AD-RIAN

"Wer den Wert kleiner Dinge nicht schätzen lernt, kann unmöglich konstruktives bewegen in dieser Welt..."

(April 2008)

 

www.ad-rian.com

 

Kommen wir gleich zu Deinem neuen Album (BERLIN BY NIGHT) zu sprechen. „Can’t Stop The Pain“, „It’s all about LOVE“ und besonders “Broadway” sind meine absoluten Favoriten. Auch wenn Du wahrscheinlich alle Songs des Albums liebst – welches sind DEINE Favoriten?

Nun ja, natürlich sind alle Songs meine Babys aber bei mir ist es sehr von der Stimmung abhängig. Wenn ich „powerig“ drauf bin mag ich z.Bsp. „New World“, wenn ich etwas melancholisch drauf bin, mag ich „Thousend Rivers“, „Broadway“ oder „Berlin By Night“. Das ist immer etwas unterschiedlich.

Die Ballade „Broadway“ besticht durch einen gefühlvollen Saxophon-Einsatz, den man in der heutigen Rock- und Popwelt eher selten antrifft und eigentlich eher an die 80er-Jahre Popmusik erinnert. Magst Du 80er-Jahre Pop oder was hat Dich dazu bewogen, ein Sax-Solo einzubauen?

Das hat weniger mit 80er zu tun und mehr mit dem Fact, dass ich den Geruch einer Grosstadt sehr stark mit einem Sax in Verbindung bringe. Der einsame Sax-Player, der an der Ecke der 5th Avenue steht und den Blues spielt. Aber um auf die 80er zurück zu kommen - ja ich mag den Sound der 80er. Unglaublich viele solide Songs. Die Studio-Technik war noch nicht so stark fortgeschritten. Mann musste noch spielen können, dass gefällt mir.

Heute kann man überspitzt gesagt falsch ins Mic hinein pusten und hinten kommt es korrigiert wieder raus. Schade eigentlich...

Um noch kurz bei „Broadway“ zu bleiben. Ist es geplant, diesen Song als Single rauszubringen? Bitte sag jetzt bloss nicht nein, denn es wäre eine Schande, denn auch wenn das Musikgeschäft unberechenbar ist – mit diesem Song MUESSTE doch viel Radio-Airplay drin sein...

Ich überlege mir gerade intensiv, wie ein Video-Clip zu diesem Song aussehen könnte. Ich bin daran Ideen zu sammeln. Im Herbst möchte ich den Song als Single bringen, gekoppelt mit einem Video. Aber Pssst....

Ich bin das erst am planen.

Seit 3 Jahren veröffentlichst Du im Jahres-Takt eine neue CD. Wieviel Kreativität steckt in AD-RIAN?

Sehr viel! Manchmal habe ich das Gefühl zu explodieren vor lauter Ideen, was man noch so machen könnte. Die Tage haben bei mir seit Jahren zu wenig Stunden und die Nächte sind häufig vorbei, bevor ich zum schlafen komme.

Das kann manchmal recht anstrengend sein aber ich habe mich arrangiert und lebe ganz gut damit ;-)

Als Schweizer Musiker hat man es wohl nicht leicht. Was sind Deine Träume und Ziele?

Nun ja, Träume... Ich habe viele meiner Träume verwirklichen können. Nun aber möchte ich gesund bleiben und wünsche mir für die Welt Toleranz und Akzeptanz. Dies klingt jetzt recht klischeehaft aber es nervt mich manchmal ganz gewaltig, dass sich viele Länder dieser Welt in den Haaren liegen. Was für Träume sollte man als alter Hippi haben...? Love, Peace and Rock & Roll ? Das klingt ja noch übler als Toleranz und Akzeptanz.... Vielleicht sollte ich hier aber auch schreiben, „ich möchte viele CD’s verkaufen und die Leute mit meiner Musik erreichen“, das wäre auch nicht gelogen.

Den Text zu „Wings In The Wind“ stammt von Dir und Deiner Mutter Irene, welcher Du das aktuelle Album widmest – zudem war dieser Song bereits auf deinem letzten Album „La Maison Bleue“ vertreten. Dies wirft die Vermutung auf, das speziell dieser Song einen besonderen Platz in Deinem musikalischen Leben einnimmt. Was bedeutet er Dir und inwieweit hat Deine Mutter das Album „Berlin By Night“ beeinflusst?

