CHINCHILLA

"...glaub mir, da kannst du nicht mit 5,0 Promille auf die Buehne"

(Interview mit Udo, Januar 2006)

 

www.chinchilla.rocks.de

 

Hallo Udo,
Ich muss gestehen, bis zum aktuellen Album „Take No Prisoners“ hab ich Chinchilla nicht gekannt. Das Teil rockt ja maechtig ab. Gratulation.

Hallo, Scari, kein Problem, wir haben zu danken. Es ist schoen, dass ihr uns noch ein Review ermoeglicht habt und uns zu diesem  Interview eingeladen habt. So bekommt  „Take no Prisoners“ doch noch die oeffentliche Praesentz, die ihm eigentlich zusteht. Haetten da mache Leute bei der Promo nicht geschlafen und ihren Job ordentlich gemacht, waere das alles schon viel frueher von statten gegangen. Aber, wir sind wie gesagt froh, dass es trotzdem funktioniert hat. Wir bedanken uns natuerlich fuer die Blumen und das „Take no Prisoners“ dir so gefaellt.

Die Scheibe ist jetzt schon ein Weilchen auf dem Markt. Wie seid ihr mit den Reaktionen zufrieden? Ist es trotz der Probleme wenigstens halbwegs in etwa so gelaufen wie ihr euch das vorgestellt habt?

Die Reaktionen waren durch weg sehr gut, so fern Magazine oder Radiostationen bemustert wurden. Hier gab es auch großen Aerger und ich bin sehr enttaeuscht von der Arbeitsmethode einer gewissen Dame, aber wir gehen jetzt wieder unsere eigenen Wege und das ist gut so. Wie bei euch, habe ich dann eine zweite Bemusterung der Magazine gestartet und dieses Thema selber uebernommen, sonst wuerden wir jetzt auch nicht hier sitzen und das Interview machen, geschweige denn, haette es ein Review in eurem Magazin gegeben. Es kann doch nicht sein, das man als Musiker auch noch seine eigene Promo uebernehmen muss, obwohl das im Vertrag festgehalten und ein fester Bestandteil unserer Bedingungen war. Fuer solche Sachen bekommen diese Herren ihr Geld und das nicht gerade wenig. Aber ich denke mit unserer Eigeninitiative ist es uns gelungen doch noch einiges zu retten.    

Ganz offensichtlich hat es mit der Plattenfirma nicht so gelaufen, wie ihr euch das vorgestellt habt. Nun habt ihr die Konsequenzen gezogen.

Leider, wir haben  uns von ihnen getrennt und distanzieren uns jetzt auch von ihnen.

Nach der Veroeffentlichung seid ihr mit Saxon auf Tour gewesen. Hat euch das den erhofften Schritt weitergebracht?

Ja, wir waren vorletztes Jahr 4 Wochen mit Saxon auf Europa Tour und letztes Jahr haben wir mit ihnen Part 2 dieser Show in Belgien und in Holland gespielt. Saxon sind super nette Typen, die uns alle Freiheiten gelassen haben, sprich wir durften jeden Abend Soundcheck machen, hatten keine Einschraenkungen beim Licht usw. Diese Tour fuehrte uns durch 14 Laender und wir spielten 17 Shows, wir legten hierbei 13 000KM zurück. Aber jede Minute war es wert. Wir hatten ein super Verhaeltnis zur Saxon Crew und natuerlich auch zu Saxon selber. Wie gesagt, das war ein unvergessliches Erlebnis und hat einen Riesen Spaß gemacht.

Wir  waren in 14 europaeischen Ländern und was ist bessere Promo, als dort zu spielen, solange es Sinn macht und dein Produkt auch in diesen Laendern erhaeltlich ist. 

Hat den wenigstens hier der Support der Plattenfirma funktioniert?

Wir konnten auf der Tour sehr gut Merch verkaufen und das war auch nicht schlecht, aber in den meisten Laendern war unsere aktuelle CD „Take no Prisoners“, im Gegensatz zu den Vorgaengern wie Madness, The Last Millennium und Madtropolis die dort erhaeltlich  sind, nur ueber das Internet zu bekommen. Da ist man nun so lange im Geschaeft und fixiert solche Punkte und dann das. Aber wie wir Schwaben so schoen sagen : „Die Katz is no nett da Bom nuff!“ und Polen ist noch nicht verloren! Also lasst euch ueberraschen!!

