PINODE
"...und der Backstageraum war ein Sado/Maso-Raum..."
(Interview mit Michi, Alan, Serge und Roger, November 2009)

Hallo
würdet ihr euch zuerst bitte mal etwas vorstellen, die Band, wie ihr
zusammengefunden habt usw. denn so wirklich großartig bekannt seid ihr ja noch
nicht. Wenn ich mir die Location hier ansehe, denn die Olympia-Halle ist das
hier ja nun nicht…
Michi: Auf Grund der Location hast du natürlich recht…
Alan: Wann war das? Ich glaube 2002 wurde ich in die Band geholt, von zwei Kollegen. Die erste Platte kam dann auch ziemlich schnell. Das Debütalbum war noch mit Bass, Schlagzeug Altbesetzung, und zwei Jahre später wurde das zweite Album „Latterday“ mit neuem Lineup gemacht. 2004 und dazwischen gab’s noch diverse musikalische Projekte, z. B. akustische Sachen mit anderen Musikern zusammen. Das ist eine musikalische Gemeinschaft, bei der wir immer wieder bei experimentellen Sessions mitgewirkt haben. Das war eben nur in der Schweiz. Wir arbeiten ständig an neuen Songs und bis Ende dieses Jahres/ Neujahr sollen sie fertig eingespielt sein.
Wie lange macht ihr überhaupt schon Musik?
Michi: So um die 15 Jahre… mindestens, wenn nicht schon eher an die 20 Jahre!
Roger: Wir sind ja nun alle auch schon etwas älter und haben alle schon in anderen Bands gespielt, mit Schulprojekten und Blöckflöte…
Michi: Ganz klassisch eben!
Roger: … es können auch 20 bis 25 Jahre sein.

Habt ihr alle eure Instrumente gelernt, oder eher nicht?
Michi: Alle außer dem Sänger.
Keinen Unterricht gehabt?
Michi: Nur mal ein bisschen. Der Rest war eher so autodidaktisch.
Alan: Ich hab Schlagzeug gelernt und spiele jetzt Bass.
Michi: Ich hab nur etwas Unterricht gehabt, sonst lass ich mich von denen fördern hier!
Eure Musik klingt nun nicht gerade konventionell. Was ist euch wichtiger, gute Musik oder den Durchbruch zu schaffen?
Michi: Gute Musik!
Wer sind eure Idole?
Michi: PINODE
Roger: Ich denke wir haben keine Idole in dem Sinne. Es gibt sicher Bands, die uns inspirieren, oder Musiker mit einer gewissen Magic von denen wir sicher auch einiges mitnehmen.
Alan: Generell sind wir geprägt von den 80er Jahren, auch Pop aus den 80ern.
Michi: Ich bin ein Kind der80er, wie wir alle wohl, und die haben mich schon sehr geprägt, viel mehr als die 90er oder die neue Zeit jetzt. Das hat dann auch mal jemand raus gehört. Wenn man so was aber raus hört, wird man schnell in eine Schiene gedrückt. Grundsätzlich ist das auch okay… grundsätzlich! Aber es folgt dann eben auch immer ein großes Aber. Man muss ja irgendwo einen Ansatzpunkt haben, so nach dem Motto: wie hören die sich an, was machen die denn… usw. Aber wir wollen uns überhaupt nicht einschränken. Wir wollen nicht sagen, das ist unsere Musik. Nur in die Richtung werden wir gehen, sondern die Musik entsteht durch die Songs. Fertig Schluss. Da hört sich jeder Song eben etwas anders an. Der eine geht in die Richtung, der andere in eine andere. Da sind wir nicht drauf fokussiert, dass es nur in eine Richtung geht. Ich denke auch die Dynamik ist bei uns sehr wichtig, d. h. ich verbinde Dynamik auch mit Gefühlen. Wenn du das Kleinkind auf den Arm nimmst, dann ist das was ganz zerbrechliches, und wenn du dagegen den Amboss nimmst und dir damit was schmiedest dann ist das radikal Hardcore. Wir wollen uns einfach nicht einschränken.
Also kann jedes Album von euch ganz anders klingen, als noch das vorherige?
Michi: Ja, klar, ich denke das wird sogar so sein! Gerade wenn ich die neuen Sachen höre, wird es die eine oder andere Überraschung geben.
