BRIDES OF DESTRUCTION

"Die Idee fuer SHUT THE FUCK UP kommt von meiner Freundin..."

(Interview mit Nikki Sixx und Tracii Guns, Brides of Destruction / 22.06.2004)

www.bridesofdestruction.com

 

Anlaesslich des Konzerts von BOD im Z7 in Pratteln hatte ich die Gelegenheit ein Interview mit Nikki und Tracii zu fuehren. Es sollte ein Gespraech ueber Gemuese, Fans, die Brides, The Darkness und das Musiker auch nur Fans sind, werden. Als ich im Bus Platz nehme, sitzt dort Nikki am Laptop und spielt Tracii mit seinem iTunes gerade irgendwelche Cheap Trick Songs vor.

Hallo zusammen, hey, Cheap Trick haetten auch in der Schweiz spielen sollen, in Uster bei Zuerich, leider haben sie abgesagt

Nikki : Schade, ..Zuerich ? Wo sind wir hier eigentlich, wie heisst das hier?

Pratteln

Nikki: Pratt... was Prattel...... Broccoli ? Wir sind in Broccoli Switzerland.

Tracii: Keinen Broccoli bitte, wobei es eigentlich das einzige Gemuese ist, das ich gerne mag, mit viel Salz und Butter

Wie laeuft's, seid ihr bis jetzt zufrieden mit der Tour?

Tracii: Oh ja, es ist unglaublich, ich meine nach 20 Jahren in der gleichen Band, da gewoehnen sich die Leute an dich. Fuer uns ist es jetzt immer wieder das erste Mal, das uns die Fans mit dieser Band sehen und es ist besser als ich mir das haette vorstellen koennen, selbst bei Alice Cooper Shows.

Jetzt gesellt sich noch Saenger London LeGrand zu uns. Der schaut bereits aus, wie wenn er in 5 Minuten auf die Buehne muesste, mit Federboa, buntem Schal und Kommandantenkaeppi. Er hockt sich in die Ecke und nestelt nervoes mit seinem neuen Taschenmesser (Swiss Army Knife)herum. Das Taschenmesser ist ein Geschenk der Schweizer Plattenfirma.

Ich bin schon ganz gespannt auf die Show von heute Abend und ich weiss von einigen Fans die das ebenfalls sind.

Tracii: Wir sind ebenfalls jeden Abend ganz aufgeregt, wie’s wird. Es haengt etwas davon ab, mit wem wir spielen. Wenn wir Headlinen ist es ziemlich verrueckt, das Publikum flippt jeweils voellig aus. Wenn wir mit Korn spielen, dann ist das Publikum auf unserer Seite und laermt, bei Alice Cooper sind die Leute ruhiger, so im Sinne" Oh yeah, it’s rock’n roll."(Coole Stimme) Es haengt immer ein wenig davon ab mit wem wir spielen, aber fuer uns ist es immer ein riesiger Spass.

Was koennen wir den heute Abend erwarten, spielt ihr Doppel-Headliner Show mit Alice, oder mehr kurz als Supporting Act?

Tracii: Nein, wir spielen 45 Minuten, ein kurzes Set, Boom

Das reicht ja fuers ganze Album

Tracii: Ja, aber wir werden nicht das ganze Album spielen, es gibt noch etwas LA Guns, Motley Crue

Nikki: Es kommt schon darauf an, wo wir spielen, aber mit Alice ist es ganz anders als der Rest der Tour. Hier ist es sein Publikum, das aelter ist. Wenn wir unser Set beendet haben, denken sie schon, hey wow, das war cool. Unsere Fans sind aber viel juenger. Hier sind ein paar Motley Crue Fans, ein paar LA Guns Fans und solche die einfach diese Musik kennen, aber die Brides Fans sind juenger. Wenn du ins Publikum schaust, siehst du die Jungen mit solch einem Gesicht (macht eine Jubelgeste) und die aelteren mit solch einem (macht ein erstauntes, mit offenem Mund) Gesicht. Wenn wir Headlinen sind das 2000 bis 3000 Leute zwischen 14-25 Jahre alt

Tracii: Die voellig durchdrehen..

Nikki: Wir erfinden uns jeden Abend selber neu und das ist gut so

Tracii: Und wir stellen ihn vor. Er zeigt auf London

London: Jeden Tag wache ich auf und dann die legen mir so daemliche Klamotten hin. Wann und wo soll ich das schon wieder anziehen? Sie sagen dann immer, dass du musst das anziehen

Nikki: Wir kleiden ihn...

Tracii: (zu mir) Hab ich dir nicht gesagt, London luegt die ganze Zeit? (Hat er) Lautes Gelaechter im Bus.

Gibt’s einen grossen Unterschied zwischen der Musikszene den Staaten und Europa fuer euch?

Tracii: Nicht fuers uns, jetzt. Im Moment sind wir ueberall neu, die Begeisterung ist an allen Orten gleich. Aber hier in Europa sind die Fans loyaler zu den Bands. In Amerika ist die Aufmerksamkeitsspanne sehr kurz.

