BACKWASH
"Aber wir sind auf keinen Fall, nie und nimmer eine Metal Band!"
(Interview mit Bob, Dezember 2006)

Ciao
Bob, danke dass du Zeit für dieses Interview gefunden hast.
Sali
Scari, danke gern geschehen
Beginnen
wir gleich ganz aktuell. Eure CD KICK ASS ist endlich in den Laeden zu kaufen,
die Plattentaufe steht unmittelbar vor der Tuere. In Zürich haengen Plakate,
die für die Plattentaufe werben. Was ist das für ein Gefühl, sich selbst auf
einem solchen Plakat zu sehen?
Es
ist echt geil, da es auch noch groesser als A3 Format ist. Hahaha...
Was
koennen wir denn im Mascotte erwarten. Es wird hoffentlich etwas Spezielles
geben?
Ja
klar, ist aber eine Ueberraschung und wird nicht verraten. Nur soviel sei
gesagt; wir wollen auf jeden Fall die Plattentaufe unsere EP FEEL ROCK toppen.
Da
war ich nicht dabei, was soll das heissen?
Damals
habe ich die CD mit einem Mixer pueriert und mit Champagner zusammen getrunken.
Das hat einen tollen Mix gegen. Den zweiten Teil vom Set hab ich dann kleinen
Stueckchen zwischen den Zaehnen gesungen. Da die Party doch recht ausgeufert
ist, hat das auch schon keine Rolle mehr gespielt. Da ja CDs im Allgemeinen
unverdaulich sind, hat es die naechsten Tage dann immer so geglitzert im Klo.
Jetzt
hat der Prozess von Aufnahmebeginn bis zum Release gut 1 Jahr gedauert. Hab ihr
da nie gezweifelt, ob den die CD ueberhaupt noch auf den Markt kommt?
Nein,
gar nicht. Es braucht offensichtlich alles eine Zeit. Hier noch ein Monat und da
3 Wochen. Es hat halt so lange gebraucht, wie es dauert. Es kommt mir vielleicht
auch deshalb nicht solange vor, da wir ja erst im Maerz gemastert haben. Die
Scheibe ist also auch noch nicht seit einem Jahr fertig.
Liest
du die Reviews, die doch recht zahlreich erschienen sind und immer noch
erscheinen?
Ja
klar, meistens bekomme ich sie sogar zugeschickt
Bis
jetzt sind die Reaktionen durchwegs positiv. Habt ihr mit solchen Reaktionen
gerechnet?
Ja
das ist schon cool und es macht Freude. Man geht ja davon aus, dass man keinen
Mist veroeffentlicht hat. Wenn’s dann aber auch allen gefaellt, umso besser.
Ich selbst hab noch keine definitive Meinung zum Album gefunden. Mir fehlt immer
noch die Distanz zu den Songs, denn seit Oktober letzten Jahres beschaeftigte
ich mich damit ja noch intensiver als sonst. Ausserdem haben wir einige davon
schon recht lange im live Repertoire. Und bei den Aufnahmen bin ich immer noch
nicht sicher. Mal find ich es super und dann wieder weniger, je nachdem wie ich
gerade so drauf bin.
Wenn
man seine erste CD veroeffentlicht, wird ja der Kreis zu Zuhoerer, aber auch der
Kritiker massiv vergroessert. Gab es auch die Angst, als Kopisten abgetan zu
werden?
Nein,
auch wenn uns auch klar ist, dass wir die Musik nicht neu erfunden haben. Wir
alle haben unsere Einfluesse. Die allermeisten gestehen uns eine grosse Frische
und Unbekummertheit in unserem Schaffen zu. Wir geben jedem Song sozusagen den
Backwash Touch.
Interessant
ist zu lesen, dass bei den Einfluessen nebst den ueblichen Verdaechtigen von den
Kritikern haeufig Black Crowes genannt wird.