Die Tour muss lustig und nach den Shows recht feuchtfroehlich gewesen sein (nachzulesen im Tourbericht auf der Band-HP). Ihr seid offensichtlich echte Partytanimals.

Ja das stimmt, aber das sollte man nicht mit verantwortungslos verwechseln. Die Zuschauer zahlen schliesslich Eintritt und im Osten ist das oft weit mehr als hier der Eintritt kostet, also musst du jeden Abend dein Bestes geben und da kannst du nicht besoffen auf die Buehne gehen. Das waere fuer mich unverantwortlich und der Tod jeder Band, da sich dieses unprofessionelle Verhalten schnell herumsprechen wuerde. Wir haben die Devise, ein, zwei Bierchen sind okay und Party erst nach der Show. Da wir jetzt mittlerweile 400 Shows hinter uns haben und uns als Liveband einen sehr guten Ruf erarbeitet haben, wissen wir, was wir dem Publikum schuldig sind und glaub mir, da kannst du nicht mit 5,0 Promille auf die Buehne. Aber nach der Show, da hast du recht, da ist feiern angesagt und das tun wir nicht zu knapp.

Wie ging’s nach der Saxon Tour weiter?

Wir haben noch waehrend der Saxon Tour vorletztes Jahr, das Metal Inferno Festival II in der Schweiz ge-headlined. Was fuer uns eine Doppelshow bedeutet hat. Erst mit Saxon in Pratteln im Z7 vor ausverkaufter Halle spielen und dann 40 KM weiter zwei Stunden spaeter als Headliner das Metal Inferno II vor knappen 1000 Leute zu spielen, was für ein Stress und was fuer ein Spass. Nach der Tour sind wir gleich mit W.A.S.P durch Deutschland getourt, haben dann noch diverse Headliner Shows in Deutschland gespielt, haben auf unserem Metal Forever Festival for Asia einen grandiosen Gig hingelegt. Leider waren aber natuerlich nicht im Stande durch die schlechte Promo uns auf Festivals zu plazieren. So war das ein herber Schlag fuer uns und ein großer Schaden fuer unser Image. Aber durch, wie gesagt, Eigeninitiative konnten wir das ja noch etwas ausbuegeln und haben fuers naechste Jahr schon einige Bestaetigung fuer verschiedene Festivals.  

Nebst den Festivals-Gigs, was laeuft sonst noch?

Wie gesagt, wir spielen als Co-Headliner auf dem Metal Inferno in Paderborn und auf dem Headbangers Night 3 mit Rebellion. Dann werden wir wieder auf unserem Metal Forever Festival 2006, dieses Mal werden wir  fuer Strassenkinder sammeln, auftreten. Der Hoehepunkt wird sicher der Auftritt auf dem Ragna Rock Festival in Norwegen. Dann folgen natuerlich diverse Club Shows und eine oder zwei Kurztouren sind geplant. Wir sind auch auf der Suche nach einer großen Tour, aber warten wir es erst mal ab. Das kommt natuerlich auch auf den Release des Nachfolgers von „Take no Prisoners“ an.

Wenn ich mir euer Arbeitstempo anschaue, dann muesstet ihr ja schon wieder am neuen Album arbeiten? Oder muessen wir uns diesmal etwas laenger gedulden?

Nein, ich bin schon mitten drin im Komponieren. Ich denke in der ersten Haelfte dieses Jahres wird der Nachfolger von „Take no Prisoners“ auf den Markt kommen. Aber da fliesst noch einiges an Wasser den Bach runter. Man sollte immer vorsichtig mit solchen Aussagen sein, denn wir sind uns noch nicht im Klaren, ob wir das Teil selber raus bringen oder ob wir es nochmals mit einer Plattenfirma versuchen. Eines ist klar, das Teil selber zu veroeffentlichen heisst, sehr viel mehr Arbeit und diese muessen wir dannauch,  so wie ich das sehe, auf zwei Schultern verteilen. Aber bei Roberto und mir weiß man nie, wir hatten auch die Wahnwitzige Idee ein Festival fuer die Flutopfer in Asien zu machen und jetzt findet das  Metal Forever Festival jedes Jahr, dieses mal an zwei Tagen, 05.05. und 06.05.2006, statt. Ein Riesen Spass und eine Menge Arbeit. Aber zu unserer Unterstuetzung ist Horst Franz, besser bekannt unter Horst Odermatt (Chef Heavy, Bang your Head) mit zu uns ins Team gestossen und ich denke, wir werden wieder ein schoenes Festival praesentieren koennen mit vielen Ueberraschungen.

