SEPULTURA
"...es ist kalt aber macht Spass!"
(Interview mit Andreas Kisser, März 2009)

Der Tourmanager
von SEPULTURA sagte mir am Telefon, mein Interviewtermin sei um 19:16 Uhr. (man
beachte die Zeitangabe!) Sogleich kam in mir die Frage auf: ein Brasilianer der
pünktlich ist?
Ich habe schon
einige getroffen und wenn ich etwas weiss, dann ist es Brasilianer sind nie pünktlich!
Sollte der der Erste sei, welcher mich eines besseren belehrt? Nein! Brasilianer
sind nie pünktlich! Um 19:40 Uhr hat dann jemand die halberfrorene Denise
abgeholt und zu Andreas zum Interview gebracht. Ich stand zähneklappernd vor
ihm, er schaute mich mit einem Blick des Mitleides an, begrüsste mich und ich
begann mein Interview mit den Worten:
Ich friere mir
hier ja schon den Arsch ab und wäre nun wirklich lieber in Brasilien! Ist es
dir hier nicht viel zu kalt?
Andreas:
(lacht) Ja definitiv! In Brasilien ist es jetzt sehr heiss.
Wie war die
Tour bis jetzt?
Die Tour läuft
sehr gut. Wir spielen viel vom neuen Album aber auch viel Altes. Wir haben
versucht, eine gute Mischung aus verschiedenen Zeiten von SEPULTURA in der
Setlist zu verpacken. So findet jeder Fan etwas was ihm am Besten gefällt. Wir
schauen auch während den Konzerten, welche Songs gut ankommen. Die Resonanz
aufs neue Album ist auch gut, viele Leute kennen die Lyrics und singen auch bei
den neuen Liedern mit. Das zeigt uns, dass sie auch wirklich zuhören, wenn wir
etwas Neues auf den Markt bringen.
Wie fühlt ihr
euch, wenn ihr ausserhalb von Brasilien auf Tour sind? Gibt es da, abgesehen von
der Kälte, grosse Unterschiede?
Also die Kälte
ist ganz sicher der grösste Unterschied! (lacht) In Brasilien kennt man diese Kälte
nicht und es ist dort natürlich schon am schönsten aufzutreten. Wir sind dort
zu Hause, unsere Familien und Freunde sind alle dort. Die Chance zu haben, dass
man auf der ganzen Welt auftreten und spielen darf ist natürlich genial, man
hat ja überall den Kontakt mit den Fans und es macht uns überall Spass.
(lacht) wir waren ja auch schon wirklich überall! Von Indonesien zu den
Philippinen nach Indien. Wir waren in Kuba… Wir waren überall und es macht
wirklich Spass, all das zu erleben.
Wie ist das
indische Publikum?
(grosses Gelächter
im Backstage Raum…)
Huuu, die sind lustig! Sie sind Metal Fans, sie kennen die Musik, sie kennen unsere Geschichte, tragen SEPULTURA Shirts… Sie haben sich einfach unglaublich unter Kontrolle. Sie haben sogar das Nicken unter Kontrolle!