Meine Mutter hatte generell schon immer einen grossen Einfluss auf mein kreatives Arbeiten. Sie war kreativ, kommunikativ und ein Sonnenschein, der die Herzen der Menschen erleuchten konnte. Wer Sie kannte, weiss von was ich rede – Ein beeindruckender Mensch, mit enorm viel emotionalem Power. Von Ihr habe ich gelernt, mit einer positive Einstellung auf Menschen zu zugehen. Meine Mutter war auch eine „Schreiberin“. Ihr Wunsch war es immer, dass ich mal einen von Ihren Texten vertone um ein Lied daraus zu machen. „Wings in the wind“ basiert auf einem Gedicht das sie geschrieben hatte. Flügel im Wind war der Original-Titel  des Textes. Es war mir ein enorm grosses Anliegen, diesen Text zu vertonen. Er thematisiert auf sanfte Art und Weise den Abschied. Die Worte haben mich so sehr berührt, dass es nicht schwer war, ein Song daraus zu machen. Eben in diesen Momenten des Komponierens wurde mir die Verbundenheit zwischen Mutter und Sohn noch einmal deutlich vor Augen geführt. Das war für mich ein grossartiges Erlebnis.  

Ich war erstaunt, das Du Berlin in einem Song verwendest – man würde eher vermuten, das L.A., London oder Paris in einem Song auftauchen. Verbindet Dich etwas spezielles mit Berlin?

Ich habe Berlin in einer speziellen Lebensphase erlebt.

Damals fühlte ich mich ziemlich verloren, hatte enorme Probleme im Leben und war sehr depressiv. Erst ein paar Jahre später merkte ich, dass ich mich von dieser historischen Stadt so magisch angezogen fühlte, weil ich vermutlich selbst auf der Suche nach meiner eigenen Lebensgeschichte war. Ich erinnere mich immer wieder daran, wie ich total ausgebrannt durch die Nacht auf Berlins Strassen gestrauchelt bin, von einer Bar zur anderen, auf der Suche nach der inneren Ruhe.

Das Cover-Artwork der neuen CD ist stilvoll und das Booklet zeigt Liebe zum Detail. Wie wichtig sind Dir solche Dinge im Zeitalter der Musikpiraterie, wo viele die Musik „achtlos“ im Netz herunterladen und scheinbar gar keinen Wert mehr auf ein ansprechendes „Gesamtpaket“ legen?

Ich lege viel Wert darauf. Viele Dinge werden in der heutigen Zeit achtlos behandelt. Schlisst man sich diesem Verhalten an, trägt man ja nicht wirklich zu einer besseren Welt bei. Dies scheint mir jedoch sehr wichtig, wir sind ja nicht alleine auf dieser Welt. Unsere Kinder oder einfach die Generation, die nach uns kommt werden auch noch auf diesem Planeten leben. Werterhaltung ist ein wichtiges Thema. Ich bin ein absoluter Gegner der „Geiz ist geil“ Philosophie. „Geiz ist scheisse“, egoistisch und destruktiv. Wer den Wert kleiner Dinge nicht schätzen lernt, kann unmöglich konstruktives bewegen in dieser Welt. Destruktives Verhalten ist leicht, braucht nicht viele Ueberlegungen, ist aber auch absolut nicht Nachhaltig. Destruktives Verhalten langweilt mich.

Dass das Herunterladen von Musik längst kein Kavaliersdelikt mehr ist, scheinen viele leider immer noch nicht begriffen zu haben. Wie stehst Du dem Gedanken gegenüber, das es irgendwann vielleicht gar keine CD’s mehr gibt, sondern man alles nur noch lieblos im Netz gegen Gebühr runterlädt?