Ja,
ist mir bis jetzt nicht in den Sinn
gekommen. Kuerzlich hab ich mit unserem Drummer Spiga im Auto eine Black Crowes
CD gehoert. Ich finde nicht, dass da grosse Parallen sind, hoechstens vielleicht
Ansatzweise. Ich meine, aber dann koennt ich dir hier meine gesamte CD Sammlung
als Einfluss nennen. Ich mag die Jungs, speziell den Saenger find ich cool. Wenn
ich einen Saenger nicht mag, dann find ich eh meistens die Band Schrott. Auch
ihre Haltung gefaellt mir, sie haben so eine gewisse Selbstironie. Das ist dann
vielleicht eine Parallele zu uns. Da ist der Vergleich dann OK. Mehr Muehe
haette ich, wenn man uns mit einer Metal Band vergleichen wuerde. Da nehmen sich
doch einige sehr ernst. Aber wir sind auf keinen Fall, nie und nimmer eine Metal
Band. Bei der FEEL ROCK EP gab’s zum Teil Vergleiche, die uns doch sehr
erstaunt haben und die wir nicht nachvollziehen konnten.
Hast
du das Gefühl, dass jetzt der Erwartungsdruck auf die Band zugenommen hat?
Nein,
ich versuche einfach alles so zu nehmen wie es kommt. Den grossen Optimisten geb
ich schon lange nicht mehr. Aber im Moment bin ich eigentlich ganz zufrieden
wie’s leauft. Ich hab auch nicht das Gefuehl, wir muessten uns jetzt verbiegen
um irgendwem gerecht zu werden. Klar gab’s Momente, wo man sich Gedanken
macht, zum Beispiel als waehrend den Aufnahmen ein Budget Problem auftauchte.
Aber eigentlich geht’s doch nur um Rock’n Roll. Mehr darf es auch nicht
sein, sonst verfaelscht es alles. Das ist nur ein kleiner Gedanke, aber ein
wesentlicher.
Wie
war denn eure Zusammenarbeit mit Produzent Tommy Vetterli. Es war immerhin das
erste Mal, dass die Band sich sozusagen von einem aussenstehenden dreinreden
lies.
Ja
ist so. Nun, ich bin eigentlich immer offen fuer Vorschlaege, auch wenn es
Sachen gibt, von denen ich von Anfang an nicht glaube dass sie klappen. Aber man
soll es sich immer anhoeren, wenn jemand etwas zu sagen hat, auch wenn man am
Schluss nur 10 Prozent davon verwertet. Man waere ja schoen bloed, wenn man
nicht versuchen wuerde, von den Erfahrungen eines alten Studiohasen zu
profitieren.
Wenn
die CD dann fertig aufgenommen ist, geht es erst richtig los. Mit dem Release
einer CD kommt das MusikBusiness ins Spiel.
Das
stimmt schon, nur hab ich persoenlich nicht viel damit zu tun. Vielleicht waere
es anders, wenn wir ein Schweizer Label haetten und alles viel naeher bei uns
hier waere. Ich zweifle aber, dass das gut waere. Wenn sie uns zu einer
Autogrammstunde ins Einkaufscenter schicken wuerden... ich weiss nicht... in den Letztipark (Zuerich) hahahaha... Nein, es
ist schon ganz Ok
wie es zurzeit laeuft. Als wir die Angebote der Labels studierten, hat
man schnell gesehen um was es da geht. Das eine Angebot z.B. sah ja ganz in
Ordnung aus und trotzdem hatte es Aspekte, die einen zwiespaeltigen Eindruck
hinterliessen. Bei unserem Label Perris haben wir das Gefuehl, der Fokus liegt
auf der Musik. Und dass ist es, was zaehlt. Nur mit Promotion kannst du es auf
die Dauer nicht richten. Die Leute muessen spueren dass es echt ist. Dann kaufen
sie deine CD auch. Sonst downloaden sie deine Sachen.

(Backwash bei der Taufe von "Kick Ass")
Das
naechste Schritt ist doch jetzt sicher eine Tour, am besten als Vorband, zu
spielen ?
Das
waere sicher der naechste Task, wenn etwas zustande kommen wuerde. Noch gibt es
aber keine Plaene.
Trotzdem
ist es dann so, dass ihr dann wieder ganz von Vorne beginnen muesst. Hier in
Zuerich seid ihr ja inzwischen eine etablierte lokale Groesse, ab jetzt heisst
es wieder um jeden neuen Zuschauer kaempfen.
Ja
aber gerade das finde ich geil. Man kann sich sozusagen wieder neu erfinden. Das
gibt dir eine gewisse Narrenfreiheit. Du spielst vor Leuten, die dich noch nie
gesehen haben und auch nicht kennen. Am Anfang stehen sie noch mit den Haenden
in den Taschen da und hoffen das die Vorband endlich fertig wird. Diese
Zuschauer auf deine Seite zu ziehen, das ist spannend und macht Spass.
