THE BEAUTY OF GEMINA
"Ich denke, tBoG macht eine sehr visuelle Musik..."
(Interview mit Michael, September 2008)

Anlässlich
der Veröffentlichung ihres zweiten Albums hatten The Beauty Of Gemina (tBoG) am
27.09.2008 Freunde, Mitwirkende und Presse ins X-Tra eingeladen zur Release
Party. Das Podium war stimmungsvoll dekoriert mit vielen Kerzenständern, die
Besucher wurden mit leckerer Bowle versorgt, und das Wichtigste: Es gab „A
Stranger To Tears“ in voller Länge zu hören (siehe CD Review).
Mastermind Michael Sele erzählte zu den einzelnen Songs, wie bzw. warum sie
entstanden sind oder was sie für die Band bedeuten. Zum Schluss und als
visuellen Höhepunkt zeigten tBoG ihren brandneuen Videoclip zur ersten Single
„This Time“. Später traf ich Michael Sele zum Interview:
Hallo
Michael, stelle bitte unseren Lesern, die The Beauty Of Gemina nicht kennen, die
Band kurz vor.
Ich
bin Michael Sele, Sänger und Gitarrist von The Beauty Of Gemina. Wir waren
ursprünglich zu Dritt mit Mac Vincens am Schlagzeug und Martin Luzio am Bass.
Dann hatten wir live Dennis Mungo als Gitarrist auf Tour dabei, und jetzt mit
dem neuen Album ist er fester Bestandteil der Band geworden. Wir haben vor 1,5
Jahren unser Debut-Album „Diary Of A Lost“ auf den Markt gebracht und mit
einem ersten Konzert im X-Tra in Zürich verbunden. Es folgten Shows im Ausland,
v.a. in England haben wir schnell einen guten Nährboden gefunden und den Nerv
der Leute getroffen. Wir wurden eingeladen, ein Konzert in London zu geben, das
sehr erfolgreich war. Anschliessend haben wir eine Tour in Deutschland gemacht,
und es folgte ein Konzert im Hallenstadion als Vorband von The Smashing Pumpkins.
Parallel dazu habe ich bereits am neuen Album gearbeitet.
Wie
arbeitet Ihr als Band zusammen?
Grundsätzlich
ist es ein ganzes Team, das mit uns zusammenarbeitet. Ich bin der Songwriter,
habe ein eigenes Tonstudio und produziere die ganze Musik. Natürlich sind die
anderen Musiker während dem Entstehungsprozess dabei und bringen ihre eigenen
Ideen ein. Aber tBoG ist keine Band, die jede Woche probt, zusammen spielt und
dabei die Songs schreibt. Wir haben von Anfang an einen anderen Weg
eingeschlagen. Da wir sozusagen ein Autorenprojekt sind, machen wir die ganze
Promotion selbst, bestimmen, mit wem wir zusammmen arbeiten und haben die Fäden
sehr stark selber in der Hand. Wir schaffen natürlich mit Agenturen zusammen
und mit dem Vertrieb. Wir arbeiten auch sehr eng mit Markus Meier, unserem
Manager, und entwickeln unsere Strategien gemeinsam. Da sind die anderen
Bandmitglieder dann weniger involviert, sie sind aber natürlich live ein sehr
wichtiger Faktor.
Eure
Musik vereint verschiedene Stilrichtungen und beinhaltet Elemente aus Electro,
Wave, Industrial und Rock. Hast Du Dich bewusst dazu entschieden oder hat sich
das einfach so ergeben? Was beeinfusst Dich beim Songwriting?
Dadurch,
dass ich die Fäden in der Hand habe, bringe ich die Elemente in die Musik ein,
die mir persönlich auch gefallen und von denen ich glaube, dass ich sie für
die Songs brauche. Da gehe ich relativ konsequent vor und versuche, das ohne
Kompromisse umzusetzen. Das hat zu Beginn etwas irritiert und teilweise auch
polarisiert bei den Leuten, „das kann man doch eigentlich so nicht machen“.
