Tragische Figuren des Rock und Metal...

Nein, es geht hier nicht um die tausendste Erwähnung vom Tode eines Jim Morrisson, auch will ich mich hier nicht über Janis Joplin auslassen oder den Tod von Jimmy Hendrix, Elvis Presley – oder aktueller – Kurt Cobain. Mein aktueller „Anonymus Rockus“ widmet sich den AKTUELLEN, tragischen Figuren des Rock – und ob man es glaubt oder nicht – sie leben alle noch (okay, wie lange, das ist bei der einen oder anderen tragischen Figur eine andere Frage).

JANI LANE

Gerade gestern habe ich einige Berichte über die letzten Live-Shows von WARRANT gelesen. WARRANT sagt einigen von Euch sicher was. Es handelt sich hierbei um die Band, die Ende der 80er einige Hits auf MTV-Dauerrotation hatten, so z.B. CHERRY PIE, UNCLE TOM’S CABIN, I SAW RED und HEAVEN. Das war damals, als der Hairspray Rock made in LA gross in Mode war und man oft nicht wusste, ob das nun Männlein oder Weiblein war, was einem da aus dem TV entgegenblickte. Als Grunge dann Einzug hielt in die Musiklandschaft, war dies auch für WARRANT mehr oder weniger der Todesstoss. Man verlor sich in Trittbrettfahrerei, Bandmitglieder wurden aus- und wieder eingewechselt und Sänger Jani Lane verfiel mehr und mehr dem Freund (oder eher „Dämon“) Alkohol. Der Sänger und (das müssen selbst Kritiker der Band eingestehen) talentierte Songwriter verhielt sich irgendwann dermassen unprofessionell und unzuverlässig, dass er letztendlich aus seiner eigenen Band geschmissen wurde. Jani versuchte Solo sein Glück, doch seine Promille-getränkten Dämonen folgten ihm auf Schritt und Tritt, während seine ehemaligen Bandkollegen mit Sänger Jamie St. James versuchten, das Schiff wieder seetauglich zu machen.


Jani Lane: einmal jung und wild, einmal am Tiefpunkt

Im Jahre 2007 schien Jani dann tatsächlich wieder clean zu sein. Aus dem, vom Alkohol aufgequollenen Sänger wurde wieder ein ansehnlicher Mann und siehe da: Es dauerte nicht lange und die Meldung machte die Runde, dass WARRANT im Original-Line-Up wieder zusammen seien.


Jani Lane und Warrant: Reunion 2007

Man absolvierte ein paar überzeugende Reunion-Shows, streute ein paar Gerüchte über ein baldiges, neues Album bis... tja, bis Teufel Alkohol Jani Lane auf die Schulter klopfe und dieser ihn wieder hereinbat. Es folgten Shows in Vegas und das Rocklahoma-Festival – wo Jani erneut sturzbetrunken die Bühne enterte. Er war völlig aus dem Takt, traf die Töne nicht, bewegte sich teils unkoordiniert – kurz gesagt: Ein Trauerspiel. Wie es mit WARRANT nun weitergeht, wissen wohl nur die Götter. Hätte ich aber grad 100 Euro in der Tasche, ich würde sie drauf verwetten, dass a) kein neues Album in diesem Line-Up kommt und b) Jani Lane keine 12 Monate in der Band bleibt. Jani Lane: Für mich definitiv eine tragische Figur des Rock, welche mit seiner Alkohol-Sucht nicht nur sich, sondern auch seine Karriere zerstört (hat).

TIM „RIPPER“ OWENS

Wie würde man wohl jemanden nennen, der in erfolgreiche Bands einsteigt, weil der Originalsänger draussen ist – und dann nach einer gewissen Zeit aus der Band geschmissen wird, weil der ursprüngliche Sänger wieder zurückkehrt? Man könnte solch eine Person eine „tragische Figur“ nennen, auch „Pechvogel“ wäre sicherlich nicht falsch. Ich für meinen Teil nenne ihn der Einfachheit halber Tim „Ripper“ Owens! Da kriegt der gute Mann die Chance, bei JUDAS PRIEST einzusteigen, weil Meister Halford einen auf moderne Klänge macht. Owens weiss stimmlich zwar zu überzeugen, wird von den Fans der Band jedoch nie 100%ig akzeptiert.