Nikki: Das Problem in den USA ist ausser dem Praesident, (Pause) ...der Praesident. Nein, Scherz beiseite, das Problem in Amerika ist die Kontrolle durch das Radio und das Radio ist kontrolliert durch Medienkonzerne. Es findet eine regelrechte Gehirnwaesche mit den Leuten statt, sodass sie am Schluss wirklich glauben, dass das was sie im Radio hoeren, wirklich das ist, was sie wollen. Hier laeuft’s weit weniger uebers Radio. Hier geht’s um wahre Musik. Die Fans erfahren von dem Brides durch Mund zu Mund Propaganda und durch die Presse. Deshalb ist es fuer eine Band wie uns hier eigentlich besser. In Amerika dauert es wegen der Radiokontrolle viel laenger bis man sich durch den ganzen Schrott durchgesetzt hat. Es wird dort soviel bezahlter Mist gespielt, dass die Leute tatsaechlich glauben, all die Bands die aussehen und toenen wie die 30 anderen vorher, seien cool. Wenn sich aber die Fans wirklich die Muehe machen um neue Musik fuer sich zu entdecken, dann bringt dich das richtig vorwaerts.

Das ist allerdings hier nicht viel besser, alle Radiostationen spielen meistens die gleiche Sauce. Sehr viele Leute hoeren bloss, was den ganzen Tag im Radio gedudelt wird.

Tracii: Kann schon sein, aber in Europa sind die Metal-Fans sehr aktiv und interessiert. Sie suchen in den CD-Laeden oder im Internet immer nach etwas Neuem, wollen etwas Frisches entdecken. Zu Anfangs haben wir stark aufs Internet gesetzt. Wir haben unser Album 6 bis 7 Monate vor dem offiziellen Release im Internet gratis bereitgestellt. Wir wollten dieses "ich hab’s, ich hab’s" Gefuehl bei unseren Fans hervorrufen. Fuer uns hat das wunderbar funktioniert, weil wir nicht mehr so extrem aufs Geld angewiesen sind. Die Musik gratis uebers Internet zu verteilen hat uns geholfen, viele Leute zu erreichen. Die Musik im Internet zu verschenken hat sehr gut fuer uns funktioniert.

Die ganze MP3 Problematik von wegen illegaler Downloads und das Gejammer der Industrie ist fuer euch also kein Thema?

Tracii: Nein, fuer uns ist das Promotion, wir haben damit kein Problem

Nikki: Weisst du, wir sind keine Businesstypen, wir sind Musiker und Fans. Stell dir vor, wie bloed das es waere, wenn du ein Band verehrst, so wie z.B. ich Aerosmith als ich aufwuchs, und Aerosmith verklagen dich, erzaehlen dir das es falsch ist ihr Fan zu sein, bloss weil ich das Album 2 Wochen vor dem Erscheinungsdatum bereits runtergeladen habe. Da kann ich bloss sagen "fuck you". Das ist doch der falsche Weg.

Tracii: Fuer junge Bands ist es schon hart, die brauchen jeden Dollar den sie bekommen koennen, denen tut’s schon weh. Aber Metallica oder uns tut es nicht mehr weh. Meine Theorie ist, dass wenn die Leute deine Musik moegen, dann unterstuetzen sie dich auch und kaufen deine CD.

Nikki fummelt schon die ganze Zeit an seinem Mac herum und spielt staendig irgendwelche Songs vor. Jetzt dreht er die Lautstaerke hoch und schieb das Teil Tracii unter die Nase. "Erkennst du es? Es handelt sich um ein Cover von SHOUT AT THE DEVIL, eine Industrial Version. " Oh yeah, Electric Hellfire Club, cool."

Ist das ein Hobby von euch, Covers eurer Eigenen Songs im Internet zu suchen?

Nikki: Nicht direkt, meistens bekommen wir das Zeugs von Fans zugeschickt. Einige Sachen davon sind echt klasse.

Die Diskussion ueber Bands und Musik laeuft weiter, der Song, ein Anderer und noch Einer...

Tracii: Wir sind Musikfreaks, das tun wir haeufig. Hoeren uns dies und das an, was ist daran cool und was nicht, diskutieren ueber solche Sachen. Wir haben Bluetooth an unseren Laptops und so koennen wir gegenseitig immer die neusten Sachen austauschen.

Was haltet ihr von The Darkness?

Tracii: Ich denke sie sind cool, sie spielen Rock, es ist grossartig. Ich kenne leider nicht das ganze Album und habe bloss einige Songs gehoert, aber das Falsettding gefaellt mir, sie haben coole Klamotten, sie sind eine Rockband und die Welt braucht mehr Rockbands. Sie oeffnen die Tueren fuer andere, das ist doch ok?

Es findet zurzeit ein eigentliches Rockrevival statt, dank Band wie The Jet oder The White Stripes. Viele junge Leute haben den Radiomuell satt.

Nikki: Genau, sie sind gelangweilt, es ist wieder 1983

Tracii: Was ich speziell mag an den neuen Bands ist Folgendes. Ich habe ihre Interviews gelesen und sie sprechen haeufig von den alten Bands aus der Vergangenheit. All die jungen Fans denken dann, oh, ich muss also noch diese Band anhoeren und jene auch noch, weil die andern staendig davon sprechen. Das ist dann gut fuer uns.