Und jetzt merke ich aber, dass sich das durchgesetzt hat, dass man die
Schubladen nicht mehr sucht, sondern dass es nun heisst, das ist der Sound von
The Beauty Of Gemina. Ich bin ursprünglich Gitarrist, schaffe aber sehr gerne
mit Samplers, Keyboards und Computer, und das ergibt dann diese Mischung aus
Electro bis rein ins Industrial, bis hin zur Rock- und Wavegitarre. Und
schliesslich die Stimme, die alles verbindet. Das ist unser Rezept!
Welchen
Herausforderungen musstet Ihr Euch stellen seit der Bandgründung? Wie habt Ihr
sie bewerkstelligt?
Wir haben damals mit dem allerersten Livekonzert im X-Tra einen Club gewählt, der aufgrund seiner Grösse für einen Start relativ gewagt ist. Wir hatten auf Risiko gemacht, denn wenn es dort nicht funktioniert hätte, wäre es sicher schwierig gewesen, einen anderen Club zu motivieren, uns zu buchen. Das Risiko hat sich jedoch ausbezahlt. Wir mussten aber auch mit den Anforderungen, die ein Club hat, in dem an sich professionelle Bands spielen, fertig werden. Die haben schliesslich auch Erwartungen. Und auch die Show im Hallenstadion war eine grosse Herausforderung für uns. Das ist eine Maschinerie, die da läuft! Allein was da schon im Vorfeld läuft, wie viele Verträge gemacht werden müssen, welche Bedingungen gestellt werden und welche Erwartungen es gibt. An solchen Sachen wächst man natürlich auch enorm. Aber ich denke, wir haben uns in relativ kurzer Zeit einen guten Status erarbeiten können.

Seit
Ende April 2008 ist Eure DVD „Picturs Of A Lost“ erhältlich, die neben
Live-Aufnahmen des Konzerts im Eisen-Bergwerk in Sargans (CH) auch viel
Hintergrundmaterial wie ein exklusives Interview, Backstageaufnahmen, Videoclips
und Bildergalerien enthält. Muss man als Band heutzutage eine DVD veröffentlichen,
um die Fans „am Ball zu halten“, oder warum habt Ihr diese DVD gemacht?
Ja
das ist eine gute Frage! Heutzutage ist natürlich der visuelle Aspekt sehr
wichtig. Das Internet ist eine unheimlich spannende Plattform, wo man nicht nur
den Sound, sondern auch das Bild dazu präsentieren kann. Ich denke, tBoG macht
eine sehr visuelle Musik, und da war es naheliegend, das auch mit Bildern zu
untermauern. Für uns war es zudem ein Abschluss der „Diary Of A Lost“ Zeit.
Da wir nicht sooo viele Konzerte gespielt haben, wollten wir den Fans, die uns
noch nie live geshen haben, eine Möglichkeit bieten, zu sehen, wie es auf der Bühne,
aber auch hinter den Kulissen bei uns abläuft.
Du
hast eben erwähnt, dass Ihr nicht sehr viele Konzerte gespielt habt. Ihr wart
letztes Jahr aber u.a. auf Tour mit ASP und habt am WGT 2008 in einer vollen
Moritzbastei das Publikum begeistert. The Beauty Of Gemina kommen live gut an!
Warum macht Ihr Euch trotzdem auf der Bühne etwas rar?
Das
war für uns wie eine Grundsatzentscheidung. Da komme ich wieder auf das Konzert
im X-Tra in Zürich zurück. Entweder man versucht, mehrere kleine Konzerte zu
machen, oder man macht ein Grosses und versucht, das Publikum für das Grosse zu
motivieren. Wenn man das so erfolgreich gemacht hat wie wir, ist es danach auf
persönlicher Ebene schwierig, wieder in einen ganz kleinen Club zu gehen.
Anfragen haben wir sehr viel, aber die Produktion, die wir machen, kostet
relativ viel, ist sehr aufwändig und wir benötigen eine gewisse Infrastruktur.
Wenn man dann die Unterstützung eines grösseren Clubs hat, der das Risiko trägt
für eine Band, die nicht wer weiss wie bekannt und in den Hitparaden ist, muss
man die Chance nutzen. In Deutschland haben wir ein ähnliches Konzept: lieber
weniger, dafür exklusivere Shows zu machen. Wir werden aber in Zukunft den
Live-Bereich forcieren, z.B. nächstes Jahr mit Festivals und Club-Konzerten.
