ALEXISONFIRE
"Ich beschreibe Musik nicht gern mit Worten"
(Interview mit George, Oktober 2009)

Hi George,
schön dich zu treffen. Wie war denn die Tour bis jetzt?
Die Tour war bis jetzt ganz gut. In England haben wir viel geschlafen. Wir
hatten auch ein paar Probleme mit dem Bus. Es scheint eine sehr beliebte Zeit zu
sein, um in Europa und England zu touren. So mussten wir ständig die Busse
wechseln. So waren wir alle ein klein wenig genervt. Aber sobald wir in Europa
(ich glaube George meinte nun das Festland) waren, wurde es besser. Das Essen
wurde besser (Minzsoße und Fish&Chips sind nicht jedermanns Sache)und es geht
bergauf.
Jetzt seid ihr
mit drei anderen Bands auf Tour. Zu meiner Zeit, also, als ich noch jünger war,
gab es den Mainact und einen Supportact. Was denkst, du, warum wird das
heutzutage immer mehr mit den Supportbands?
Das ist hart zu sagen. Aus der Szene, aus der wir kommen, war es eher selten nur
zwei oder drei Bands zu sehen. Es waren meistens so um die sechs, sieben. Ich
glaube das kommt daher, dass man die Hallen voll bekommen möchte und so ein
breiteres Publikum anspricht. Ich mag es auch gerne viele Bands zu sehen. Und
ich denke es funktioniert.
Wie kommst du
mit den anderen aus den anderen Bands klar? Habt ihr euch alle lieb?
Ja, auf dieser Tour ist es super. Hier gibt es keine Egotrips, alle sind
sehr freundlich zueinander
Schlaft ihr in
einem Hotel oder im Tourbus?
Wir schlafen im Tourbus. Das würde wohl zu teuer kommen, Tourbus und Hotel.
Bist du ein
Vollzeit-Musiker oder hast du noch nen anderen Job?
Ich bin ein Vollzeitmusiker.
Und was machst
du, wenn du keine Musik machst?
Normalerweise bin ich zu Hause bei meiner Frau. Gehe auf Konzerte, lese
Bücher. Ich habe in Kanada eine TV-Show, in der ich Bands interviewe . Also
nicht sehr viel.
Was macht dich
glücklich?
Oh Mann… schöne Musik macht mich glücklich und meine Frau macht mich sehr
glücklich. Sie macht mich genau so glücklich wie sie mir manchmal den letzten
Nerv raubt! Ein Teller gutes Essen, meine Freunde, Feuerwerke. Ich liebe
Feuerwerke!
Und was macht
dich wütend?
Ungerechtigkeit. Bestimmte Arten von Musik machen mich auch wütend (lacht).
Woher nehmt ihr
eure Song-Ideen? Erzählt ihr Geschichten oder habt ihr eine bestimmte Message?
Beides. Jeder Song ist sehr verscheiden. Es kommt drauf an was mich
inspiriert. Manchmal ist e seine Geschichte. Manchmal will man seinen Standpunkt
klar machen, manchmal will man etwas erzählen, was einem wichtig ist. Nicht
jeder Song ist gleich geschrieben.
Was ist zuerst
da, die Musik oder die Texte?
Das ist auch wieder sehr unterschiedlich. Manchmal der Text, manchmal die
Musik. Manchmal kommt die Idee für einen Song lange bevor die Musik dazu
entsteht. Und manchmal ist die Musik schon lange fertig bis der Text dazu
entsteht.
Was denkst du,
wie hat sich eure Musik seit den Anfängen verändert?
Nun, mit jedem der vier Alben hat sich unsere Musik verändert. Wir sind
einfach auch bessere Musiker geworden und wissen nun besser was wir als Band
wollen. Als wir angefangen haben waren wir jungfräulich, was das Business und
das Produzieren und Schreiben von Songs angeht. Alles was damals zustande kam,
war einfach, das was aus uns rauskam, Natur sozusagen. Danach konnten wir das
fertige Album mit etwas Abstand betrachten und entscheiden, was wir als nächstes
tun wollen. So machen wir das nun mit jedem Album. Wir sagen dann: OK, das
nächste Album wird anders, auf diese oder auf jene Weise. Es hängt davon ab, was
wir lesen, welche Musik wir hören.
In dem Song „Son
Of The Privilge“ geht es ja um die Privilegierten. Nun mal angenommen ihr
werdet sehr erfolgreich, verdient sehr viel Geld, du heiratest und bekommst
Kinder. Dann sind deine Kinder auch Söhne/ Töchter eines Privilegierten. Was
würdest du anders machen?
Oh wow…Ich weiß nicht genau. Also, in dem Song geht es nicht um die
Mittelklassefamilien, die für ihre Kinder vorsorgen und eventuell zwei Autos in
der Garage stehen haben. Gemeint sind die, die über Generationen Reichtum
angehäuft haben und zur Volljährigkeit Billionen von Dollars ihr eigen nennen
können, ohne jemals was dafür getan zu haben. Und das sind die Menschen mit
Macht von Morgen. Wenn ich an deren Stelle wäre, würde ich den Reichtum etwas
besser verteilen. Ich würde nicht so dekadent sein und würde den Menschen mehr
geben, die es mehr bräuchten als ich.