Mr. Sixx unterbricht mit einem Queeneinschub das Gespraech. Alle lauschen den Klaengen vom QUEEN II Album, dann wird etwas mit den Koepfen gewackelt, wie in Wayne’s World. "Ist ein bisschen wie The Darkness, oder? Queen sind natuerlich besser..."

Eure Songs sind zum Teil aggressiv und haben einen wuetenden Unterton. Seid immer noch wuetend?

Nikki: Wir sind nicht wuetend, wir sind manchmal kleine Klugscheisser und lachen gerne ueber andere und uns selbst, meistens ueber uns selber.

Tracii: Die Idee fuer SHUT THE FUCK UP kommt von meiner Freundin, diese Wut kommt von einer Frau. Ich mag es aggressiv Gitarre zu spielen und das braucht dann natuerlich einen Zusammenhang zu den Texten.

London: (immer noch mit seinem Taschenmesser beschaeftig) Es dauert zu lange dieses Ding zu oeffnen, ich glaub darueber schreib ich meinen naechsten Song

Nikki: Das naechste Album bekommt mehr Sextexte (lacht und den Rest kann ich hier nicht wiedergeben) wird noch viel heavier und hat noch mehr Power.

Zurzeit sind Supergruppen wie Audioslave oder aktuell Velvet Revolver in. Seht ihr euch auch als eine Art LA Glamrock Supergruppe?

Nikki: (Widerspricht heftig) Nein, auf keinen Fall. Nein, das ist genau das was wir nicht wollen. Wenn wir dass gewollt haetten, dann waeren wir vier Leute aus bekannten Bands. Tracii und ich spielen zusammen weil wir uns moegen und schaetzen.

Tracii: Mit wem sollten wir den sonst zusammen spielen? Das ist doch die Frage.

Nikki: Die Frage muesste lauten: Wer zum Henker will mit uns beiden spielen?

Tracii: Wir setzten uns zusammen und sagten uns, hey, lass uns die beste Band der Welt zusammenstellen, das haben wir schon mal gemacht, also los, let’s do it again. Das ist total aufregend. Als er (deutet auf London) dazu kam, sagten wir ihm, wow, schau mal was wir haben, das ist unser Art von Supergruppe.

Und jetzt zur heiklen Frage des Tages. Was geschieht mit den Brides wenn Motley Crue naechstes Jahr auf die Tour fuer den Film "The Dirt" gehen?

Tracii: Wir machen Pause, eine wohlverdiente Pause. Er (Nikki) muss allerdings arbeiten. Dafuer ist er aber gut bezahlt. Aber ums Geld geht’s ja gar nicht.

Ich hab gelesen, diese Tour fuehrt nicht nach Europa?

Nikki: Was, die Motley Tour? Da steht doch noch gar nichts fest, wir haben noch gar nichts gebucht. Und was im Internet steht ist sowieso alles gelogen.

Wisst ihr schon etwas darueber, wer eure Rollen im Film spielen wird?

Nikki: Nochmals, es steht noch gar nichts fest, wir haben noch nicht mal das Skript ganz fertig geschrieben.

Tracii: Rowan Atkins, Mr. Bean, das waere doch ideal (lacht)

Nikki: Ich interessiere mich zurzeit nicht sehr fuer Motley Crue, wir sind die Brides und das zaehlt im Moment.

Ich wollte mich eigentlich nur versichern, dass es mit den BOD weitergeht nach dieser Pause.

Tracii: Auf jeden Fall. Wir sind gluecklich dass wir Musik machen koennen. Wir sehen auch eine Zukunft fuer uns. Sicher sind wir auch stolz auf unsere Vergangenheit. Aber musizieren haelt einem laenger jung und schliesslich wollen die Kids unsere Musik, sonst sind sie traurig.

Letzte Frage: Wie seid ihr eigentlich auf euren Namen gekommen?

Tracii: Wir moegen Namen wie New York Dolls, Sisters of Mercy. Kommt dazu, dass wir aus verschieden Bands kommen, also ist es ein bisschen wie heiraten. Und die Leute nennen uns "the brides, das finden wir einfach super. Wir sind ein Haufen von Spielern, "The Cards" waeren also auch noch witzig gewesen. "Black Apple" ist immer auch noch einer meiner Favoriten. Meistens kommen all die guten Ideen ja erst nachher, aber wir koennten ja mit jedem Album den Namen wechseln, das waere spitze.

Nikki: Es waere der Albtraum jeder Plattenfirma.

Tracii: Fuer uns waer’s auf jeden Fall sehr lustig.

Tracii, Nikki, London, danke fuer das Interview, es hat Spass gemacht und ich freue mich auf die Show heute Abend. (hier klicken fuer's Live-Review)

Danke auch an Andi vom Musikvertrieb, der sich sehr dafuer einsetzte, dass dieses Interview moeglich wurde.

(Interview by Scari)


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