Mit zwei CDs ist das auch etwas einfacher, weil man mehr Material hat.
Ende
August (Schweiz) bzw. Ende September (Deutschland) erscheint Euer zweites Album
„A Stranger to Tears”. Gibt es Unterschiede /
Weiterentwicklungen zum Debut-Album „Diary Of A Lost“?
Es wäre natürlich interessant, Deine Meinung zu hören, wenn Du beide Alben miteinander vergleichst (Anm. der Redaktion: siehe CD Reviews). Aus meiner Sicht ist es natürlich eine Weiterentwicklung, obwohl ich mir bewusst war, dass ich mir treu bleiben will. Also nicht etwas ganz Neues zu machen, sondern den Weg weiterzugehen, ohne mich selbst zu kopieren oder mich zu wiederholen. Durch den Erfolg des ersten Albums ist nun auch das Selbstvertrauen gross, bei der Art des Songwritings zu bleiben. Beim neuen Album ist die Mischung der verschiedenen Stile etwas ausgeprägter als beim ersten, wo ist noch etwas vorsichtiger war.

In
welchen Ländern, nebst Schweiz, Deutschland und England, kennt man The Beauty
Of Gemina bereits, und wo möchtet Ihr gerne den Durchbruch schaffen?
Du
hattest vorhin das WGT erwähnt. Das ist ja ein unheimlich grosses Treffen von
Leuten aus aller Welt. Wir haben nach dem Konzert gemerkt, dass Leute aus Polen,
England und sogar Amerika da waren, die ganz bewusst in die Moritzbastei
gekommen sind, um uns zu sehen. Sie haben die Songs gekannt, z.B. über MySpace,
iTunes und all die Online-Plattformen. In Holland haben wir auch schon ein
Festival gespielt, und wir haben wiederum aus England eine grosse Nachfrage und
werden Ende Oktober dort auf einem Festival spielen. DJs aus London fragen an,
die eine Release Party machen wollen, aus Südafrika sind wir kontaktiert
worden, sogar aus Japan. Das zeigt
mir, dass unsere Musik international ein Publikum findet und das streben wir natürlich
auch an! Ob wir dann auch mal live in all diesen Ländern spielen werden, ist
jetzt noch kein Thema. Aber man kennt uns und weiss, dass wir aus der Schweiz
kommen. Gerade in England spielt es überhaupt keine Rolle, woher eine Band
kommt. In Deutschland dagegen habe ich eher Vorbehalten gegen Bands aus der
Schweiz gemerkt, hoffe aber natürlich, dass wir dort den Status eines
Geheimtipps mit „A Stranger To Tears“ verlieren.
Ich
höre aus Deinen Antworten heraus, dass das Internet ein wichtiges Medium für
Euch ist. Was wäre Deiner Ansicht nach mit tBoG passiert, wenn es kein Internet
gäbe?
Dann
wäre es wohl nicht möglich gewesen, dass man
in so kurzer Zeit in so vielen verschiedenen Ländern wahrgenommen wird.
Unmöglich! Das Internet ist somit sehr wertvoll für uns, obwohl die Konkurrenz
dort riesig ist. Auch die Qualitätsunterschiede sind im Internet weniger auffällig
als damals v.a. bei den Schallplatten oder bei den CDs. Da können jetzt Bands
mit sehr wenig Aufwand ihre Songs produzieren und ins Internet stellen. Wir
legen auch sehr viel Wert darauf, via Internet Kontakte zu DJs zu knüpfen.
Radio ist unheimlich schwierig geworden, und für Magazine ist die Schweiz eh
ein schwieriger Markt.
Glaubst
Du, dass trotzdem die etablierten Printmagazine wie Gothic, Zillo usw. noch mehr
Gewicht haben als das Internet?
Nun,
die Magazine müssen sich ja irgendwie finanzieren, da arbeiten schliesslich
viele Leute. Bands, die mehr Inserate in Auftrag gegen, bekommen logischerweise
auch mehr Raum. Das ist im Internet bei Online-Magazinen wohl anders, da
herrscht nicht so dieser Druck. Bei den Printmedien heisst es oft, „wir
schreiben gerne über Euch, aber..:“ – und dann kommen die Auflagen. Man
muss dann Inserate schalten, Beilagen machen oder sowas. Da ist es eben immer
ein Geben und Nehmen.