Es gibt in
Brasilien eine Menge guter Bands, aber keine hat ausserhalb von Südamerika
einen so grossen Erfolg wie ihr es habt. Seit ihr darauf stolz oder denkt ihr
eher, dass es Schade ist für die Anderen?
Hmmm…nein…Als
SEPULTURA starteten, 1984/1985 war das in Brasilien der Anfang des politischen
Wechsels. Seit da wurde einiges geändert und es wurde leichter, etwas nach
aussen zu bringen. Nicht nur für Bands, auch für Filme…für die Kunst
allgemein. Es gibt schon noch andere Bands, welche nach uns kamen, die es
ausserhalb von Brasilien geschafft haben. Wir haben ihnen vielleicht geholfen,
den Weg zu ebnen, da wir die erste Band waren, welche mit dieser Art von Musik,
in Englisch, nach draussen kamen. Es war damals einfach etwas absolut neues was
SEPULTURA machte. Mittlerweile gibt es einige, am Wacken Open Air ist öfters
mal eine Band aus Brasilien dabei. Bei uns war halt einfach der Moment speziell
als wir raus kamen. Wir waren zur rechten Zeit am rechten Ort und hatten das Glück
einen Moment erwischt zu haben bei dem die Leute offen für etwas Neues waren.
Da konnten wir in sehr kurzer Zeit sehr viel erreichen. Ich denke wir hatten
auch Glück.
Wir konnten in
der Vergangenheit auf Myspace und Facebook sehr viel über das Making of
„A-Lex“ lesen. Es scheint, dass es euch sehr viel Spass machte dieses Album
zu produzieren.
Definitiv ja!
Es ist war uns auch ein spezieller Zeitpunkt. Nachdem Igor die Band verlassen
hat, nach den Aufnahmen zu „Dante XXI“, wussten wir nicht, ob und wie es
weiter geht. Jean kam zu uns und begleitete uns 2,5 Jahre lang auf Tour. Dabei
hat er sich sehr gut bei uns eingelebt und blieb. Wir waren dann wieder bereit,
etwas Neues aufzunehmen und das ging sehr schnell. Das Buch (Clockwork Orange)
und der Film sind sehr inspirierend und da jeder von uns die Geschichte kennt,
konnten wir viel darüber diskutieren. Jetzt sind wir hier, stellen das Album
vor und haben immer noch eine Menge Spass.
Wie ist der
Songwriting Prozess zu „A-Lex“ abgelaufen?
Mit viel Spass!
Jeder von uns hat das Buch gelesen und den Film mehrmals geschaut. Dann sind wir
zusammen gesessen und jeder hat seine Gedanken darüber mitgeteilt. Derrick und
ich haben noch etwas mehr darüber diskutiert, da wir die Texte schrieben und
uns die Namen für die Songs ausdenken mussten. Da alle von uns mit der
Geschichte von Alex vertraut waren, konnte sich jeder an verschiedene Stellen
des Buches erinnern und den richtigen Input liefern. Wir hatten wirklich sehr
viel Spass dabei und es macht Spass zu sehen, wie aus einem Konzept ein gutes
Ergebnis wird. Jeder ist darin involviert du hat seine Ideen eingebracht.
„Dante XXI“
war ein sehr vielseitiges Album. Wir beschreibst du „A-Lex“?
Es geht in die
ähnliche Richtung…Auch bei Dante gab es verschiedene Teile, welche
verschiedene Dantes präsentierten. Bei Clockwork Orange ist es das Selbe. Es
zeigt drei verschiedene Alex. Deshalb haben wir drei verschiedene Intros gewählt
und ein viertes Intro am Schluss. Der vierte Teil wird nur im Buch beschrieben
und wurde vom Film weggelassen. Es gibt viele Gemeinsamkeiten bei „Dante
XXI“ und „A-Lex“. Die beiden Bücher wurden von uns zu verschiedenen
Zeiten gelesen. Mit Clockwork Orange ist es jedoch einfacher die Leute zu
erreichen, da das Buch und die Geschichte moderner sind.
War es speziell
mit einem Symphonie Orchester zusammen zu arbeiten?
Ohhh ja,
definitiv! Es ist unglaublich wie der Sound klingt, wenn die Gitarren noch nicht
dabei sind. klassische Musik hat viel mit Metal gemeinsam! Die Intensität, die
vielen Wechsel… Das neunte Symphonie Orchester, das bald alle kennen werden,
haben es super geschafft, den richtigen Sound dazu zu bringen. Wir brauchten ein
Orchester um „A-Lex“ richtig und komplett darzustellen. Ich rief einen
Freund von mir, welcher als Musical Director in Brasilien arbeitet, an. Er ist
auch Metal Fan und er half uns das Orchester mit unserem Sound zusammen zu
bringen. Er hat die verschiedenen Abschnitte ausgesucht und verschiedene Gruppen
und Orchester mit unserer Band zusammen gebracht. Wir hatten 12 unterschiedliche
Parts, welche wir einstudierten und mit dem Orchester probten. Es gab viel
Arbeit aber das war eine tolle Erfahrung und ein guter Lernprozess für uns.
Welches ist
dein Favorit auf „A-Lex“?
Das ist noch
schwer zu sagen. Ich mag „We’ve Lost You“ sehr, „Filthy Rot“ und den
Beethoven Song gefallen mir auch ganz gut. Jeder einzelne Song ist auf seine
Weise speziell, da er auch für einen bestimmten Part der Geschichte steht.
Ich denke
mittlerweile habt ihr auch gehört, dass eine deutsche Punkrock Band das Selbe
gemacht haben. Habt ihr etwas von diesem Album gehört oder interessiert euch so
was nicht?
Ich habe es gehört!
Ich habe auf dieser Tour eine Cd bekommen. (und sagt perfekt) von den Toten
Hosen. Das Album gefällt mir. Ich habe angefangen es zu hören aber weißt du,
mein Deutsch ist wirklich schlecht und ich verstehe leider die Texte nicht. Ich
würde gerne verstehen wie sie es umgesetzt haben. Aber die Musik ist gut, von
1988 glaube ich.
Wird das nächste
Album wieder ein Konzeptalbum sein oder macht ihr das nächste Mal ganz etwas
anderes?
Wer weiss…wir
wissen es nicht. Wir haben keinen Plan was das neue Album betrifft. Wir haben
erst gerade diese Cd fertig gestellt und sind nun erst mal auf Tour um die Songs
live zu spielen. Da sammeln wir Ideen welche wir dann später zusammentragen. Es
kann wieder ein Buch sein oder ganz etwas anderes, das wird sich zeigen, wenn
wir über unsere Ideen sprechen werden.
Ist es nicht
schwierig nach 25 Jahren immer noch neue Ideen zu finden?
Ja, aber das
ist auch das Schöne daran. Es ist eine Herausforderung. Man kann nie alles
wissen. Wir finden immer wieder etwas neues was wir verarbeiten können. Das ist
besonders in der Musik etwas Aufregendes. Es bietet einem immer wieder neue Möglichkeiten.
Wir geniessen was wir tun und schauen, was dabei rauskommt.
Ich habe einen
TV Spot von euch für einen VW gesehen. Das war eine merkwürdige Erfahrung!
(Nachzuschauen
unter http://www.youtube.com/watch?v=Avnjqwhw6_0
)
(lacht) Der
Werbespot hat wirklich Spass gemacht! Es war eine nationale Kampagne in
Brasilien. VW wollte mit dem Spot für einen Wagen werben, der unerwartetes
bietet. Da haben wir mit dem Unerwarteten gut dazugepasst. Sie kamen mit dieser
Idee zu uns und wir fanden das witzig. Die Kampagne war ein Erfolg.
Wie beschreibst
du die SEPULTURA Live Show?
Sehr intensiv,
sehr energiegeladen. Wir präsentieren Songs quer durch unsere eigene Geschichte
und wir geniessen es! Es ist laut! (lacht)
Irgendwelche
Schlussworte?
Danke dass wir hier in der Schweiz sein dürfen, es ist kalt aber macht Spass. Wir sind generell gerne in Europa, hört euch das neue Album an, wir sehen uns da draussen.

(Interview by Denise)