SCHANDMAUL
"Das ist McDonalds"
(Interview mit Thomas Lindner, April 2006)

Freut
ihr euch mal wieder zuhause in Muenchen zu spielen?
Ah
ja klar, Muenchen ist einfach etwas besonders, eben Heimatstadt mehr oder
weniger, zumindest von der Band und hier hat schließlich alles angefangen. Hier
waren die ersten Fans, und hier hat man sich hochgespielt vom kleinen Club bis
ins Zenit, das macht einen auch stolz.
Was
war den eurer Meinung nach die beste Show?
Ach
da gibt’s unterschiedliche, das wohl beeindruckenste war im Zirkus Krone mit
dem Orchester Projekt, weil es war einfach was total anderes. Das Publikum, das
ist immer relativ, ja klar machen die, wenn du vor 3000 Leuten spielst mehr
Krach als 400 Leute, aber die 400 Leute koennen genauso ausrasten, es ist halt
ein bisschen weniger. Was auch beeindrucken war, war Mera Luna vor 20000 Leuten,
das ist mal noch mal was anderes. Ich kann es nicht genau sagen, da sind so
viele schoene Sachen passiert.
Wie
steht’s mit Mittelaltermaerkten?
Wir
haben noch nie auf einem Mittelaltermarkt gespielt, wir machen auch keine
Mittelaltermusik in dem Sinne, dass wir irgendwie altes Text- oder Notenmaterial
nehmen und das irgendwie neu verwursten, da gibt’s andere Bands die das so
machen. Wir haben schon immer Folkrock gemacht, in die wir mittelalterliche
Klangfarben mit einbauen, eben Drehleier, Dudelsack und das ganze Gedoens, und
Mittelaltermaerkte, da waren wir nicht weil wir hatten von Anfang an mit
verzerrter E-Gitarre und Schlagzeug gespielt und aufm Mittelaltermarkt gibt’s
sozusagen keine Steckdosen. Von daher war das nicht unser Metier.
Worauf
achtet ihr bei dem Schema der Setlist?
Das
Schema hat man sich im Laufe vieler Konzerte einfach erarbeitet. Was klappt und
was klappt nicht, und so versucht man vom Aufbau her am Anfang wenn die Leute
reinkommen, dass man erstmal warm wird. So macht man am Anfang erstmal ein zwei
altbekannte Lieder, dass die Leute wissen, so, das ist Schandmaul, so geht das,
dann stellt man n bisschen neues Zeug vor, dann kommt vielleicht ein ruhiger
Block, und am Ende spielt man alte Knaller. Party, damit die Leute im besten
Falle im Schweisse ihres Angesichts gluecklich nach Hause gehen. Und da gibt’s
einfach Songs, da weiss man, der muss dahin weil der dort einfach am meisten
Sinn macht.
Wie
kamt ihr auf den Namen des neuen Albums „Mit Leib und Seele“?
Der
Name ist Programm. Wir haben wie auch bei „Pech
und Schwefel“ einfach als Ueberschrift das Gefuehl beschrieben, dass wir
in den ein, zwei Jahren davon auf Tour und innerhalb der Band hatten. Wie sie
zusammen gewachsen ist. Genauso ist auch „Mit
Leib und Seele“ entstanden. Wir sind zum ersten Mal zu sechst weggefahren,
wir haben wochenlang jeden Tag nur Musik gemacht, und jeder steckt zum gleiche
Teil in der Sache, jeder hat sein Gewuerz mit eingebracht, einfach mit Leib und
Seele, und eben auch dieses Sechsergefuehl. Bei den Platten zuvor war es halt
so, wie man das halt gemacht hat. Erst kommt das Schlagzeug, man spielt das ein,
dann kommt der Bassist irgendwann. Diesmal haben zum Beispiel die Jungs Bass,
Gitarre, Schlagzeug haben gleichzeitig eingespielt, einfach um mehr Dynamik,
mehr Leben drin zu haben. Das alles haben wir nicht davor gross als Konzept
geplant, sonder…gefuehlt.
Wie
ist die Thematik der Texte?
