LILLIAN AXE

...mehr als Gold und Platin!

www.lillianaxe.com

Natuerlich koennte man einen Artikel ueber Lillian Axe mit Fragen nach Gerechtigkeit im Musikbusiness beginnen, doch diese Band wird ihren Insiderstatus wohl niemals los. Zumindest wissen einige wenige Auserwaehlte um die betraechtlichen Qualitaeten der Combo und eben diese kleine Gruppe war vor einiger Zeit ausser sich vor Freude, als sie erfuhr, dass sich eine der wenigen wirklichen Kultbands unserer Tage wieder zusammentat, um einige gemeinsame Konzerte zu absolvieren. Zwar nicht in der glorreichen, definitiven Besetzung, dafuer spielt aber neben dem zentralen Duo Ron Taylor und Steve Blaze mit Darrin DeLatte zumindest noch ein altgedienstes Mitglied mit. Wie gut Lillian Axe heute noch sind und wie zeitlos ihre Musik ist, gibt es nunmehr auf der Doppel-CD "Live 2002" zu hoeren, die in diesem Jahr in einem Klub in Texas aufgezeichnet worden ist und die auch ohne massenweise Overdubs und dazugemischtes Publikum glaenzend zu unterhalten vermag. Leider gibt es diese Sahneschnitte vorerst nur in Amerika auf dem offiziellen Wege zu erstehen, doch auf der Suche nach der wahren Qualitaet schafften wir es mit dem Kollegen Magin nicht nur einen Kontakt zur amerikanischen Plattenfirma herzustellen, sondern machten sofort Naegel mit Koepfen und so sass ich vor einigen Wochen stundenlang am Telefon, um mit Steve (vormals Stevie) Blaze eine verlorene Spur wieder aufzufinden.

Mit eben jenem Steve befand ich mich bereits vor Jahresfrist im schriftlichen Kontakt, um mehr ueber seine andere Band Near Life Experience in Erfahrung zu bringen, die mit Lillian Axe rein gar nichts zu tun hat. Damals war Steve allerdings Feuer und Flamme eben fuer diese Gruppierung und erwaehnte Lillian Axe bestenfalls in Nebensaetzen.

"Das mag durchaus sein, aber geht es Dir manchmal nicht auch so, dass Du erst nach einiger Zeit herausfindest, was die wirklichen Prioritaeten in Deinem Leben sind", stellt Steve gleich zu Beginn unseres Gespraeches eine gewagte rhetorische Frage. "Near Life Experience gibt es nach wie vor, demnaechst erscheint auch ein neues Album von uns, aber mir ist nach und nach bewusst geworden, dass Lillian Axe ebenfalls ein immens wichtiger Teil meines Lebens sind. In den Jahren, in denen es die Band nicht gab, fragten die Leute immer wieder nach ihr, einige der Alben wurden zu horrenden Preisen gehandelt und nachdem wir uns eines Tages mit Ron ueber eine moegliche neuerliche Zusammenarbeit unterhielten, war eigentlich alles klar. Wir legten wieder los und die gute Sache ist, dass wir diesmal unter anderen Vorzeichen als damals arbeiten koennen. Wir sind alle anderweitig abgesichert, koennen also nur zum Spass Musik machen und nichts mehr uebers Knie brechen. Und die Aktivitaeten beider Bands sind nicht so ausufernd, als dass ich sie nicht miteinander verbinden koennte."

Das soll jetzt aber nicht heissen, dass ihr die Sache weniger ernsthaft nimmt...

"Auf keinen Fall! Man hoert doch auch auf dem Album wie gut die Band heute klingt und es geht noch weiter. Wir arbeiten ganz konkret an einem neuen Studioalbum fuer das es bereits massenweise Songs gibt. Mit dem Komponieren haben weder Ron noch ich in den letzten Jahren aufgehoert und nachdem unsere amerikanische Plattenfirma einige der dabei entstandenen Demos gehoert hat, meinte sie, wir sollten sofort ins Studio gehen. So schnell wird es zwar nicht gehen, aber es kommt definitiv etwas Neues von uns!"

Bis dahin wird sich beim Kollegen Taylor hoffentlich etwas aendern: wie man auf "Live 2002" hoeren kann, singt er immer noch wie ein junger Gott und meistert selbst die schwierigsten Passagen mit einem Laecheln, doch mauserte er sich optisch von einem Blickfang zum...

"Ich weiss ganz genau worauf Du hinaus willst", unterbricht mich Steve energisch. "Aber die Bilder im neuen Booklet sind auch nicht mehr ganz repraesentativ! Ron hat in den letzten Monaten hart an sich gearbeitet, hat stark abgenommen und laesst sich auch wieder Haare wachsen. Auch in dieser Hinsicht sollte es also keine Probleme geben."

