Fans in den verschiedenen Ländern was den Mosh Pit betrifft oder haben die alle auf die gleiche Weise einen an der Waffel?
Allzu grosse Unterschiede gibt es da wohl nicht. Man kann es eher so beschreiben, dass z.B. in Skandinavien die Stimmung eher partymässig ist, die sind weniger aggressiv. Wenn wir dann im Vergleich in einer wirklich „harten“ Stadt spielen, wie z.B. in Detroit, Mexico City oder New York City; die sind dort wirklich hart drauf, das ist Horror pur! Die sind dann schon einiges aggressiver, das ist toll für mich zum Zuschauen und eine gute Show abzuliefern, im Moshpit stehen möchte ich bei denen jedoch nicht!

Und was ist mit dem Schweizer Publikum?
Ihr Schweizer seid toll! Wir hatten hier ein paar unserer besten Konzerte, als wir das eine Mal mit Korn und das andere Mal mit Sepultura hier waren. Wir haben gestern darüber gesprochen, nicht nur Zürich ist toll, an Biel und Genf haben wir auch ganz gute Erinnerungen. Wie die alle hiessen weiss ich gar nicht mehr, wir waren schon an ein paar Orten in der Schweiz und die Shows waren immer gut. Wir Freuen uns auf heute Abend!
Wisst ihr in etwa wie viele Verletzte es an euren Konzerten jeweils gibt?
Nein nicht genau, es ist mal einer gestorben an einem unserer Konzerte. Das war natürlich tragisch. Aber wie viele sich da verletzen weiss ich nicht.
Mit eurem neuen Album Hatebreed habt ihr einen Schritt in eine andere Richtung gemacht. Ich mag die Veränderung, was sagst du über euer neustes Werk?
Danke dir. Ich mag es auch! Ich bin das Album jetzt erst richtig am hören seit wir die CD auf den Markt brachten. Es hält mich immer noch oben und macht mir Spass. Die Songs kommen Live gut an, das Publikum kennt die Texte, das macht natürlich Freude!
Was ist die Meinung eurer Hard Core Fans? Ich habe einige kritische Reviews gelesen…
Nein, nein, die sind damit sehr zufrieden, wirklich! Wir hatten letztes Jahr ein paar Shows in Amerika, die waren grösser als alle andern bisher! Ich denke das ist doch ein gutes Zeichen. Gestern haben wir in Saarbrücken gespielt. Normalerweise spielen wir so zwei bis drei neue Songs, gestern haben wir fünf neue Songs gespielt und das Publikum kannte den Text und hat lautstark mitgesungen. Das ist doch ein gutes Zeichen!
Interessieren dich die Kritiken überhaupt oder ziehst du einfach dein Ding durch?
Naja, ich lasse mich schon nicht allzu sehr davon beeinflussen. Die Positiven Reaktionen sauge ich natürlich auf und erfreue mich daran. Auf die Negativen…hmmm… ich vergleiche das mit Essen; wenn jemand etwas nicht mag was ich zubereite und es ihn nicht füllt, ist das nicht mein Problem, wenn er anschiessend nicht satt ist. Er mochte es dann halt nicht. (lacht)

Wie sind die Members ins Songwriting involviert?
Das sind schon seit Jahren Chris und ich, die hauptsächlich an den Songs arbeiten. Vor allem bei dem Supremacy war das so. Bei dem Album Hatebreed haben wir uns mehr mit den anderen Bandmitglieder zusammengesetzt, damit sie ihren musikalischen Einfluss einbringen konnten. Aber das meiste machen schon Chris und ich.
Welches ist dein Lieblings Hatebreed Song? Auf Cd und Live auf der Bühne?
Das wechselt andauernd. Im Moment ist es wohl Live Merciless Tide oder Hand Of A Dying Man. Bei denen macht das Publikum eben auch geil mit. Aber das ist schwer zum sagen. In den Staaten sind im Vergleich zu hier andere Song populär und am meisten Spass machen die Songs bei denen Das Publikum mit macht.
Wie würdest du die Hatebreed Live Show beschreiben?
Viel Energie, wuchtig, gute schlechte Gefühle, wenn du verstehst was ich meine. Krieg auf der Bühne.
Was erwartest du von heute Abend?
(lacht) Wir teilen uns ja den Nightliner mit den Jungs von Bleeding Through. Da wir uns wirklich auf heute Abend freuen, haben wir mit den Jungs abgemacht, dass wir etwas früher auf die Bühne gehen, damit wir etwas länger spielen können. Sag das aber ja nicht den Jungs von Machine Head!
Ich schweige wie ein Grab, versprochen!
Wir tun das für unsere Schweizer Fans! Wir wollen zwei Songs mehr spielen, also fünf, sechs Minuten länger als sonst.
Versprochen!
Nun noch ein paar persönliche Fragen:
Was war dein letztes gekauftes Album?
Mein eben gekauftes Album war von Alice in Chains. Was die da vollbrachten ist unglaublich! Die haben etwas geschafft, was eigentlich gar nicht zu schaffen war. Sie haben jemanden ersetzt, der nicht zu ersetzen war ( Sänger Layne Staley († 5. April 2002)) und lassen einem beim hören das Gefühl geben, es hätte sich nichts verändert. Das ist unglaublich.
Ich hatte mit Tomi Joutsen von Amorphis ein Interview, der hat mir damals dieselbe Antwort auf diese Frage gegeben.
Wirklich? Cool ich mag Amorphis, finde ich toll, dass er derselben Meinung ist.
Was sind deine Lieblings Bands?
Das wechselt auch ständig. Im Moment sind es Bands wie Kreator, Celtic Frost…
Was macht dich glücklich?
Auf dieser Tour bin ich froh wenn ich vor der Show eine Garderobe kriege, Catering, schnelles Internet damit ich mich via Skype mit meiner Familie unterhalten kann. Das tut uns allen gut, wenn wir das haben. Das ist ein guter Ausgleich zwischen Leben und Tourleben.

Was macht dich wütend?
Der ganze „hinter den Kulissen Bullshit“ vor allem wenn ich von anderen Bands enttäuscht werde, das nervt mich brutal. Oder wenn ich machen muss was der Headliner sagt, das ist scheisse.
Erzählst du mir etwas über dein Frühstück? Milch, Tee, Kaffee oder Bier Whisky und Pizza?
(lacht) auf dieser Tour ist es nur Wasser. Manchmal ein paar Eier und Gatorade. Machine Head geben uns jeweils Frühstück, das ist nett. Da gibt’s auch mal ein Ei.
Möchtest du mir noch etwas mitteilen, das ich vergessen habe zu fragen?
Wir haben jetzt auch eine Facebook Seite! Eine Twitter Seite! MySpace! Alles unter /hatebreed.com! www.hatebreedstore.com, www.jameyjasta.com, ich bin auch auf Twitter! Wir haben bis jetzt drei Alben und eine DVD herausgebracht, welche sich gut verkauften und sind jetzt mit der neuen Cd unterwegs. Ende Jahr sollte ein neues Album kommen. Wir haben damals 2002 und 2003 jeweils ein Album gemacht und wollen das wieder so tun. Also 2009 und dann gleich 2010 nochmals eins. Ich glaube das war alles.
Sonst noch irgendwelche Schlussworte?
Danke allen Fans, speziell denen hier in der Schweiz und dann danke ich dir natürlich für dieses Interview.
(Interview by Denise)
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