Ja
im Grossen und Ganzen erzaehlen wir Geschichten einfach, wo jeder nur die
Geschichte hoeren kann, wenn er moechte, oder sich dazu Gedanken macht, was
koennte damit gemeint sein. Wir erzaehlen Geschichten, entweder ganz
maerchenhaft, platt irgendwie Prinzessin rennt in den Wald und sie erlebt
irgendwas, und kommt wieder nach Hause. Oder man beschreibt halt Gefuehle und
Erlebnisse. Aber es sind in sich immer kleine Geschichten die man aufnimmt, halt
Anfang, Finale etc und dann kommt die naechste Geschichte.
Was
haltet ihr von politisch-kritischen Texten?
Ja, muss es geben, ist aber, glaube ich, nicht so unser Bier. Ich meine man kann auch bei uns interpretieren, da kann man auch das eine oder andere politische Thema rauspfluecken, wenn man moechte, aber es wird einem nicht auf die Stirn gedrueckt, so das ist jetzt so. Also die 80ìger Jahre, wo die Deutschrocker da oben standen, und mit erhobenem Zeigefinger gesagt haben: “das ist jetzt sozialkritisch nicht gut“ die Zeiten sind vorbei. Wir sind keine Zeitung die man aufschlaegt und die aktuellen Sachen liest. Wir sind eher diejenigen, die ne Auszeit bieten vom aktuellen Geschehen. Man kriegt jeden Tag um die Ohren gehauen was hier ueberall in die Hose geht und bei uns kann man sich mal irgendwie zwei stunden entspannen und dann kann man sich diesen Problemen wieder widmen.

Wie
kam es zu der Idee ein Songbook zu veroeffentlichen?
Das
Volk schrie danach. Es kamen immer wieder Anfragen: „Hast mal die Akkorde von
dem und dem Lied“ oder „ Wie spielt man das auf der Floete, und haste da mal
Noten?“, und da haben wir gedacht, bevor wir da alle paar Tage irgendwelche
E-Mails durch die Gegend schippern, machen wir halt n Songbook, und da wird’s
auch bald ein Neues geben.
Warum
werden soviel Merchandise Produkte angeboten?
Ja,
man baut das so auf. Angefangen hat’s mit ner CD, dann kam n T-Shirt, und man
hat gemerkt es ist Interesse da, dass die Leute das haben wollen, und da sagen
die Leute eben mal „Ey es waere toll wenn ihr mal son Sticker haettet“ und
das hoerst du dir 200 mal an und 2 Jahre spaeter machst du halt mal einen. Und
so hat sich das aufgebauscht und aufgebaut und es ist ja auch schoen. Die
Haelfte, was da so angeboten wird, hab ich nicht an mir haengen. Ich hab keine
Patches und so, aber es gibt ja Leute die das einfach haben wollen und dann
macht’s ja auch Sinn wenn das da ist.
Die
Maedels geben Unterricht/ bzw. Workshops, inwiefern wird das von der Band
unterstuetzt, wie findet ihr es, dass sie anderen seltene, alte Instrumente
unterrichten?
Erstens
ist es sehr sinnvoll, weil die Instrumente sehr schoen sind. Die Instrumente
haben halt ne andere Klangfarbe. Ich meine ein Keyboard kennt man jetzt langsam
irgendwie. Es ist zwar uralt, aber irgendwie doch exotisch neu. Von daher macht
es Spass und es ist wichtig das es Menschen gibt, die sich damit beschaeftigen,
und die, die es halt halbwegs raus haben, dass die das dann auch weitergeben,
damit sich mehr Leute damit beschaeftigen. Also das finde ich sehr super und
dieser Kurs, klar das unterstuetzen wir vollkommen, wie auch der letzte Kurs
abends vorm Schandmaulkonzert vorbei kam und da noch irgendwie Rock’n’Roll
gemacht hat n Stuendchen und die Drehleier und Dudelsack Schueler da noch Party
gemacht haben.
Arbeitet
ihr noch neben bei oder koennt ihr von der Band leben?