Eine Live-Doppelalbum klingt nach viel. Bei einer Band, die ueber so viel vorzuegliches Material verfuegt, kann es aber auch zu wenig sein. Die Songauswahl geht bei "Live 2002" zwar in Ordnung, doch einige Favoriten wie "Inside Out", "My Number", "No Matter What", "Do It", "For Crying Out Loud" und vor allem "Stop The Hate" sind trotzdem aussen vor geblieben.

"Wir haben vor den Aufnahmen einige Songlisten herumkreisen lassen und haben bis zuletzt ueberlegt, was genau aufs Album sollte und was nicht. Die Endauswahl ging meiner Meinung schon in Ordnung, obwohl mir persoenlich zum Beispiel "Stop The Hate" auch gefehlt hat. Das Problem an der Sache war an dem Abend das Fehlen der Keyboards. Und ohne die auf der Buehne funktioniert der Song nur bedingt."

In einem Interview anlaesslich der Raritaetenkompilation "Fields Of Yesterday" erwaehntest Du seinerzeit, dass die Stuecke auf dem Album quasi nur die Spitze des Eisberges sind. Wie genau war das gemeint? Und nebenher gefragt: war jenes Album nicht zufaellig der definitive Impuls in Sachen Comeback?

"Wir mussten uns damals mit Ron treffen, um die entsprechenden Stuecke zu sichten und fuer das Album zu kompilieren. Dabei unterhielten wir uns natuerlich ueber die alten Zeiten und so nach und nach gelangten wir zu der Ansicht, dass gegen eine gemeinsame Zukunft nichts spricht. Als wir seinerzeit mit der Bitte angegangen worden sind, bislang unveroeffentlichte Stuecke fuer ein Raritaetenalbum abzuliefern, suchten wir in den Archiven und Schubladen. Wir fanden einige interessante Nummern und lieferten sie ab. Allerdings war das Album an sich ein ziemlicher Schnellschuss, denn die Stuecke darauf waren mehr oder weniger roh, unbearbeitet und unterschieden sich voneinander qualitativ und klanglich zum Teil betraechtlich. Wir haetten uns da vielleicht etwas mehr Zeit nehmen sollen, andererseits ist man im nachhinein fast immer schlauer. Abgesehen davon wuehlte ich auch noch nach Veroeffentlichung des Albums immer weiter und fand noch massenweise Songs, die keinen Deut schlechter sind, als die auf "Fields Of Yesterday". Das ist derzeit auch ein wenig mein Dilemma. Noch ein solches Album moechten ich derzeit nicht auf den Markt schicken, denn die Zeichen stehen ganz klar auf brandneuem Material. Die jetzige UEberlegung ist die, ob man sich vielleicht einige aeltere Stuecke vorknoepft, sie mit neuem Arrangements versieht, neu aufnimmt und dann aufs neue Album packt oder ob man wirklich nur auf brandneues Material setzt. All das wird sich in den naechsten Monaten entscheiden."

Schoen solche Plaene zu haben, doch waere es zunaechst nicht wichtiger die Band neu zu etablieren und zwar auch ausserhalb Eurer Heimat?

"An uns soll das nicht liegen! Wir sind dabei, auch wieder unsere ehemals recht starken Maerkte, also Niederlande, Belgien und Deutschland anzugehen, wir haben aber immer noch recht gute Karten in Grossbritannien und nicht zuletzt Japan. Dort sind wir anlaesslich der Veroeffentlichung von "Fields Of Yesterday" zusammen mit Thunder getourt, haben viele Interviews gegeben und so viele Alben wie niemals zuvor verkauft. Wir haben das Land frueher – und zwar nicht nur aus eigener Schuld – vernachlaessigt, haben dort jetzt aber einen recht guten Stand."

Die Frage, die Du bereits einige hundert Male beantworten musstest, die ich Dir aber nicht vorenthalten will, ist sie doch aktuell wie eh und je...

"Du musst sie natuerlich nicht einmal aussprechen. Ich habe mich auch oftmals gefragt, wieso wir nur so weit gekommen sind, wie wir gekommen sind und wieso es fuer uns niemals zu einem groesseren Bekanntheitsgrad langte. Dann aber muss ich immer daran denken, dass wir jetzt wieder in der Lage sind unsere Musik zu machen und dass eben diese Musik den wenigen Menschen, die sie kennen, viel bedeutet. Und das ist eine Erkenntnis, die ueber all den Gold- und Platin-Alben dieser Welt steht!"

(Interview von Nikolas Krofta - exlusiv fuer MEDAZZAROCK)

Lillian Axe are:
Ron Taylor – vocals
Steve Blaze – guitars
Sam Poitevent – guitars
Darrin DeLatte – bass guitar
Ken Koudelka – drums

Discographie:
Lillian Axe (1988)
Love + War (1989)
Out Of The Darkness Into The Light (Kompilation) (1991)
Poetic Justice (1992)
No Matter What (Maxi-CD) (1992)
Here Is Christmas/Promised Land (Maxi-CD) (1992)
Psychoschizophrenia (1993)
Fields Of Yesterday (Raritaetenkompilation) (1999)
Live 2002 (nur Import) (2002)


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