Sind denn musikalische Veraenderungen am neuen Album zu erwarten?

Ja, die neue Scheibe wird denke ich, wieder rockiger, was nicht heissen soll softer. Aber ich merke jetzt schon, dass die Ideen so in Richtung Madness gehen und ich denke, da werde ich vielen Fans von uns einen Gefallen tun. Mir liegt es immer am Herzen, dass die Scheiben sich von ihren Vorgaengern unterscheiden, neue Einfluesse erkennbar und die Entwicklung hoerbar ist. Ich denke das ist uns bis jetzt immer gelungen.

Was anderes. Im November habt ihr das 10-jaehrige gefeiert. Hast du oder ihr geglaubt, dass die Band so lange bestand hat?

Nichts ist für immer. Ich denke wenn man etwas gerne macht, macht man das, so lange man Lust hat, ansonsten laesst du es, oder?? Ich bin der Einzige von der Urbesetzung. Martin hat sich damals fuer eine Schlagerkarriere entschieden und dann kam auch schon Tommy, der damals bei uns die Backing Vocals eingesungen hat und Roberto der immer mal wieder live oder im Studio ausgeholfen hat. 10 Jahre sind eine lange Zeit und wir haben viel erreicht in dieser Zeit. Man muss bedenken, wir hatten nie ein richtiges Management oder eine professionelle Booking Firma im Ruecken, die uns exklusiv gepushed hat. Das alles ist auf meinem Mist gewachsen und war harte Arbeit. Das Grundlegende Problem ist, du musst Heute nicht nur Musiker sein, sonder Manager, Booker, Promoter, Rechtsanwalt u.s.w. um in diesem Geschaeft zu überleben, sonst ziehen sie dir gnadenlos die Hosen aus. Wie hat Lemmy mal so schoen gesagt:“ Jeder traeumt von einem Plattenvertrag und hast du ihn dann, dann fangen die Probleme an.“ 

Uebrigens war unsere 10 Jahres Feier der volle Erfolg. Die Halle war voll und Musiker wie Stefan Leibing (Primal Fear), Henny Wolters (Ex Thunderhead, Donnerkopf), Bernd Heining (Bastards), Klaus Sperling (Ex Primal Fear, My Darkest Hate, Bastards) haben mit uns Chinchilla Songs gespielt. Was mich am meisten gefreut hat, wieder mal mit den Jungs der ersten Besetzung zwei alte Songs zu spielen. Michael Vetter (Bass) und Mike Kuehner (Drums) gaben sich die Ehre und es machte einen Riesen Spass. Auch Artur spielte dann mit Tommy im Duett Satelite. Das, denke ich, ist eine hohe Auszeichnung, wenn andere Musiker das Schaffen anderer Bands wuerdigen.

In dieser langen Zeit hat sich das Besetzungskarussell doch heftig gedreht. Praktisch mit jedem Album wurde fast die halbe Mannschaft ausgetauscht. Was waren die Gruende und glaubst du, dass es jetzt endlich stabiler wird?