Ich
nehme an, ihr schreibt weiterhin fleissig neue Songs. Spielt ihr die dann auch?
Die meisten Zuschauer kommen doch wegen des Albums und wollen diese Songs hoeren.
Klar,
dieser Prozess hoert nie auf. Wir streuen ab und zu was Neues ein. Die Songs auf
dem Album sind ja zum Teil schon 4 Jahre alt, aber es ist kein Problem diese
immer noch zu spielen. Man muss dem Publikum auch geben, was sie wollen. Ich
denke, es gibt Leute, die uns noch nie gehoert haben und sie kommen um
genau diese unsere Songs zu hoeren. Kommt dazu, es gaebe auch einen
Schwanzbeissereffekt, wenn wir jetzt ein Set aus nur neuerem Material
zusammenstellen würden. Und dann, in 2 Jahren kommt eine neue Scheibe mit
diesen Songs, die wir dann nicht mehr spielen, da wir es bereits 2 Jahre lang
getan haben? Das ist auch keine Loesung, und sowieso, ist es doch gar klein
Problem. Ich meine, wie lange spielen AC/DC jetzt schon Highway to Hell? Seit
1979, na und es rockt immer noch, also so what...
Backwash
eilt der Ruf voraus, den Rock’n Roll Lifestyle auch zu leben, den sie auf der
Buehne vertreten. Solltet ihr mal für laengere Dauer unterwegs sein, geht das
gut oder müsstet ihr den Partylevel etwas runterfahren?
Oh
je, das ginge groeber in die Hose. Nein, so 3-4 Wochen touren ist eine
sportliche Höchstleistung. Da gibt’s nur Wasser und viel Schlaf. Nein, das
geht anders gar nicht. Sonst spielst du maximal 3 Gigs und dann bist du am
Arsch, und zwar so richtig. Die Erfahrung haben wir im letzten Fruehjahr
gemacht. Und da war bloss jedes Wochenende ein Konzert. Aber da haben wir immer
maechtig gefeiert und dann am Freitag noch die Augenringe vom letzten Freitag
gezaehlt. Der Energielevel sinkt dabei stetig und die Stunde auf der Buehne ist
einen intensive Sache. Wenn Du da nicht richtig fit bist, geht auf die Dauer
nichts. Speziell jetzt wo es darum geht, neue Fans zu gewinnen, kannst du nicht
voellig verkatert und verpennt auf die Bühne kommen. Es ist den Fans auch egal,
den wievielten Gig du spielst, sie haben Eintritt bezahlt. Andere Bands koennen
das auch, also gibt’s da keine Ausrede. Und auf Tour sein heisst ja auch,
nicht in dem eigenen bequemen Bett schlafen, sondern unregelmaessig essen und
wenig schlafen. Kommt dazu, dass man sich noch dem Musikbusiness zur Verfuegung
stellen muss. Dem allem muss man sich bewusst sein. Viele Bands wollen eine
Platte machen, kuemmern sich aber eine Scheiss um die Vermarktung. Das geht
einfach gar nicht, heute sowieso nicht mehr. Die „ihr könnt mich alle mal“
Haltung zieht auch nicht. Heute erscheinen woechentlich so viele neue CDs, da
musst du dir schon klar sein, dass auf dich keiner wartet. Also musst du was für
den Erfolg unternehmen. Kuerzlich hatte ich ein Radiointerview und in der Nacht
zuvor wenig geschlafen, aber da musste ich halt durch. Prinzipiell muss man
einfach wissen, die Prioritaeten richtig zu setzten. Das gilt zum Beispiel auch
für die Plattentaufe. Seit letztem Sonntag ist regenerieren angesagt. Dieser
Event ist für die Band extrem wichtig und wir wollen alle am Montag auf dem
Punkt sein.
Damit
sind wir wieder beim Einstieg unseres Gespraechs angelangt. Was erwartet ihr
euch von der CD-Taufe?
Wir
wollen eine wirklich geile Show abliefern. Es ist ja auch gleichzeitig ein
Showcase für die eingeladenen Medienvertreter. Wir liefern sozusagen unsere
Visitenkarte ab. Die soll schon etwas hergeben. Und selbstverstaendlich wollen
wir auch unseren langjaehrigen, treuen Fans
etwas Besonderes bieten.
Tolles
Schlusswort. Danke Bob fürs Interview und ich bin gespannt auf die
Plattentaufe.
Gern
geschehen und bis bald am Konzert.