FETISCH:MENSCH
"Und wir haben eine kleine Regel: Kein Klavier bei fetisch:MENSCH"
(Interview mit Tim, Mai 2009)

www.fetisch-mensch.de
www.myspace.com/fetischmensch
Beschreib
doch Euren Musikstil und die Bandphilosophie in ein paar Worten (für unsere
Leser, die eure Musik noch nicht kennen)….
Tim: Frage niemals
eine Musiker, was er für Musik macht - außer, es handelt sich um
geradlinig-traditionelle Schubladen wie Bluesrock oder Deathmetal! Der Vorteil
am Internet ist ja gerade, dass man sich die Musik via MySpace direkt anhören
kann, um sich ein Urteil zu bilden. Natürlich ist fetisch:MENSCH vor allem auf
der dunklen Seite der Musikwelt angesiedelt, aber in den Stilmitteln sind wir
frei. Die reichen vom Rock mit HIM-Schlagseite bis zur Goa-Elektronik. Auch wenn
wir sie mitunter arg verfremden. Unsere Bandphilosophie besteht darin, möglichst
frei zu sein.
Woher
nehmt Ihr die Inspirationen für die Liedtexte und wer ist hauptsächlich damit
betraut?
Tim: Eigentlich haben
wir ja pro Song immer zwei Texte. Einer steckt in den Worten und einer in der
Musik selbst. Die Worte stammen ausschließlich von Oswald, die Musik von mir.
Beides erzählt dann jeweils die gleichen Gedanken mit einer anderen Sprache,
wobei beide Ausdrucksformen unabhängig voneinander entstehen. Zu einem Song
wird das Ganze nur, wenn beides zufällig zusammenpasst! Die Inspirationen
kommen aus persönlichen Erlebnissen, aus den verworrenen emotionalen Strudeln,
die der unendliche zwischenmenschliche Sog immer wieder erzeugt. Allerdings
werden diese Gefühle so weit abstrahiert, dass man zwar die Gefühle, nicht
aber die ursprüngliche Geschichte erkennen kann. Dass die Stücke dann auf
beiden Ebene immer wieder zusammenkommen, kann man logisch nicht erklären - nur
symbiotisch...
Worin
liegt der Unterschied zwischen den Projekten „Goethes Erben“ und „fetisch:MENSCH“?
Tim: Bei Goethes Erben kam die Musik quasi komplett von Mindy Kumbalek, bei fetisch:MENSCH kommt sie von mir. Und ich finde schon, das wir eine sehr unterschiedliche Handschrift haben. Aus meiner Sicht ist fetisch:MENSCH geradliniger, eingängiger, auch rockiger und melodischer. Und wir haben eine kleine Regel: Kein Klavier bei fetisch:MENSCH. Das war bei den Erben doch recht prägnant. Die Parallelen sind durch Oswalds Gesang schon groß genug ;-)

Eure
Musik kann man ja nur im iTunes-Store erwerben, warum diese Entscheidung?
Tim: Nicht nur bei
iTunes, auch bei Amazon, Musicload und anderswo. Der entscheidende Gedanke war,
den aufwändigen Herstellungsprozess und den damit verbundenen bürokratischen
Aufwand einfach wegzulassen: Am Ende brennen die Leute die Sachen sowieso,
sprich: Sie machen eine Datei für den Rechner daraus. Da wollten wir eben diese
direkt anbieten. Mittlerweile sehen wir es auch als Experiment, wie diese Art
der Musik-Weitergabe funktioniert.
Und
wie reagierten eure Fans auf diesen Umstand?
Tim: Durchwachsen. Da
wir ursprünglich ja nur live gespielt haben und gar keine konservierte Musik
anbieten wollen, sind viele froh, nun doch die Musik für zu Hause erwerben zu können.
Für Fans, die normalerweise nichts downloaden, ist es natürlich ein gewisser
technischer Aufwand, der vielen nicht behagt. Das kann ich gut verstehen, zumal
wir selbst alle vier CD-Sammler sind. Aber das ist nun mal der Lauf der Dinge.
MP3 löst die CD ab, so wie die CD die LP abgelöst hat. Einige Leute waren auch
entrüstet, dass wir überhaupt Geld verlangen für das Album. Die wollten es
umsonst, weil wir eine zeitlang auf der Homepage einige Stücke gratis
eingestellt hatten. Dafür hab ich dann wieder kein Verständnis...
Bester
Live-Auftritt von fetisch:MENSCH?
Tim: Das empfindet wohl jeder anders. Ich erinnere mich sehr gern an das K17 in Berlin, an das Tor 3 in Goslar oder an die Reithalle in Dresden. Und natürlich an das WGT!

Peinlichste
Szene in deinen Augen?
Tim: Offen gestanden
finde ich die Hip-Hop-Szene peinlich. Allerdings kommt das wohl daher, das ich
ihre Gebräuche einfach nicht nachvollziehen kann. Wahrscheinlich wirkt auf
einen Rapper unsere Gothic-Welt genau so unverständlich. Ein Urteil lässt sich
eben nie absolut fällen, sondern immer nur aus einer bestimmten Perspektive.
Was
verabscheust du persönlich am meisten?
Tim: Unreflektierte
Überzeugungen. Es ist unglaublich, wie viele Menschen eine Meinung oder einen
Glauben wie ein modisches Kleidungsstück tragen. Ansichten werden nicht
gewonnen, sondern nachgeplappert. Ich sehe ja ein, dass die Welt kompliziert ist
und daher eine Weltanschauung nicht einfach zu gewinnen ist - ich finde aber,
nur eine wirklich reflektierte Weltanschauung macht uns zum Mensch. Daher sollte
man sich die Mühe schon machen. Es erschreckt mich, wie viele dumme Gedankengänge
als Weisheit weitergereicht werden, nur weil sie in schöne, auf den ersten
Blick passende Worte gekleidet sind. Wenn man aber mal kurz darüber nachdenkt,
sind sich nichts als blanker Unsinn.
…und
was ist dir wichtig im Leben oder macht dich glücklich?
Tim: Wichtig am Leben
ist mir, mich darin aufzulösen. Glücklich machen mich dabei meine Kinder.
Welche
Künstler magst du am liebsten od. hörst du privat?
Tim: Bei mir läuft derzeit viel Placebo, IAMX, Diary Of Dreams, Love Spirals Downwards und Die Art. Allerdings hab ich rund 2500 CDs und suche mir da immer mal wieder was heraus, was sich dann für einige Zeit festsetzt. Dabei ist die Palette sehr weit, von Moby über Björk und Samael bis zu Sopor Aeternus oder Converter. Ich mag die Pet Shop Boys ebenso wie Elend. Es darf nur nicht zu fröhlich werden, reine Dur-Musik ist nicht mein Ding.
(Interview by Nathalie)