Also, so sehe ich das Ganze nicht . Immerhin hat die zweite Besetzung von Chinchilla fast 6 Jahre zusammen gespielt. Nur leider erwiesen sich drei Personen dieses Line Up als nicht Team faehig und sehr unprofessionell, was das Verhalten ausserhalb der Proben betraf. Mehrarbeit ist ein staendiger Bestandteil und gehoert zu diesem Geschaeft, sonst wird das nichts. Ich beschloss damals, diese drei Herren an die frische Luft zu setzen und das haette ich schon vor Madness tun sollen. Ich denke Freizeit Rockstars haben in einer Band wie Chinchilla nichts zu suchen, denn hier geht es um harte Arbeit. Bei dem Tempo was ich vorlege, machen eben viele schlapp. So ist es fuer einige einfach zu viel, jedes Jahr eine neue CD aufzunehmen und staendig live zu spielen oder sogar auf Tour zu gehen. Um Himmels Willen, da brauch ich ja Urlaub, was sag ich da bloss meiner Freundin. Da geht man lieber nach Mallorca und legt sich mit der Freundin in die Sonne, das ist ja dann wichtiger. So geht das leider nicht, es muessen alle an einem Strang ziehen, auch die Freundinnen. So hat Josh die Band aus familiaeren Gruenden verlassen und mit seinem Ausstieg die Band nicht gebremst. Er hat Verantwortung bewiesen und sich fuer einen anderen Weg entschieden, das ist okay. Im Gegensatz zu anderen, die ueberall immer dabei sein muessen und doch nichts auf die Reihe bekommen und somit alle anderen bremsen. Wenn ich nicht 100%ig hinter etwas stehe, muss ich gehen, ganz einfach. Er ist nun seit 16 Monaten gluecklicher Vater einer gesunden Tochter und geht in seiner Vaterrolle voll und ganz auf. Wir telefonieren regelmaessig und er hat wirklich Freude an seinen neuen Pflichten und Aufgaben!! Bei Artur war es der Spagat zwischen der Musik, die er gerne hoert, bzw. macht und dem Metal. Er schreibt ja selber Songs, die aber eher in der Ecke Deutsch-Rock anzusiedeln sind. Er und sein Klavier allein sind unschlagbar. Er hatte einen Grossen Spass bei uns, nur ist es halt besser, man macht die Dinge, die einem am Herzen liegen und versucht nicht verkrampft, es anderen Leuten Recht zu machen. Deshalb hat er diesen Weg eingeschlagen und dann schweren Herzens die Band verlassen. Da, wie du ja sicher weißt, ich seit der „The last Millennium“ CD fast alle Keyboards selber einspiele und wir live auf einen Sampler, unseren Freund Fostex zurückgreifen, ist es nicht wirklich schlimm, das wir keinen Keyboarder mehr haben, denn der Fostex macht das super ;-) Ein absolut gleichwertiger Ersatz fuer Artur!! Also dann waere da noch Chris, der jetzt auch schon seit 4 Jahren bei uns Schlagzeug spielt und seine zwei Kollegen Bernd Heining und Klaus Sperling die immer mal wieder die Drums uebernehmen wenn er nicht kann. Nicht zu vergessen Tommy, der jetzt mittlerweile auch schon 9 Jahre mit mir Musik macht. Für Josh kam dann Roberto Palacios, aber das ist ja kein Fremder in der Musikszene und schon gar nicht für Chinchilla Fans. Roberto hat all die Jahre vorher schon immer wieder den ein oder anderen Auftritt mit uns bestritten und war auch immer als Gastmusiker auf unseren CDs, wie z.B. auf „The last Millennium“ und „Madtropolis“ vertreten. Er war vorher in der Underground-Szene bei den Kult-Trashern ‚INSANITY’ am Bass taetig, wo er mit Stefan Leibing und Klaus Sperling (Ex-/Primal Fear) jahrelang zusammenspielte. Als Josh sich entschloss die Band zu verlassen, war schon klar, wer den Part für den Bass uebernehmen wuerde, bis der geeignete Mann gefunden waere. Aber es kam mal wieder anders als gedacht. Roberto hatte sich schon seine Gedanken gemacht und er meinte nach zwei Wochen, er wolle ab Heute bei Chinchilla der neue Mann am Bass sein. Das nahm die Band natuerlich mit Begeisterung auf. Roberto wurde auch sofort in das Songwriting involviert und ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen. So hat er sich gleich noch ein riesiges Geschaeft aufgehalst und mit der Ausarbeitung der neuen Homepage begonnen. Waehrend Ingmar Schelzel und  ich ihm Studio „Take no Prisoners“ abmischten, erstellte er nach unseren gemeinsam ausgearbeiteten Ideen das Booklet. Und so was nennt man glaube ich Teamwork, gell?! Das gab es vorher nicht, weil keiner bereit dazu war!

Inwieweit hat sich die Personalrotation auf die musikalische Entwicklung ausgewirkt?