Und ihr habt keine Angst, dass ihr die Fans, die ihr habt „verprellt“? Oder denkt ihr, die gehen den Weg mit?
Michi: Was sind Fans? So lange sie mir nicht zu Hause die Bude stürmen, habe ich keine Fans. Dann habe ich Musikinteressierte oder Musikliebhaber, aber keine Fans. Sicher gibt es welche, die immer wieder kommen. Die meisten wachsen mit uns und unserer Musik mit.
Alan: Also, das erste Album, bei dem ich dabei war, war härter, aber auch kommerzieller. Das zweite Album war dann schon bisschen progressiver und das neue wird zwar nicht noch progressiver, aber es wird in eine andere Richtung gehen.
Michi: Ich denke, es ist auch die Abwechslung. Weißt du, die Sache mit den Fans… Wir sind ja nicht auf die Masse ausgerichtet und deshalb können wir uns auch erlauben so weiter zu arbeiten, wie wir es eigentlich wollen. Wenn es einer anhört und es ihm gefällt, wunderbar.
Roger: PINODE steht auch für authentisch sein. Jedes Album ist ein Zeitdokument. Und keiner von uns hört sich nur eine Sparte Musik an. Wir alle kommen aus anderen Richtungen und jeder bringt seine Inspiration mit rein. Ich denke, das macht PINODE auch aus. Man kann vorher nie sagen, es wird mehr in die eine oder in die andere Richtung gehen.
Lebt ihr von der Musik?
Michi: Ich hab ein Geschäft … also ich mach Musik und hab nebenbei ein Geschäft. (lacht) Ja, also ich bin selbständig, und weil wir eben nicht die Masse bedienen und nicht auf den kommerziellen Erfolg aus sind, sondern uns die gute Musik wichtiger ist, wie soll man dann davon leben können?
Roger: Ich verdiene mein Geld zwar mit Gitarre spielen, allerdings nicht bei PINODE.
Alan: Ich verdien mein Geld zwar auch mit der Musik, aber auch nicht mit PINODE.
Serge: Und ich bin Schreiner.
Wie werden so kleinere Touren bei kleineren Bands eigentlich organisiert? Wer macht das und wie findet man die Locations?
Michi: Da haben wir mittlerweile … Fans… nein, es war natürlich immer so, dass wir alles alleine gemacht haben. Dann haben wir einen Freund getroffen, der hat uns gehört und war völlig hin und weg. Dann war einer mehr dabei, der aber nicht Musik machte, sondern, der sich um das Drumherum kümmert, auch mit Internet und Konzerte akquirieren. Und mittlerweile ist noch ein zweiter dazu gekommen, der Deutsche, der Norman. Das ist unser Super-Hero. Das ist ganz spontan entstanden. Er hat uns gesehen und sagte: Hey, ihr seid geil, für euch will ich was machen! Und dann hat es ja Ende dieses Jahres doch noch geklappt, dass wir ein paar Mal spielen.
Seid ihr das erste Mal in München?
Michi: Ja, also ich bin schon mal durchgefahren.
Geht ihr selber auf Konzert?
Alan: Also, ich arbeite auch als Tontechniker, ich bin also zwangsläufig auch auf Konzerten.
Was war das letzte gute?
Michi: Das letzte gute war das UNDERWORLD in Montreux auf dem Jazz-Festival. Und weil wir schon dabei sind, sag ich dir auch gleich, was das schlechteste…
Das wäre meine nächste Frage gewesen.
Michi:..das war auch in Montreux, das war PRINCE. Ich hab ihn mittlerweile 3x gesehen, vor 12/ 13 Jahren und jetzt wieder. Ich war total enttäuscht! 200 Franken hab ich bezahlt und dafür erwarte ich mehr als nur 60 Minuten.
Spielt ihr lieber Festivals oder Club-Konzerte?
Alan: Club-Konzerte. Weil, wenn das mehr als drei Bands sind, ist das irgendwann overloaded.
Michi: Und dann knietief im Dreck stehen… ich bin da lieber in meinem Bett zu Hause.
Ja, ich sag auch immer zu meinem Mann… nur wenn ich in einem Hotel schlafen kann.
Gibt es irgendeine lustige Konzertgeschichte, die ihr mir erzählen wollt?