Tim mit Judas Priest

Das die Herren gerade zu dieser Zeit dann selbst keine typischen Studio-Alben raushauen, hilft Owens bei der Akzeptanz der Fans sicherlich auch nicht gross. Es kommt, wie es kommen muss. Der nur mässig erfolgreiche Rob Halford möchte wieder zu Judas Priest zurück, Tipton & Co. haben ebenfalls keine Lust mehr auf die mittlerweile kleinen Hallen und fertig ist die Reunion mit Rob Halford als Sänger – und füllt bis heute wieder die grossen Hallen. Tim Owens zieht weiter und landet bei... ICED EARTH, wo ein gewisser Herr Barlow die Band verlassen hat.


Tim mit Iced Earth

Auch hier überzeugt Owens zwar stimmlich, doch die Fans wollen den Ex-Judas Priest-Aushilfssänger nicht, sodass sich auch hier die positive Resonanz in Grenzen hält. Das Tim die rote Karte kriegt und Mat Barlow wieder in die Band zurückkehrt, verwundert nicht wirklich, oder? Unser Ripper zieht also weiter. Na ja, die meisten von Euch wissen, wo er aktuell gelandet ist: Bei Ego-Gitarren-Hexer Yngwie Malmsteen, der in seiner langen Karriere schon so manchen Sänger rausgeschmissen hat, weil dieser zuwenig schnell an den Bühnenrand sputen konnte, wenn Virtuose Malmsteen den Spotlight für sein Gitarren-Solo braucht.


Tim mit Yngwie Malmsteen

Womit wir wieder bei meinen imaginären 100 Euro angelangt hätten. Die würde ich in diesem Falle drauf setzen, dass Owens für maximal eine Scheibe bei Yngwie bleibt. Bietet jemand dagegen?

TIMO TOLKKI

Oder wie wär’s mit Timo Tolkki? Der psychisch labile Mann prügelt sich nicht nur gerne mit Sänger Timo Kotipelto, sondern löst auch mal spontan seine Band STRATOVARIUS auf, um mit neuer Band (und Frau am Mikro) aber altem Namen und neuem Album und völlig neuem Sound zu überraschen.


Miss K., BEINAHE Sängerin von Stratovarius

Doch bevor solch ein ominöses Album veröffentlicht werden kann, belebt er freudig wieder die Stammformation, haut ein typisches Stratovarius-Album raus, erklärt dann aber später Stratovarius für tot – sehr zum Erstaunen seiner Mitmusiker. Timo holt sich ein paar Gastsänger ins Boot und veröffentlicht unter REVOLUTION RENAISSANCE ein Album, das eigentlich ganz nach STRATOVARIUS klingt. Hat vorhin jemand angezweifelt, dass Herr Tolkki psychisch leicht labil ist? :-) Nun ja, Gitarristen sind neben den Sängern ja meist die schwierigsten Individuen in einer Band, aber was Tolkki hier macht, ist schon etwas heftig. Was ich nun mit meinen 100 Euro mache? Hmmm... ich tippe mal wagemutig auf eine STRATOVARIUS-Reunion im Jahr 2009 – aber natürlich nur für ein Album, denn danach wird die Band wider erwarten wieder aufgelöst...

RON WOOD

Ob man Ron Wood nun auch zu den tragischen Figuren zählen sollte? Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich würde es eher als Dummheit bezeichnen, denn eigentlich müsste Ron doch wissen, das Drogen nichts taugen – in seinem Alter schon gar nicht. Dass er diese kleine Russin vögelt, gönne ich ihm zwar, denn jetzt kriegt er wahrscheinlich auch mal von Oberstone Jagger anerkennende Blicke, doch selbst er sollte wissen, dass man sowas besser nicht öffentlich macht – besonders wenn man verheiratet ist.