Das hatte nie Auswirkungen auf die musikalische Entwicklung, weil ich der Hauptsongwriter bin. So sind Madness und The last Millennium komplette Alleingaenge von mir und bei Madtropolis hat mir Artur mit zwei Songs unter die Arme gegriffen. Auch auf „Take no Prisoners“ hat sich Roberto einbringen koennen. Er hat „Silent Moments“ und „Money Talks“ alleine geschrieben und „The Ripper“ ist eine Co Produktion von uns beiden. Ich denke, dieser Song ist wirklich gelungen und fordert eine Wiederholung dieser Arbeitsmethode. Ich muss allerdings auch zugeben, dass es schwer ist mit mir Schritt zu halten, da ich immer so kreative Anfaelle bekomme und dann nichts anderes mache als Songs zu schreiben. So habe ich The Last Millennium in vier Wochen geschrieben und Madtropolis in 3 Wochen. Da mache ich aber auch nichts anderes, Komponieren und schlafen, das war’s.  Du siehst und man hoert es, das Chinchilla meine Handschrift traegt und ich fuerchte, das wird auch so bleiben.

Das ist keine Belastung für dich? Immerhin haengt dann alles nur an dir. Haettest du keine Lust, mehr mit den anderen Jungs zusammen zu schreiben? Die Songs die ihr zusammen gemacht habt, rocken doch praechtig (die, die du alleine gemacht hast im Uebrigen auch).

Klar haette ich da Lust, nur sind wir mittlerweile auf einem ganz anderen Level. Wir haben die Zeit nicht mehr, im Proberaum zu sitzen und poe a poe Songs zu schreiben. Wir spielen sehr viel, bringen fast jede anderthalb Jahr eine neue Scheibe raus, dann sind Roberto und ich noch mit dem Festival beschaeftig und unseren Tour Bus, den Roberto und ich vermieten, haben wir ja auch noch. Da musst du Routen planen fuer Touren u.s.w., das hat jetzt Roberto groesstenteils uebernommen und das klappt auch. Zu guter Letzt, habe ich noch eine Motorhead Tribute Band, die Bastards und der Tag hat leider nur 24 Stunden, aber es geht und es macht Spaß. Ich will noch hier erwaehen, dass Roberto eine große Hilfe ist und wir gut zusammen arbeiten.

Klar haette ich gerne mehr Unterstuetzung  im Punkto komponieren, aber leider geht das sehr schlecht. Wir haben auch noch Jobs und wenn ich eine Kreative Phase habe, fange ich an, da kann ich nicht warten bis jemand vom Job kommt. Deshalb habe ich mir auch ein kleines Homerecording Studio eingerichtet um perfekt arbeiten zu koennen. Ich arbeite am besten nachts und das geht dann meistens die ganze Nacht durch, wie soll sich da jemand involvieren. Ich schreibe jetzt seit drei Wochen an der neuen Scheibe und habe 6 Songs bereits komplett fertig produziert für unsere Vorproduktion. Wenn es bei mir mal laeuft, dann laeuft es und da ist es schwer für anderen Schritt zu halten

Ich sehe, du bist ja echt schwer im Schuss und legst ein unheimliches Tempo vor. Wird Freund „Fostex“ jetzt euer „Tastenmann“ bleiben oder werdet ihr das Line-up diesbezueglich wieder ergaenzen?

Nein, wir werden keinen Keyboarder mehr in die Band nehmen, da wie gesagt unsere Maschine, Namens Fostex, das wirklich gut macht. Wir machen das jetzt auch schon seit zwei Jahren und wir sind sehr zufrieden. Selbst das Publikum vermisst keinen Keyboarder und das spricht doch dann wieder für die Band!

Ein leidiges Thema – Downloads. Nun gibt es aber durchaus Bands, die das nicht so schlimm finden oder sogar auf diesem Weg ihrer ersten Songs unters Volk bringen. Was ist eure Erfahrung damit?