Wir haben lange, lange nebenbei gearbeitet, und es war ziemlich hart. Also machst du so deinen 40 Stunden Job und bist jedes Wochenende unterwegs und machst Musik, auch fast jeden Abend ne Stunde im Proberaum, und irgendwann reicht der normale Urlaub auch nicht mehr aus, dann nimmst du unbezahlten Urlaub. Also der Arbeitsaufwand fuer die Band wurde immer mehr und Gott sein dank konnten wir im Jahre….also es ging poe a poe…also wir haben nicht alle gleichzeitig aufgehoert. Es war erst einer, der sich auch um die Organisationsbelange der Band gekuemmert hat und jetzt, seit Anfang letzten Jahres sind wir hauptsaechlich fuer die Band da. Also alle sind gut, die Anna und die Birgit studieren ihre Instrumente ja noch nebenbei. Die ziehen das Studium noch durch, aber so rein lebenstechnisch sind wir seit Anfang letzten Jahres von Schandmaul abhaengig.

Wird
es nicht langweilig, wenn sich das Leben hauptsaechlich um Musik dreht?
Nee,
auf gar keinen Fall, dass ist… gut es muss nicht jeder moegen, aber fuer mich
ist es das schoenste was es gibt.
Geht
es euch nicht irgendwann mal auf den Geist auf jedem Konzert dieses eine
bestimmte, gewuenschte Lied zu spielen?
Bis
jetzt Gott sei dank noch nicht, also wir spielen noch immer von der ersten
Platte Songs und es macht jedes Mal Spass sie live zu spielen. Gut, ich hoer mir
die CD privat nicht an, also auch die Neue nicht. Ich hab sie im Studio jetzt
bestimmt 800-mal gehoert, ich kann’s Rueckwaertspfeifen. Also ich brauch mir
das nicht anhoeren. Aber live spielen ist noch was anderes. Das macht Spass,
wenn es ne gute Nummer war, und die Nummer die wir verbrochen haben, die wir
nicht so toll finden, die spielen wir auch nicht. Da gibt’s ja auch ein paar.
Habt
ihr Kontakt zu anderen Bands in der Folkrock Szene?
Das passiert meistens ueber Festivals, da
laeuft man sich ja meistens schon fast ungewollt ueber den Weg, und da haben
sich auch schon viele Freundschaften gebildet, wie z.B.: die Jungs von In
Extremo oder Fiddlers Green und wie sie alle heissen. Man kennt sich in der
Brache einfach, man freut sich wenn man auf Festivals ist, man plaudert, man
tauscht sich aus, und da kommen halt auch so Kooperationen zustande wie
letztens, das der Saenger von In Extremo bei einem Lied mittraellert oder die
Jungs von Corvus Corax im Zirkus Krone mit dabei waren. Also man tauscht sich
auch ein bisschen aus, weil in der Szene in der wir uns bewegen denke ich mal...
da gibt’s andere, wo das Hauen, Stechen und Neiden groesser ist. Hier hat
jeder sein Eck gefunden, und niemand tut dem anderen was zuleide, sondern man
teilt sich das Publikum.
Hier
nun noch ein paar kurz Stichworte mit der Bitte um einen spontanen Kommentar...
Arschloch
Norwegen
Ein
sehr schoenes Land. Schweden war ich schon. Norwegen, da will ich auf jeden Fall
noch hin.
Okkultismus
Macht
Spass. Es ist interessant sich damit zu beschaeftigen, was es da alles gibt,
aber ich bin nicht so der Typ der das alles glaubt. Wissenschaftlich betrachtet
interessant.
Merkel
Sie
hat noch zu beweisen. Noch lange.
Urlaub
Schon
lange nicht mehr gehabt. Das geht ins Jahr 2002 zurueck.
Gummibaerchen
Ich steh ueberhaupt nicht auf Suesses und ich versteh nicht wie man so viel Zeug, was so suess schmeckt in sich hineinstopfen kann. ;-) aber jedem das Seine.„
Wer
im Leben Spuren hinterlassen will muss abseits der bekannten Wege gehen“
(Quelle
unbekannt)
Das ist wohl wahr. Ein schoenes Zitat. Nee kann ich nicht anders sagen. Wer immer nur mit dem Strom schwimmt, immer nur dem Mainstream dient, der ist auch im Gleichen verschwunden. Da schmeckt nichts, nach was Eigenem. Das ist McDonalds.
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