Roger: Hm… ja, also die Polizei hat uns am Dienstag den Gig abgebrochen.
Michi: Die lustigste Geschichte überhaupt. Also, wir durften das erste Mal in Deutschland spielen. Wir wurden eingeladen in einem Gothic- und Fetish-Club. Super, war alles super cool, geiles Catering, geile Location, nur war der Club dienstags normalerweise geschlossen ist. Das erfuhren wir aber erst kurz bevor wir auf die Stage gegangen sind, weil keine Sau da war. Drei zahlende Gäste und der Veranstalter. Dann haben wir gesagt, ok, dann machen wir eben eine Live-Probe. Die hat dann 25 Minuten gedauert, weil dann die Polizei vor uns stand und sagte: Schluss mit lustig, aus die Maus.
Roger: Und der Backstageraum war ein Sado/Maso-Raum.
Michi: Da sagten die zu mir, komm mal mit. Da stand ich dann, ein Stuhl an der Wand und die Geißel darüber und… naja, das war natürlich auch sehr inspirierend. Nicht grundsätzlich für die Musik, aber fürs Leben.
Habt ihr eine bestimmte Message?
Michi: Grundsätzlich denke ich schon, dass wir eine Message haben in jedem Song, aber … (Michi scheint ein Aber-Freund zu sein). Eigentlich sind es Geschichten aus dem Leben und persönliche Erfahrungen…also, wir haben keine politische Message. In „Latterday“ z. B. hab ich meine Tochter beschrieben. Ich hab eine 20-jährige Tochter zu Hause und die fordert ja auch, gibt aber auch viel. Ja, einfach Erfahrungen und ich versuche es möglichst positiv rüber zu bringen, aber nicht Jippie, Yeah und trallala, sondern auf eine tiefsinnigere Ebene.
Euer größter Traum ist?
Roger: Mehr Konzerte.
Der beste Schweizer Newcomer ist?
Michi: Kennst du einen?
Ich? Nein, ich bin ja auch keine Schweizerin… Stefanie Heinzmann fällt mir nur ein…
Michi: Ach die Steffi… ja, die hat den DJ Bobo abgelöst.
Die beste internationale Band ist?
Michi: Ich schränk mich da nicht ein. Es gibt so viele gute Sachen und Bands, aber (schon wieder) was ich wirklich top finde, kann ich an einer Hand abzählen. Die kommen auch aus ganz verschiedenen Sparten. TALK TALK z. B. NEW ORDER, ich steh extrem auf UNDERWORLD, und extrem auf Elktronika. Aber ich schränk mich da überhaupt nicht ein und würde nie sagen, ich bin Fan von…
Roger: GRACE JONES, die neue GRACE JONES; die zieht s dir die Schuhe aus!
Wer sollte ans Aufhören denken?
Roger: Ich würde sagen, die ganzen Re-Union-Geschichten. Ich bin ein großer SLAYER Fan, die haben sich nie aufgelöst. Wenn dann haben sie ein paar Jahre aufgehört, aber dann kamen sie wieder. Immer diese großen Auflösungs-Skandale und das ganze…
Wie würdet ihr die Schweizer Musik-Szene bezeichnen?
Michi: Klein wie die Schweiz, aber es gibt sie. Soundtechnisch doch auch sehr kreativ und viele spezielle Bands, die auch international durchaus mithalten können.
Und gibt es viele Möglichkeiten zu spielen?
Roger: Grundsätzlich gibt es ganz coole Clubs zu spielen und wenn man den Fuß mal drinnen hat, ist es einfacher. Das ist wie überall.
Alan: Die Schweiz hat vielleicht auch die größte Festivaldichte…
Wie wichtig ist sind für euch Internet-Plattformen wie Myspace und Facebook?
Roger: Ich find Myspace eine großartige Sache. Jede Band hat dieselben Möglichkeiten und dieselben Mittel und ich entdecke sehr viele Bands, die ich sonst nie entdeckt hätte.
Welche Worte fallen euch spontan zu Rock’n’Roll ein?
Michi: Leidenschaft, Lärm, Lebensstil, Gefühle.
Sex und Drugs…
Michi: Hatten wir auch schon… aber das ist nicht der Weg.
Ein schönes Schlusswort!
(Interview by Melanie)