Ich halte das Internet für eine sehr gute und zugleich gefaehrliche Sache. Mit welchem Medium ist es schon moeglich so einfach über Kontinente hinweg zu kommunizieren, sich Infos ueber gewisse Produkte, Musikinstrumente, Bands, Konzerte u.s.w. weltweit zu besorgen. Das Internet war uns bei unserem Metal Forever Festival for Asia eine große Hilfe, da dieses Festival innerhalb 6 Wochen entstanden ist. Ohne dieses Medium waere dies niemals moeglich gewesen. Oder sich am naechsten Tag zu informieren, wie hat meine Lieblings Band z. B: in den Staaten abgeschnitten oder was war los auf dem Metal Forever Festival. Das ist alles moeglich und darueber bin auch sehr froh. Nur alles was eine gute Seite hat, hat auch eine schlechte Seite. Hacker , Dailer, Betrueger u.s.w. benutzen dieses Medium für ihr kriminellen Aktivitaeten, für Kleinganoven eine Welt der Anonymität, ganz zu schweigen von den Kinderschaendern die sich jetzt ohne Problem den Fleischmarkt aus der ganzen Welt direkt ins Wohnzimmer bringen lassen und ihr neues Urlaubsziel dadurch definieren. Was waere gewesen, wenn Hitler dieses Medium zur Verfuegung gehabt haette?? Sind wir froh, dass unsere heutigen Politiker so schlechte Rhetoriker sind und die Taschengelder der Industrie ihnen rechts und links zu den Ohren rauskommen. Es ist doch egal, was du Heutzutage waehlst, alles wollen nur dein Bestes: DEIN GELD. So sind wir froh das diese Herren, dazu zaehle ich auch das Merkel, so satt und voll gefressen sind, dass sie es nicht mehr noetig haben Massen so zu beeinflussen.

Es fallen aber auch die Bands der Kriminalitaet im Internet zum Opfer. Wir haben Schwierigkeiten unsere eigenen Songs auf den Homepages zu platzieren und auf einem Internet Portal wird das sogar professionell betrieben, Hauptsache die GEMA wird bezahlt, ob der Kuenstler was bekommt ist doch scheißegal. So hoert man immer wieder nette Geschichten aus dem Land der Maerchen, Band wurde vom Internet gehypet, oder die Geschichten von Metallica u.s.w. Das waere ja auch alles ganz toll, nur kassieren zurzeit nur die Jungs von den Plattformen schoen ab. Fakt ist, zu viele Jaeger sind des Hasen Tod, wer soll dich finden?? Bei dem Überangebot an Bands?? Diese Herren locken mit 5 bis 6 Cent pro Download, die der Musiker bekommt. Soll dass ein Witz sein?? Die bekomme ich doch eh von der GEMA. Also heisst das, dass diese cleveren Jungs pro Download 93 Cent kassieren, obwohl der Kuenstler die Produktionskosten zahlt und man darf nicht vergessen, seine Zeit und seine Energie investiert. Das sind fuer mich Verbrecher und nichts anderes!!! Wie gesagt, Sie zahlen dir gerade mal deinen Anteil, der dir rechtlich von der GEMA sowieso zusteht. Also was soll das. Sollen die Bands fuer irgendwelche Betreiber Songs schreiben, damit die sich die Taschen füllen? Für wie bloed werden eigentlich Musiker gehalten??

Ich persoenlich glaube nicht unbedingt, dass jeder runtergesogene Song ein Verlust ist. Denn vielleicht kauft man sich ja dann das Album. Ich denke auch, dass im Metalbereich Alben und keine Singles verkauft werden und Metalheads loyaler als die Popfans sind und deshalb eher doch dann die CDs kaufen.

Das stimmt in gewissen Fällen, aber Fakt ist, dass wir da auch sehr stark betroffen sind. Ich finde es nicht sehr lustig. Das ist in meinen Augen Diebstahl und zumal es für die Anbieter, die die Downloads für 0,99 Cent anbieten, immer noch keine Regelung bezueglich der Abgaben an die Bands gibt. Hier werden Portale aufgemacht die den Musikern gerade Mal ihre GEMA, die ihnen eh zusteht, anbieten. Also das sollte alles richtig geregelt werden. Diese Downloads machen unsere Szene kaputt. Bands haben geringere Verkaufszahlen, an denen sie gemessen werden. Bei einer Band wie Metallica macht das nichts aus, aber bei so Bands wie uns, die abhaengig sind von solchen Zahlen um auf Tour gehen zu koennen, Festivals zu spielen oder schlimmer noch, dadurch ihren Plattenvertrag verlieren, schon. Jeder der das liest und sich jetzt ertappt fuehlt, ja ich meine dich und dein schlechtes Gewissen, der sich sagt, ach das war ja nur eine,der macht doch nichts. Die Auswirkungen zeichnen sich nachher in der Masse ab. So sind 5000 oder 10 000 Downloads für uns eine  Katastrophe und ein nicht wieder gut zu machender Schaden. Wenn diese Leute so sehr am Heavy Metal haengen, warum unterstuetzen sie dann ihre Bands nicht, indem sie deren Produkte kaufen.