Man
hört immer wieder von Künstlern, die behaupten, Ihnen sei es egal, was die
Medien über sie schreiben. Sie machen einfach Ihr Ding und finden es die
Hauptsache, den Fans gefällt die Mucke. Wie siehst Du das?
Ich
denke, beides spielt eine Rolle. Man kann es nicht jedem Recht machen.
Einerseits muss man den Mut haben, zu akzeptieren, dass Leute sagen, das ist überhaupt
nicht mein Ding. Die Fans sind enorm wichtig, denn sie reagieren oft sehr
emotional und aus dem Herz heraus. Dort spürt man, ob sie die Musik wirklich
berührt oder bei Ihnen etwas auslöst. Sie verbinden Songs oft mit einem
bestimmten Erlebnis oder einer Erfahrung. Es berührt mich sehr, wenn mir ein
Fan so etwas erzählt. Journalisten und Medien haben einen anderen Ansatz, wie
sie an die Musik herangehen. Kritik tut einem weh, aber wenn ich merke, jemand
der sich mit unserer Musik auseinander gesetzt hat, kritisiert uns, dann kann
ich das akzeptieren. Aber wenn ich merke, jemand hat unsere Musik gar nicht
richtig angehört und nur ein wenig reingezappt, und gibt dann ein Urteil ab,
dann tut es weh. In solchen Fällen muss man lernen, das möglichst nicht zu
ernst zu nehmen. Bis jetzt wurden wir relativ verschont, aber das gibt es halt
manchmal, dass eine Person eine CD zur Review bekommt, die mit solcher Musik
nichts am Hut hat. Das ist wie mit der Lotterie, ein wenig Glück gehört auch
dazu. Wieweit sich der Konsument beeinflussen lässt von einer Kritik, bin ich
überfragt. Ich kann mir aber vorstellen, dass Leute sich schon beeinflussen
lassen, wenn sie etwas lesen, das ein Kultjournalist oder Musikredaktor, der
sich über die Jahre einen Namen gemacht hat, geschrieben hat. Für uns ist das
diesbezüglich jetzt eine spannende Zeit, da die neue CD gerade erscheint. Man
investiert ja sehr viel in so ein Album, da ist das schon auch nervenaufreibend.

Release-Party der neuen
tbog-CD
Welche
Musik hörst Du privat?
Mein
Musikgeschmack ist sehr breit. Das kommt schon von meiner Ausbildung her, ich
habe Gitarre und Klavier gelernt, Gesang gemacht und habe einen Chor geleitet früher.
Ich habe mich auch mit viel klassischer Musik befasst. Es gibt wenig Musikstile,
die ich besonders gerne höre, bin da sehr offen. Gewisse Bereiche wie Schlager
sagen mir allerdings nichts. Ich versuche auch, an Konzerte zu gehen, aber während
der Produktionsphasen unserer CDs höre ich sehr wenig andere Musik, da bin ich
sehr fokussiert. Es ist aber wichig für Musiker, dass man offene Ohren hat für
anderes, das kann auch Worldmusik oder Jazz sein.
Wie
geht’s weiter tBoG? Was sind Eure Pläne, nächsten Konzerte etc.?
Am
29. August 2008 kommt „A Stranger To Tears“ in der Schweiz in den Handel, in
Deutschland etwas verzögert am 26. September. In der Zwischenzeit finden viele
Release-Parties statt, z.B. in Basel und München. Dann ist das Konzert am 27.
September im X-Tra in Zürich – für uns eine wichtige und grosse Sache, von
der wir hoffen, dass wieder viele Leute kommen! Schlieslich Ende Oktober die
Festivals in England. In Deutschland sind 2 Konzerte geplant, aber das ist noch
nicht konkret. Das sind mal die ersten Schritte. Was ich gelernt habe aus der
Erfahrung des letzten Jahres ist, dass sehr schnell sehr grosse Sachen passieren
können
Vielen Dank für das ausführliche Interview und viel Erfolg mit der neuen CD „A Stranger to Tears”!
(Interview by Kassandra)
Uebrigens.. unser Review zu A STRANGER TO TEARS findet Ihr hier!