Rolling Stone' Ron Wood und sein russischer Ausrutscher

Hier lass ich meine 100 Euro im Geldbeutel, denn die kleine Russin wird bald Geschichte sein und die Stones machen eh noch für die nächsten 50 Jahre Musik.

ROB HALFORD

Ja, einige werden jetzt „Blasphemie“ schreien. Wie kann man den „Metal God“ eine tragische Figur nennen? Ganz einfach, seht selbst: Es geht hier nicht mal darum, das Rob vor Jahren seiner Band JUDAS PRIEST den Laufpass gab, um eine andere Stilrichtung einzuschlagen. Schliesslich ist er da im erlauchten Kreise namhafter Kollegen. So fand Bruce Dickinson den modernen Sound seiner SKUNKWORDS damals auch besser als den traditionellen Metal seiner eisernen Jungfrauen. Auch Lars Ulrich distanzierte sich öffentlich vom traditionellen Sound, woraufhin Metallica RELOAD rausbrachten und Geoff Tate gab ähnliche Töne von sich und versenkte das Flagschiff QUEENSRYCHE beinahe in der Bedeutungslosigkeit. Auch die Tatsache, das Mr. Halford reumütig zu den Priestern zurückgekehrt ist, macht ihn für mich noch lange nicht zu einer tragischen Figur.


Die (noch?)-Legende Rob Halford

Tragisch ist für mich eher das Trauerspiel, welches Rob Halford seit der Priest-Reunion auf den Bühnen dieser Welt abzieht. Stimmlich oft durchzogen tappst er unkoordiniert auf der Bühne rum und liest oftmals die meisten Texte von einem Teleprompter ab. Klar, jeder ist mal gesundheitlich angeschlagen... Jede Stimme klingt mal so, wie sie nicht sollte... Ein Text-Hänger kommt beim besten Sänger mal vor (nehm’ ich zumindest einfach mal an), aber dann gleich die ganze Palette bei fast jeder Show über Jahre hinweg? Das darf nicht sein – besonders nicht bei einer Band wie JUDAS PRIEST, die Legendenstatus besitzt. Rob, wenn du altersbedingte Probleme hast, dann ist das okay, schliesslich werden wir alle nicht jünger – und den Kraftakt, den man auf einer Bühne bringen muss, ist wahrlich nicht ohne. Doch wenn es nicht mehr geht, einigt Euch doch bitte darauf, nur noch Studio-Alben rauszuhauen und bleibt den Bühnen fern. Nostalgie ist ja schön und gut, doch wenn man nach einer Show Mitleid statt Bewunderung für einen Musiker (resp. Sänger) empfindet, dann läuft definitiv was falsch im Staate Rom. Was ich im Falle Rob Halford mit meinen Euros mache? Ich verwette sie darauf, das Rob und seine Band weiterhin ihren Legendenstatus demontieren, bevor irgendwann wieder ein neuer Mann hinter dem Mikro steht. Sad but true!

So, das war’s mit meinem kleinen Streifzug durch die aktuellen, tragischen Figuren des Rock und Metal. Natürlich gibt es noch Weitere dieser Sorte, doch will ich nicht den Rahmen dieser Sparte sprengen. Jedem von Euch fällt sicherlich noch mindestens eine bis zwei weitere Persönlichkeiten ein. Wo ich letztendlich meine 100 Euro einsetze? Gute Frage... ich weiss es nicht. Doch, ich hab’s: Ich wette 100 Euro darauf, das Tim „Ripper“ Owens irgendwann in der Band von Timo Tolkki landet. Die Chancen stehen gut – oder was denkt Ihr? :-)

Ich grüsse Euch

Ralph

 

 

last update: 08-2008

 

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