Die andere Seite ist dieser Überfluss an Bands, das Ueberangebot in den Laeden, keiner weiss mehr, was er kaufen soll und die Preise sorgen dann für den Rest. CDs sind viel zu teuer und die Preisspirale nach oben kennt keine Grenze. Frueher hast du für 150 DM also 75 Euro 10 LPs bekommen, Heute bekommst du gerade Mal die Haelfte, ist das okay??. Ergo heißt das für mich, die Kaufkraft ist da schon mal um die Hälfte geschwaecht und dann noch über 500 Releases jeden Monat, damals waren es gerade mal 80, wo soll das bitte schoen hinfuehren. So ist die Szene am Leben, nur jetzt reicht es eben nicht mehr für alle und wir haben Heute noch ein weiteres Problem, die Schwarzkopierer. Frueher hat man sich Cassetten gezogen, die waren aber von der Qualitaet wesentlich schlechter als die Platte, also hat man sich die Platte besorgt. Heutzutage ist der Qualitaetsunterschied doch laecherlich, das hoert doch eh keiner mehr, also wird kopiert auf Teufel komm raus und dadurch den Musikern die Luft zum atmen genommen. Wenn keine CDs verkauft werden, wird es die Band einfach das Jahr darauf nicht mehr geben und so saegen uns diese Downloader den Ast am falschen Ende ab. Wenn sich ein Lars Ulrich beschwert, kann ich das auch verstehen, da entsteht ein betraechtlicher Schaden, doch war er es nicht, der mit Metallica die Kopiererei Werbetechnisch klug vermarktet hat. Da denke ich entsteht eben wie gesagt ein Schaden, aber die Band kann weiter leben. Eine Band userer Groesse hat da aber ganz andere Probleme.  Die Plattenfirma erwartet 10 000 verkaufte CD`s, du verkaufst aber nur 6500 CD`s, weil 3500 CD`s kopiert wurden und schon bist du draussen. Zumal die Verkaufszahlen auch daueüber entscheiden ob du nun auf das Billing von diesem oder jenem Open Air kommst.  Aber trotz alledem, es gibt Gott sei Dank in der Szene genuegend Fans die sich eine CD runterladen, anhoeren und sie dann im Laden kaufen. Das ist auch okay! Jeder kann hier seinen Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung beitragen. Wenn nur noch alles runtergesaugt wird, wird es viele, vor allem kleine, CD Laeden bald nicht mehr geben und diese Leute werden dann entlassen. Vertriebe werden ueberfluessig und Plattenfirmen braucht auch keiner mehr, da die Bands ihre  Songs direkt ins Netz stellen koennen. Aber was wir hier immer alle vergessen, eine gebrannte CD haelt nicht lange und das ist ja der Witz bei dieser Geschichte, auch diese Sache hat ihre negativen Seiten, nach spaetestens zwei Jahren kannst du das gleiche Produkt wieder runterladen und musst wieder zahlen, toll und dann, da bin ich mir sicher, waerst du mit einer richtigen CD wesentlich billiger gekommen. Zumal die Downloads 0,99 Cent pro Song kosten das sind bei 10 Songs 9,99 Euro und dafuer bekommst du noch kein Booklet mit Bilder und den Texten. Also vergiss es. Das Geld, was den Bands zusteht bekommen zuzeit dubiose Freaks und diese machen nun mal gar nichts für die Szene. Kauft lieber das richtige Produkt, das macht Sinn. Aber Hand aufs Herz, ist es toll, nur noch so alleine vor dem Rechner zu sitzen? Wir sind immer 5 Mann hoch losgezogen und haben uns die LP’s zusammen gekauft und das hat einen Riesen Spass gemacht. Danach eine ordentliche Listing Session und das war ein toller Tag mit Freunden. Aber jeder sollte das so machen wie er denkt. 