Wie findest du
es, dass Barack Obama den Friedens Nobel Preis bekommen hat?
Ich war überrascht, weil…ich mein, ich liebe Barack Obama, wie die meisten
liberalen Menschen. Ich erinnere mich, sie haben ihn als Pastor porträtiert, als
schwarzen Nationalisten. Man kaufte eine Stunde TV-Zeit und zeigte der Welt, das
wäre der Deal, wenn er gewinnt. Man hat mit ihm über die Situation jetzt geredet
und zwar nicht wie mit einem kleinen Kind. Aber ob das den Friedens Nobel Preis
rechtfertigt? Ich denke, er könnte mehr tun, um ihn zu verdienen. Da sind immer
noch zwei Kriege, die Amerika führt. Irak und Afghanistan. Schaut hin und hört
zu! Da könnte viel mehr getan werden, um das Leben so vieler besser zu machen.
Afgahnistan scheint ein zweites Vietnam zu werden. Ob nun Barack Obama den
Friedens Nobel Preis verdient oder nicht… ich denke es gibt Menschen, die ihn
mehr verdient haben, ich weiß aber nicht wer. Es hat mich einfach überrascht.
Vielleicht war
es einfach zu früh dafür…
Ja, auf alle Fälle. Vielleicht war es auch für die Hoffnungen und die
Veränderung, für die er steht.
Nun lass und
mal wieder über die Musik reden. Wie würdest du sie in eigenen Worten
beschreiben?
Ich weiß nicht. Ich beschreibe Musik nicht gern mit Worten. Es ist einfach
heavy, harter Rock. Wir haben drei doch sehr unterschiedliche Sänger, wir haben
schnelle Songs und langsamere Songs… sehr schwer zu erklären.
Sind drei
Sänger nun genug?
Ich glaube schon. Aber es kommt immer mal vor, dass wir einen befreundeten
Sänger mit auf einem Song singen lassen. Aber in der Band reichen drei.
Wie lange
werdet ihr noch auf Tour sein?
Dreieinhalb Wochen sind wir nun noch auf dieser Tour.
Eher Studio-
oder Live-Band?
Ich würde sagen eher eine Live-Band, aber ich würde nicht sagen, dass wir
nicht auch gern im Studio sind. Wir touren einfach mehr, als dass wir Songs
schreiben.
Gibt es
jemanden, mit dem ihr gerne zusammen arbeiten würdet?
Wir arbeiten schon mit den Leuten zusammen, mit denen wir das tun wollen.
Ich würde zwar gern mal einen Song mit Nick Cave machen, aber das wird wohl nie
passieren (lacht).
Was sind eure
nächsten Pläne wenn ihr wieder zu Hause seid?
Wir arbeiten weiter an einer EP. Es werden wohl vier Songs werden, die wird
es dann unter anderem auf Itunes geben. Im Februar gehen wir mit Billy Talent
auf Tour in Australien.
Ich hab gesehen
du hast Tattoos…
Ja, die habe ich!
Hat es weh
getan?
Ja!
Wo hat’s am
meisten weh getan?
Am Rücken und an der Hinterseite meiner Waden, an meinen Füßen. Sie haben
eigentlich alle weh getan!
Gibt es für
dich eine Verbindung zwischen Rock-Musik und Tattoos?
Hm…Ich hasse die Idee… also… ich mag die Idee ein Tattoo zu bekommen oder
mir eins machen zu lassen. Und ich hab damit angefangen, als ich auch angefangen
habe Musik zu machen. Ich weiß nicht ob ich Tattoos hätte, wenn ich nicht Musik
machen würde. Also, ja da ist eine Verbindung. Aber es gibt auch viele Dinge in
der Tattoo-Kultur, die ich nicht mag.
Haben deine
Tattoos eine tiefere Bedeutung für dich?
Sie sind mehr Zeitzeugen. Jedes Tattoo hat seine Zeit und an de erinnert es
mich. Das hier sieht aus wie eine Schlange, es ist nur eine fucking Schlange,
nix anderes! Da gibt es kein… das ist ein Symbol für meine Seele, es ist einfach
nur eine Schlange! Und es nervt mich, wenn Leute so über ihre Tattoos reden.
Was denkst du
übertätowierte Frauen?
Och, ich find sie nett. Aber für mich müssen sie geschmackvoll sein. Da gibt
es diese übertätowierten Frauen, die Sleeves von Kopf bis Fuß haben und dann
gibt es die kleineren Tattoos an den richtigen Stellen.

Ich geb dir jetzt immer einzelne Worte und du sagst mir was dir dazu einfällt, ja? Fertig?
München:
München… das ist schwierig. Wenn ich an München denke, fällt mir immer der Hagel
ein! Wir haben da eine Show gespielt, ich war gerade oben an meinem Computer und
da fing es plötzlich wie wild zu hageln an. Innerhalb einer Minute fingen der
Regen und dann der Hagel an. Das ist meine große Erinnerung an München
Bier:
Bier.. hm.. da denke ich an große Blasen.
Whiskey:
Oh ja, nein! Whiskey und Frauen… Whsikey ist wie… er ist so gut! Er ist
definitiv mein Lieblingsdrink, aber man kann davon auch zu viel trinken.
Manchmal trinkt man eben GENUG Whiskey
Casting-Shows:
Das ist einfach nur Müll! Nicht anschauen!
Wahre Liebe:
Sie existiert. Wahre Liebe ist… ich weiß nicht, es sind tausend kleine Dinge. Es
ist kein so großes Hollywood-Ding, aber viele kleine Dinge, die du mit deiner
Freundin oder deinem Freund machst.
Regierung:
Es ist Ok, glaube ich. Die Regierung frustriert manchmal.
Sex, drugs and
rock’n’roll:
Ähhhm… ja, alles drei!
Und nun hast du
noch die letzten Worte…
Die letzten Worte… uhhh… danke vielmals. Mir fällt nix besseres ein!
(Interview by Melanie)