Das finde ich schade aber es wird sich kaum aufhalten lassen. Ich persönlich lade mir nichts aus dem Netz herunter. Die komprimiert Klangqualität nervt mich und ausserdem ist für mich Musik hören noch immer etwas Sinnliches. Da habe ich persönlich kein Bock vor meiner Kiste zu hocken und mir irgendwas runter zu laden. Lieber mache ich dabei eine Flasche Wein auf und geniesse den Sound über grosse Boxen. Musiker müssen jedoch vermutlich immer mehr beides anbieten, da nicht alle Menschen gelernt haben, oder die Möglichkeit haben, Musik auf anständigen Boxen zu hören. Es ist doch wie beim Sex.... Wenn man den Sex nicht kennt, fehlt er einem nicht. Die Vinyl Platte ist auch nie ganz verschwunden. Klar ist jedoch, dass man sich auf andere Verkaufszahlen einstellen muss als dies vor Jahren noch der Fall war.  

BERLIN BY NIGHT klingt im Vergleich zum letzten, regulären Album COMING HOME ruhiger und nachdenklicher. Zufall oder Absicht?

Absicht. Man geht ja als Songwriter auch mit der Zeit. Die vergangenen Jahre waren nachdenkliche Jahre. Die Freude an meiner stets grösser werdenden Popularität auf der einen Seite, und das Leben, wie es einem mit den Jahren prägt, auf der anderen Seite. Glück und Trauer liegen sehr nahe bei einander. Das Leben ist reich an Erfahrungen, fordert aber auch sehr viel. Dies musste ich in den vergangen Jahren immer wieder lernen, das formt einem schon sehr.

„It’s all about LOVE“ singst DU im Duett mit einem Herrn, der im Booklet schlicht als „Stoney“ aufgeführt wird. Was gibt es über diesen Mann zu sagen?

Stoney ist ein langjähriger Weggefährte von mir. Ein bemerkenswerter Sänger mit grossem Wiedererkennungswert. Stoney sang in den 80er bei der Gruppe China und später in der Popgruppe „The Jungle“. Die Jungs erreichten mehrfache Chart-Platzierungen. Ein Interpret, der die Hochs und Tiefs der professionellen Musikbranche kennt und der viele Erfahrungen gesammelt hat auf seinem Weg. Stoney und ich treten seit Jahren immer wieder als Duo auf, allerdings eher auf grossen Geschäftsanlässen und Special-Events, aber auch gemeinsame Auftritte im Volkshaus Zürich gehören zu unserer Biographie. Stoney lebt relativ zurückgezogen, wollte sich aus der Branche zurückziehen. Unsere gemeinsame Zusammenarbeit konnten wir jedoch nie lassen, sie basiert auf Freundschaft und hat daher für uns einen besonderen Wert.

Neben „Wings In The Wind“ war auch „10 Below“ bereits auf dem letzten Album „La Maison Bleue“ vertreten. Weshalb diese Neuauflage für BERLIN BY NIGHT?

Ich arbeitete eine Zeit lang an zwei Alben gleichzeitig. „10° Below“, passte einfach super in die Auswahl der Songs auf „La Maison Bleue“. Der Song hat jedoch etwas Magisches und ich wollte unbedingt auch noch eine arrangiert Version davon aufnehmen. Das ist natürlich immer ein Balance-Akt. Es ist wie wenn man erst ein Buch liest und sich danach den Film anschaut. Diese Tatsache hat mich jedoch gereizt, ich wollte herausfinden, was mit einem guten Song alles möglich ist. Wie weit kann man gehen ohne sich von der Seele des Songs zu entfernen, das fand ich spannend.

Wie ich von Dir weiss, bist Du ja gerade in Holland und Belgien unterwegs. Du hast erwähnt, das es danach wieder ins Studio geht... Wirst Du bereits am Nachfolger von BERLIN BY NIGHT arbeiten? Und wenn ja, gibt es dazu schon einige Ideen?

Genau so ist es. Es gibt schon einige Ideen dazu aber das ist noch alles in der Entwicklungsphase. Ich bin ein Reisefanatiker, unterwegs zu sein inspiriert mich sehr. Wenn ich unterwegs bin sammle ich Eindrücke, Stimmungen und Geschichten.

Das ist das Benzin für meinen Motor, würde ich nur in der Stube oder in langweiligen Clubs herum hocken, hätte ich vermutlich nicht so viele Ideen. Von nichts kommt nichts - auch nicht wenn man sich Ad-Rian nennt und singen kann.