Zum Glueck ist ja die Castingmanie etwas abgeflaut (ich bin sicher, die neue Staffel DSDS floppt). Der neue Trend heisst Tokio Hotel. Obwohl ich die Musik und alles scheisse finde, etwas Positives sehe doch. Die Jungs spielen Gitarre und Schlagzeug. Hoffen wir, dass dadurch die dadurch die Teenies wieder zum „the real stuff“ zurueck finden.

Ja sie spielen Gitarre und Schlagzeug, nur wie. Wie soll den die Metal Szene ueberleben?? Wir leben in einer gefaehrliche Zeit, die alten Heros gehen langsam in Rente, wo sind ihre Stellvertreter??? Bands die Zukunft haben, die Karisma haben und die faehig sind gute Songs zu schreiben. Die Szene braucht neue Helden, doch es gibt einfach zu viele Bands und für die Fans wird es immer schwieriger zu entscheiden, was soll ich kaufen. Dann kommen die Reunions von alten Bands noch dazu und wir haben das Problem, das eine CD Heute fast 17 Euro kostet, vor 20 Jahren hast du für eine Schallplatte 15 DM bezahlt. Heute sollst du 34 DM für ein gleichwertiges Produkt zahlen. Spaetestens in ein paar Jahren haben wir dann dass Riesen Problem, wenn die alten Bands in Rente sind und es keine juengeren Bands mehr gibt, die ihren Platz einnehmen. Wir brauchen solche Bands wie Kiss, Black Sabbath, Motörhead, Saxon, Iron Maiden oder Judas Priest, zaehl mir hier bitte eine juengere Band auf, die gegen diese Alten Herren ansticken kann!!! Wo du hinschaust es gibt niemanden und das ist das Problem. Wir brauchen neue Helden die das Werk der Alten weiterfuehren, aber das ist doch ein Problem der Plattenfirmen. Welche Firma baut denn Heute noch eine Band auf?? Hier geht es nur um die schnelle Mark, alles andere ist scheissegal. Wir brauchen Leute mit Karisma, mit guter Musik und sie muessen ein Vorbild fuer die Fans sein, ganz einfach Typen mit Eiern und keine Idioten mit Rockstar Gehabe. Typen, die ihren Style, den sie verkoerpern auch leben und keine Wochenend Superstars. Typen, die wieder an ihr Ding glauben und in einer Band spielen die den Fans wieder zeigt, dass wenn wir zusammen halten, wir eine Macht sind. Wenn wir solche Typen gefunden haben, dann ueberlebt der Heavy Metal!!!

Das die Plattenfirmen nicht in neue Bands investieren ist tatsaechlich ein Riesen Problem. Es gibt schon eine Szene, die lebt. Aber die Majors wollen keine Aufbauarbeit mehr leisten, deshalb werden doch auch die alten Bands wieder hervorgeholt und gepusht. Laengerfristig ist diese Strategie sicher zum Scheitern verurteilt. Die Skandinavier scheinen das noch am besten zu machen, die meisten aufregenden Sachen kommen meist von dort.

Ja das stimmt schon, aber du darfst auch nicht vergessen, dass die Art von Heavy Metal al la Nightwish auch eine Erfindung von den Skandinaviern war und so wieder frisches Blut floss. Hier gab es noch keine Stars und deshalb sind Nightwish auch ganz vorne, ob einem nun diese Musik gefaellt oder nicht. Lass Nightwish aber den Bach runtergehen, was ist dann? Hier gibt es Clone ohne Ende, aber das ist nicht das Original und dasselbe wird wie ihn unserer Szene passieren.

So zum Schluss : Was sind deine Tipps für angehende Musiker?

Es gibt nur einen Tipp: ueben, ueben und nochmals ueben!!! In diesem Sinne prost!!!

Zum Schluss, moechte ich mich hier bei allen Metal Heads bedanken, dass der Metal überlebt hat und zu neuer Bluete gefunden hat, ohne die Fans waere das nie moeglich gewesen. Weitere Infos findet ihr auf unserer Homepage: www.chinchilla.rocks.de oder schaut doch mal auf unsere Festival Seite www.metalforeverfestival.de 

Danke!

Udo, ich danke dir fuer deine pointierten Ausfuehrungen und viel Glueck mit dem neuen Album und die naechsten 10 Jahre Chinchilla

(Interview by Scari)


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