„Wings In The Wind“ erinnert mich durch die sphärischen Klänge und partiell gesetzten Klang-Collagen etwas an die aktuellen MARILLION. Bereits in meiner Kritik zu COMING HOME fiel damals der Name der britischen Prog-„Rocker“. Ist der Vergleich im Bezug auf „Wings In The Wind“ für Dich nachvollziehbar oder denkst Du eher „Jetzt lass endlich mal die Marillion-Vergleich“? :-)

Ganz ehrlich ohne „Arschkriechen“ zu wollen, ich denke Du verstehst was von guter Musik. I love Marillion. Wie weit sich gewisse Songs aus meinem Songkatalog anderen Songs von anderen Künstlern annähern ist für mich relativ schwierig zu sagen. Mir fehlt die Distanz dazu. Ich glaube aber irgendwo zwischen Marillion und The Doors könnte sich das schon annähern. Aber ich habe eine Hochachtung von diesen beiden Bands, würde mir jedoch nicht anmassen meine Songs mit diesen Grossen Werken zu vergleichen. Es freut mich aber ausserordentlich, wenn das andere tun ;-)  

Gelegentlich machen wir in unseren Interviews ein kleines „Spiel“. Wir konfrontieren den Musiker mit diversen Dingen und bitten Ihn, spontan dazu Stellung zu nehmen. Du sollst hier natürlich nicht verschont bleiben. Also los geht’s...

Eveline Widmer-Schlumpf

Lasst diese Frau in Ruhe Ihren Job machen. Wir leben nicht in einer Diktatur. Herr Blocher, Herr Brunner und die anderen Jungs sollen das akzeptieren. Die politische Stimmung in diesem Land ist eine Katastrophe und ein absoluter „Abturner“ für die Junge Generation.

Music Star / Deutschland sucht den Superstar

Schaue ich schon lange nicht mehr. Im Alter trinkt man keinen schlechten Wein mehr ;-))

Die diesjährige EM in der Schweiz

Kenne mich mit Fussball nicht so aus. Leid tut mir einfach Herr Kuhn. Es ist zwar sein Job aber der Druck muss sehr gross sein für Ihn, ich bewundere Ihn und seine Spieler.

Reviews Deiner CD’s

Damit bin ich eigentlich sehr zufrieden. Viele Menschen sind mir gut gesinnt, das schätze ich sehr.

Reunion von Bands wie VAN HALEN, EXTREME, WINGER und WARRANT, die nun alle wieder in (oder fast in) Original-Line-Up zusammen werkeln

Finde ich OK. Vermutlich haben alle keine Kohle mehr aber vielleicht haben Sie neben der Kohle auch wieder einmal Bock auf etwas echten Rock & Roll. Es gibt eigentlich gegen Beides nichts einzuwenden.

Myspace

Tolle Sache ! Hatte anfangs etwas Schwierigkeiten mich zurecht zu finden, aber jetzt habe ich mächtig Spass an meiner Page und an dem Netzwerk welches da entsteht.

Typisch schweizerisch

SVP

Wen nennst Du, wenn Du nach deinen drei Lieblings-Schweizer Bands/Interpreten gefragt wirst?

Stefan Eicher, Dieter Meier, William White

Somit wären wir beinahe am Ende dieses Interviews angelangt. Eine Frage hätte ich aber noch: Man ist sich scheinbar nicht ganz einzig, wie man „AD-RIAN“ richtig ausspricht. Sagt man den Namen wie „ED-RYAN“ oder eher ganz simple wie die englische Version von Adrian, also „Äidriän“? 

„Ed-Ryan“ist richtig

Wo wir das nun auch geklärt hätten... noch etwas, was Du unseren Lesern abschliessend mitteilen möchtest?

You got the power, You got the right to choose. Mach Dir Deine eigene Meinung und stehe dazu. Wir müssen nicht alle gleich sein, das macht die Welt interessant.

Hiermit bedanke ich mich für das Interview und wünsche Dir viel Erfolg mit BERLIN BY NIGHT und hoffe auf noch unzählige AD-RIAN-Veröffentlichungen im Jahres-Takt :-)

Ralph, I thank you – war mir ein Vergnügen, vielleicht sehen wir uns mal an einem Marillion Konzert ;-))

Na, das will ich doch hoffen - und dann geb ich Dir definitiv auch einen aus :-)

(Interview by Ralph)


 

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